Forschungsgruppe

Geschichte der gebauten Umwelt

Die Forschungsgruppe geht aus dem von der VolkswagenStiftung geförderten Freigeist-Projekt „Conquering (with) Concrete. German Construction Companies as Global Players in Local Contexts“ (2020 bis 2024) hervor. Sie untersucht in einer globalen Perspektive die Geschichte der gebauten Umwelt im 19. und 20. Jahrhundert. Sie bezieht dabei die Herstellung von Baumaterialien, den Bau von Gebäuden sowie Aneignung, Instandhaltung, Umbau und Verfall von Bauwerken und Ensembles in ihre Analysen ein. Räumlich stehen Orte im „Globalen Süden“ im Fokus. Diese werden mit Blick auf ihre Position in regionalen und transnationalen Austauschbeziehungen betrachtet, etwa in der Zirkulation von Bau- und Architekturwissen sowie in Wertschöpfungsketten der Bauwirtschaft. Die Forschungsgruppe arbeitet interdisziplinär an der Schnittstelle von Architektur- und Stadtgeschichte, Wirtschaftsgeographie und Sozialanthropologie. Sie möchte Methoden der Digital Humanities aufgreifen (z.B. Deep Mapping, Netzwerkanalyse), etablierte disziplinäre Interpretationsmuster hinterfragen und sich kritisch mit der Praxis des Archivierens auseinandersetzen. Dazu steht sie im Austausch mit den Wissenschaftlichen Sammlungen des IRS.

Aktuelle Projekte

Raum lässt sich nicht ohne Boden denken und Boden nicht ohne Raum. Daher rückt das Leitprojekt „Geschichte von unten – revisited“ den Boden in den Mittelpunkt historischer Forschung: als einen zentralen, bislang aber vernachlässigten Aspekt. Boden wird dabei als eine offene, historisch gewachsene und umkämpfte Kategorie verstanden, die sich analytisch nicht auf eine Dimension reduzieren lässt. Im Projekt wird partizipativ ein Glossar erarbeitet, das die Bedeutung und Verwendung des Begriffs „Boden“ im historischen Wandel dokumentiert. mehr info

Anhand von Archivrecherchen über sowjetische Planungs- und Bauunternehmen untersucht das Forschungsprojekt kritisch die materielle Transformation Westsibiriens zur weltweit größten Förderregion für fossile Brennstoffe während des späten sowjetischen Ölbooms. Wie wurden die Ziele in der Förderung durch den Staat mittels Stadtplanung, Architektur und Bautechnologien geformt und umgestaltet? Welche Folgen hatte dies für die lokalen indigenen Gemeinschaften und die sowjetische Gesellschaft im Allgemeinen? mehr info

Das deutsch-flämisch-ivorische Gemeinschaftsprojekt CTRAAF untersucht Genealogien, Materialisierungen und Hinterlassenschaften verschiedener Formen von Verkehrsarchitektur in Westafrika, von den 1950er- bis zu den 1980er-Jahren. Zu dieser Zeit wurde in ganz Westafrika eine große Welle von Infrastrukturprojekten vorangetrieben. Verkehrsinfrastrukturen waren dabei Projekte des Nation Building. In dieser Rolle untersucht CTRAAF Ideen und Umsetzungen von Verkehrsarchitektur sowie die Handlungs- und Gestaltungsmacht politischer Akteure in diesem Prozess.<br/><br/>Vous trouverez un résumé du projet en français sous la version anglaise de ce site. mehr info

The network "(Post-)Colonial Business History (PCBH)" aims at organisational networking, exchange on methodology and theory, and expanding the intersections and connections of two fields of research which so far have been conducted rather independently of each other in the German-speaking world: on the one hand, (global) historical approaches to imperial and post-imperial entanglements, and on the other hand, business history, understood broadly as not just the history of the firm, but of organised business and business activity. mehr info

Aktuelles

11. November 2025 | Nachricht

Die Leibniz-Gemeinschaft wird 30 Jahre alt, doch zum Jubiläum blickt sie nicht zurück, sondern befragt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ganz am Anfang ihrer Karriere stehen. Historiker Paul Sprute ist einer von ihnen. Er promovierte am IRS über postkoloniale Hafenbauprojekte in Westafrika. mehr Info