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Forschungsprogramm
Die Forschungsprogramme des IRS
Am IRS arbeiten Forschende der Wirtschafts- und Sozialgeographie, Politikwissenschaft, Soziologie, Planungswissenschaft, Geschichtswissenschaft sowie der Kunst- und Architekturgeschichte zusammen. Der Raum ist ihre gemeinsame Perspektive: Am IRS analysieren wir gesellschaftliche Prozesse und ihre räumlichen Ausprägungen. Den Wandel von Räumen untersuchen wir mit Blick auf soziales Handeln und die historischen, institutionellen und materiellen Bedingungen, die es prägen.
Um die Forschung am IRS über die drei Forschungsschwerpunkte hinweg zu entwickeln, gibt sich das Institut alle vier Jahre ein Forschungsprogramm. Es bildet die Grundlage für die institutionell geförderten Leitprojekte, für die längerfristige Einwerbung von Drittmitteln, für Qualifikationsprojekte und für den Wissenstransfer in die Gesellschaft.
Mit der Gesellschaft arbeiten
Mit unserem aktuellen Forschungsprogramm „Mit der Gesellschaft arbeiten“ (2026-2029) gehen wir auf den wachsenden Bedarf nach Zusammenarbeit über die Grenzen der Wissenschaft hinaus ein. Klimawandel, soziale Ungleichheit, politische Polarisierung und globale Krisen stellen gegenwärtige Gesellschaften vor komplexe Herausforderungen. Hinzu kommt, dass sich Krisen überlagern und ein Dauerkrisenmodus entsteht. Viele dieser Probleme überschreiten disziplinäre Grenzen – und sie lassen sich nicht allein im Wissenschaftssystem bearbeiten.
Deshalb gehen wir mit unserem aktuellen Forschungsprogramm einen Schritt weiter: Wir erforschen gesellschaftlichen Wandel nicht nur – wir gestalten den Forschungsprozess gemeinsam mit gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren. Zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ist in den vergangenen Jahren eine Distanz gewachsen – nicht selten begleitet von Vertrauensverlust. Unser Programm reagiert auf diese Situation. Es versteht Forschung als offenen Lernprozess – im Dialog mit Praxis, Politik, Zivilgesellschaft und Bürgerinnen und Bürgern.
Im Zentrum stehen partizipative und transdisziplinäre Forschungsansätze:
- Partizipativ bedeutet: Menschen außerhalb der Wissenschaft bringen ihr Wissen, ihre Erfahrungen und Perspektiven aktiv in den Forschungsprozess ein.
- Transdisziplinär heißt: Fragestellungen, Methoden und Lösungswege werden gemeinsam entwickelt – auf Augenhöhe zwischen Wissenschaft und gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren.
Dabei bleibt wissenschaftliche Qualität zentral. Zugleich erweitern wir die Formen der Wissensproduktion: Forschung wird zu einem kooperativen Prozess.
Drei Leitprojekte – drei Perspektiven
In drei Leitprojekten untersuchen wir gesellschaftlichen Wandel und öffnen gleichzeitig Wege für transdisziplinäre Forschung:
Der Forschungsschwerpunkt „Ökonomie und Zivilgesellschaft“ nimmt mit seinem Leitprojekt „Caring – Valuing – Transitioning“ alternative Wirtschaftsformen in den Blick. Solche entstehen als Antwort auf gesellschaftliche Krisen. Gemeinsam mit missionsgetriebenen Organisationen, etwa Genossenschaften, untersucht das Leitprojekt, wie diese Organisationen verschiedene Ideen von Wert miteinander in Einklang bringen, und wie sie zu gesellschaftlicher Transformation beitragen können.
Der Forschungsschwerpunkt „Politik und Planung“ beleuchtet mit seinem Leitprojekt „Urbane Wärmewende“ den Zusammenhang zwischen Wohnungs- und Klimakrise. Denn die beiden Krisen sind miteinander verbunden, genau wie ihre möglichen Lösungen. Deshalb baut das Leitprojekt Brücken zwischen bisher getrennten Forschungsfeldern und bringt Praxisakteure aus Wohnungs- und Klimapolitik in Dialog. Ziel ist es, sowohl auf wissenschaftlicher, als auch auf praktischer Seite zu einer integrierten Problemwahrnehmung zu kommen.
Der Forschungsschwerpunkt „Zeitgeschichte und Archiv“ erkundet in seinem Leitprojekt „Geschichte von unten - revisited“ den Begriff des Bodens als offene, geschichtlich geformte und konflikthafte Kategorie, die in der historischen Forschung bislang vernachlässigt wurde. Das Projekt erarbeitet ein Glossar zu den vielschichtigen Bedeutungen und Verwendungen des Begriffs. Das Glossar soll als digitales Tool funktionieren. In seine Erarbeitung wird die Community von Praktiker*innen rund um die Wissenschaftlichen Sammlungen partizipativ eingebunden.
Unser Ziel
„Mit der Gesellschaft arbeiten“ ist mehr als ein Forschungsprogramm – es ist ein institutioneller Lernprozess. In den kommenden Jahren wollen wir neue Formate entwickeln, Methoden erproben und Kooperationen stärken. Ziel ist eine Wissenschaft, die fachlich exzellent bleibt und zugleich enger mit der Gesellschaft verbunden ist.