Projekte zum Forschungsthema "Räumliche Pfadentwicklung und institutioneller Wandel"

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IRS forschen aus unterschiedlichen Perspektiven in ihren Forschungsabteilungen an dem Querschnittsthema "Räumliche Pfadentwicklung und institutioneller Wandel". Folgende laufenden und abgeschlossenen Projekte tragen zu diesem Thema bei:

Direktorat

In komplexen Prozessen sozialräumlichen Wandels kommt es stark auf das Wirken von Einzelnen an – so zumindest die Überzeugung erfahrener Praktiker. Am IRS werden diese Einzelpersonen als Schlüsselfiguren bezeichnet und konzeptualisiert. Doch für die raumbezogenen Sozialwissenschaften benennt die Erkenntnis der herausgehobenen Bedeutung von Schlüsselfiguren eher ein Verständnisproblem als dass es eine Erklärung liefert. Wie können Schlüsselfiguren in die sozialwissenschaftliche Analyse integriert werden? Dieser übergeordneten Frage geht das abteilungsübergreifende Brückenprojekt „Komparative Studien zu Schlüsselfiguren in der Raumentwicklung“ nach. mehr info

Befunde aus der empirischen Raumforschung zeigen, dass es oft bestimmte Personen sind, die eine maßgebliche Rolle spielen, wenn es darum geht, Prozesse und Initiativen des sozio-räumlichen Wandels voranzubringen. Inspiriert von Konzepten, in denen die Fähigkeiten von politischen Leitfiguren, Führungsfiguren in Organisationen oder Unternehmerfiguren charakterisiert werden, hat das Team einen originären Ansatz zu Charakterisierung von Schlüsselfiguren vorgeschlagen, in dem vier Dimensionen unterschieden werden. mehr info

Institutionenwandel und regionale Gemeinschaftsgüter

Städte verursachen weltweit etwa 70 Prozent der Treibhausgasemissionen, sind aber auch besonders stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Insbesondere extreme Wetterereignisse wie Starkregen, Hochwässer und Hitzewellen haben hohe Sachschäden zur Folge und wirken sich – aufgrund inadäquater Verhaltensweisen in Gefahrenlagen und mangelnder Vorsorge – negativ auf die Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner aus. Das BMBF-Forschungsprojekt „Urbane Resilienz gegenüber extremen Wetterereignissen - Typologien und Transfer von Anpassungsstrategien in kleinen Großstädten und Mittelstädten“ (ExTrass) verfolgt das Ziel, die Resilienz der Städte in enger Zusammenarbeit mit Stadtverwaltungen, Strukturen des Bevölkerungsschutzes und der Zivilgesellschaft messbar zu stärken. mehr info

Das ReNEW-Projekt ist das zentrale Forschungsprojekt des Leibniz-Forschungsverbundes Energiewende (LVE). Es ist darauf gerichtet, drei Spannungsfelder der Energiewende zu systematisieren und zu erkunden und die jeweiligen Ergebnisse für die Fachöffentlichkeit zu vermitteln: zentrale versus dezentrale Energiesysteme, öffentliche versus private Interessen und globale versus lokale Wirkungen. mehr info

Die Energiewende in Deutschland verändert – wie auch vergleichbare Transformationen in anderen Staaten – bisherige Raumnutzungen und -strukturen und stellt zugleich eine Herausforderung für die raumbezogene Politik dar. Die räumliche Gestaltung von sogenannten „energy transitions“ durch Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ist eine gesamtgesellschaftliche Problemstellung. Das Leitprojekt lenkt den Fokus auf einen Aspekt der Energiewende, der politisch wie wissenschaftlich besonders vielversprechend ist: neue Energieräume. mehr info

Das internationale Projekt UrbanRain, finanziert durch den schwedischen Forschungsrat Formas, untersuchte Chancen und Herausforderungen bei der Planung dezentraler Technologien der Regenwassernutzung in europäischen Großstädten. mehr info

Das Forschungskonsortium „Post-Carbon Cities of Tomorrow – foresight for sustainable pathways towards liveable, affordable and prospering cities in a world context (POCACITO)“ entwickelte innerhalb des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms eine Roadmap für den Übergang zu einem nachhaltigen, post-fossilen Wirtschaftsmodell für europäische Städte. Darunter subsummieren sich Veränderungen in den Energiesystemen, der Wasserversorgung, dem Verkehr, der Abfallwirtschaft, den regionalen Wirtschaftskreisläufen, dem Wohnen, dem Umweltschutz und der politischen Steuerung und Bildung. mehr info

Die Umstellung der Energiesysteme von fossilen und atomaren Energieträgern zu erneuerbaren Energien und zu mehr Energieeffizienz ist raumpolitisch von hoher Brisanz. Die Energiewende vollzieht eine räumliche Rekonfiguration der Energieerzeugung, -versorgung und -nutzung. Sie führt zu neuen Anforderungen an institutionelle Arrangements und Governance-Formen der Infrastruktur-, Kulturlandschafts- und Regionalpolitik. Die Aufgabe dieses Leitprojekts bestand darin, Materialität und Macht hinsichtlich ihrer Relevanz für die Erforschung regionaler Gemeinschaftsgüter theoretisch-konzeptionell anhand des Handlungsfelds „Energie“ zu erschließen. mehr info

Der Erfolg von Initiativen zur Stärkung eines integrierten Wasserresourcen-Managements (IWRM) ist in hohem Maße davon abhängig, inwieweit die jeweiligen Interventionen den konkreten institutionellen Kontext berücksichtigen, in dessen Rahmen diese Maßnahmen umgesetzt werden sollen. Insbesondere IWRM-Projekten in Entwicklungs- und Transformationsländern wird oftmals vorgeworfen, die vorherrschenden politischen und institutionellen Rahmenbedingungen auf lokaler, regionaler, nationaler und transnationaler Ebene nicht ausreichend zu berücksichtigen. Zukünftige Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Bereich IWRM sollten deshalb eine fortlaufende Analyse institutioneller Möglichkeiten und Zwänge als einen Kernbestandteil ihrer Arbeitsprogramme verstehen. Um diesen Prozess zu befördern bedarf es geeigneter analytischer Instrumentarien. mehr info

Das IRS führte im Rahmen des BMBF-Forschungsverbundes „Verlust der Nacht“ zwei Teilprojekte mit sozial- bzw. geschichtswissenschaftlicher Ausrichtung durch. Das sozialwissenschaftliche Teilprojekt analysierte gegenwärtige Interessenslagen und Problemwahrnehmungen zur „Lichtverschmutzung“ sowie Handlungsmöglichkeiten der relevanten Stakeholder für eine Reduzierung der Lichtverschmutzung. Die geschichtswissenschaftliche Studie nahm die historischen Gründe für die Attraktivität und Verbreitung des künstlichen Lichts in den Blick. Dabei wurden insbesondere seine gesellschaftlichen Funktionen – und damit die Interessenlagen der Akteure – beleuchtet. mehr info

In raumentwicklungspolitischen und raumwissenschaftlichen Debatten hat der Begriff „Kulturlandschaft“ zuletzt hohe Aufmerksamkeit erfahren. Das Dissertationsprojekt von Dr. Ludger Gailing widmete sich daher der Aufgabe, die bisherige Raum- und Landschaftsforschung zu Kulturlandschaften um sozial- und insbesondere um politikwissenschaftliche Aspekte zu erweitern. Gailing kam zu dem Ergebnis, dass Kulturlandschaften gesellschaftlich konstruiert sind. Bestimmend sind dabei sowohl Institutionen, etwa Rechtsverordnungen, Förderprogramme, Raumbilder sowie Symbole der Kulturlandschaft, als auch Governance-Formen, also Handlungs- und Steuerungsmodi der beteiligten Akteure. mehr info

Das Vorhaben ist innerhalb des DFG-Bündelantrags „KULAKon – Konstituierung von Kulturlandschaft“ angesiedelt und fokussiert auf die sektoralen Institutionensysteme sowie auf Formen einer kulturlandschaftsbezogenen Governance, die Beiträge zu deren Koordination und Interaktion leisten. Es werden Forschungsstränge der sozialwissenschaftlichen Institutionen- sowie der Governanceforschung mit empirischen Untersuchungen zur Konstituierung von Kulturlandschaften als Handlungsräumen verbunden. Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht die Gewinnung grundlegender Erkenntnisse zur inneren Systemlogik ausgewählter sektoraler Institutionensysteme sowie zu ihrem Beitrag für die Konstituierung einzelner Kulturlandschaften und für Formen kulturlandschaftsbezogener Governance. mehr info

Regenerierung von Städten

Während ethnisch-kulturelle Diversität seit Jahrzehnten auf der Tagesordnung städtischer Entwicklung und deren Erforschung steht, erfahren andere Diversitätsmarker bislang weniger Aufmerksamkeit. Dies gilt insbesondere für den Umgang der Städte mit sexueller Diversität, einem Teilaspekt der Diverstätspolitiken. In seinem Promotionsprojekt untersucht Jesko Meißel in regional vergleichender Perspektive die Formierung und Einbindung des Themas "Sexuelle Diversität" im Kontext allgemeiner Diversitätspolitiken und im Rahmen städtischer Transformationsprozesse und Ungleichentwicklung. Untersucht werden die Diversitätspolitiken von Manchester, Frankfurt am Main und Leipzig hinsichtlich ihrer Strategien im Umgang mit LGBT-Teilhabe. mehr info

Die europäischen Städte, seit den 1990er Jahren durch den wirtschaftlichen Strukturwandel mit zunehmenden sozialräumlichen Ungleichentwicklungen konfrontiert, mussten sich mit der Globalisierung neu erfinden. Übergreifend ist dabei ein starkes Interesse an der Generierung von Zuwanderung. Dabei kommt es vielfach zu einer Diskrepanz zwischen dem gewünschten Zuzug Hochqualifizierter, sozial bessergestellter Schichten und kreativer Klassen und zum Teil ungeplanter Zuwanderung durch Arbeitsmigranten, temporären Bewohnern und Flüchtlingen. Im Leitprojekt untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, inwieweit diese Diskrepanz auf die Stadtentwicklungsprozesse zurückwirkt. mehr info

Historische Forschungsstelle

Das Leitprojekt analysierte die Fragen nach politischen Planungen, gesellschaftlichen Nutzungen und Aneignungsformen von Freiräumen in Ost- und Westdeutschland für die Zeit von 1945 bis 1989 in mehreren komparativen Fallstudien anhand von Fragenkomplexe zu Urbanisierungsstrategien, Planerpersönlichkeiten und Netzwerke sowie Herrschaft und Öffentlichkeit. Urbane Freiräume erfüllen eine Vielzahl gesellschaftlicher Aufgaben. Sie sichern städtische Lebens- und Umweltqualitäten und dienen sowohl als Orte staatlicher Repräsentation und Kontrolle wie auch als soziale Kommunikationsräume. Aufgrund dieser Multifunktionalität besitzen Freiräume in der Stadt- und Regionalentwicklung eine besondere strategische Bedeutung, z.B. in ihrer Funktion als Potenzial gegen eine (übermäßige) Verdichtung städtischer Siedlungsstrukturen. Umgekehrt spiegelt und beschleunigt die Aneignung städtischer öffentlicher Räume durch die Bürger gesellschaftliche Wandlungsprozesse – im Alltag wie auch speziell in Phasen politischer Mobilisierung. mehr info