03. Juli 2026 | Nachricht

Neues Dossier zu Citizen Science erschienen

Ein neues Dossier mit dem Titel „Citizen Science – Wissen generieren, Wissenschaft verkaufen, Gesellschaft leisten“ versammelt Expertise aus der Praxis partizipativer Projekte. Es ist jetzt auf dem Portal Zeitgeschichte online erschienen. Herausgeberinnen sind Kerstin Brückweh und Svetlana Burmistr, beide Historikerinnen am IRS.

Citizen Science bringt Forschung und Gesellschaft zusammen: Forschende und interessierte Bürger*innen arbeiten gemeinsam an wissenschaftlichen Projekten. In wissenschaftspolitischen Debatten über das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft gilt dieser Ansatz als Beitrag, um Wissenschaft zu öffnen, Innovation zu fördern und die gesellschaftliche Relevanz der Forschung zu stärken. Doch was bedeutet Citizen Science für die wissenschaftliche Praxis? Wie lässt sich Forschung gemeinsam mit gesellschaftlichen Akteuren gestalten? Welche Erwartungen sind mit Citizen Science verknüpft, und welche Möglichkeiten eröffnet dieser Ansatz für wissenschaftliche Erkenntnisprozesse?

Diesen und weiteren Fragen widmet sich das neue Dossier. Es zieht eine Zwischenbilanz von Theorie und Praxis, Anspruch und Wirklichkeit partizipativer Formate. Gleichzeitig reflektiert es Erfahrungen mit Citizen-Science-Projekten, die selten in die Abschlussberichte oder Wissenschaftskommunikation eingehen.

Die Beiträge reichen von Stadtgeschichts- und Behördenforschung über Public History bis hin zu erinnerungskulturellen und erinnerungspolitischen Projekten zur deutschen Vereinigung sowie zu Flucht und Vertreibung.

Auch zwei partizipativ angelegte Projekte des IRS-Forschungsschwerpunkts „Zeitgeschichte und Archiv“ gewähren Einblicke in ihre Arbeit: das bis 2028 laufende Projekt „Wie die Vergangenheit zählt. Zur Geschichte des Statistischen Bundesamtes (GeStat)“ sowie das 2025 abgeschlossene Projekt „Schreib Dich durch die Neunziger! Kreatives Schreiben als partizipativer Zugang zur Transformationsforschung“. Neben geschichtswissenschaftlichen Projekten erweitert das Dossier den Blick disziplinenübergreifend auf Sprachwissenschaft, Archäologie und Wildtierforschung. Die Beiträge beleuchten sowohl die Potenziale von Citizen Science für die Forschung als auch die Herausforderungen. Dazu gehören die Vermittlung wissenschaftlicher Methoden an Bürgerforschende, der Aufbau von Communities, das Management von Erwartungen und Motivationen sowie ethische und rechtliche Fragen, Deutungskonflikte und Fragen der Nachhaltigkeit.

Das Dossier geht auf den Workshop „Gesellschaft leisten“ der AG Citizen Science des Leibniz-Labs „Transformationen und Umbrüche“ im November 2025 zurück. Es richtet sich an Forschende, Praxispartner und alle, die sich für das Verhältnis zwischen Wissenschaft, Wissen und Gesellschaft interessieren.

Zum Dossier

„Citizen Science – Wissen generieren, Wissenschaft verkaufen, Gesellschaft leisten“

Zum Dossier auf dem Portal zeitgeschichte | online

Projektinformation

In Zusammenarbeit mit dem Statistischen Bundesamt erprobt das IRS einen neuen Zugang zur historischen Behördenforschung: Im Projekt „GeStat“ werden vergangenheitspolitische Vorstellungen und Konzepte ebenso wie methodische, personelle und organisatorische Entwicklungen im Statistischen Bundesamt seit den späten Achtzigerjahren untersucht und damit der Einschnitt des Volkszählungsboykotts als Ausgangspunkt genommen. mehr info

Projektinformation

Die Neunziger Jahre stellen eine Zeit des Auf-, Um- und Zusammenbruchs dar, die in jeder ostdeutschen Biografie Spuren hinterlassen hat. Das partizipative Projekt nimmt die besondere reflexive Qualität von Literatur und die Lust zahlreicher Menschen am autobiografischen Schreiben zum Ausgangspunkt, um eine lebensweltliche Perspektive auf Transformationsgesellschaften zu erschließen. „Schreib Dich durch die Neunziger“ bringt Forschende, Schreibtrainer*innen und Zeitzeug*innen zusammen. mehr info