Schreib Dich durch die Neunziger! Kreatives Schreiben als partizipativer Zugang zur Transformationsforschung
Forschungsschwerpunkt: Zeitgeschichte und Archiv
Projektleitung im IRS: Dr. Harald Engler
Verbundpartner: Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des Östlichen Europa (GWZO) (Koordination) Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung
Förderorganisation: Leibniz-Gemeinschaft
Laufzeit: 10/2024 - 09/2025
Die Neunziger Jahre stellen eine Zeit des Auf-, Um- und Zusammenbruchs dar, die in jeder ostdeutschen Biografie Spuren hinterlassen hat. Im Fokus der zeithistorischen und soziologischen Forschung zur Transformationszeit stehen der strukturelle Umbau von Arbeit, Bildung, Politik sowie Fragen der Aufarbeitung. Deutlich weniger präsent ist eine lebensweltliche Perspektive, die sich dem Jahrzehnt entlang emotionshistorischer und alltagsgeschichtlicher Aspekte nähert und sich wissenschaftlich mit „Erfahrungen“ auseinandersetzt.
Das partizipative Projekt nimmt die besondere reflexive Qualität von Literatur und die Lust zahlreicher Menschen am autobiografischen Schreiben zum Ausgangspunkt, um eine lebensweltliche Perspektive auf Transformationsgesellschaften zu erschließen. Über professionell geführte Kurse im kreativen Schreiben, die den ostdeutschen Erfahrungen während der Umbruchszeit gewidmet sind, sollen Nuancen aufgezeigt und Stimmen hörbar gemacht werden, die sonst kaum Beachtung finden.
„Schreib Dich durch die Neunziger“ bringt Forschende, Schreibtrainer*innen und Zeitzeug*innen zusammen. In Kooperation mit öffentlichen Trägern und Vereinen werden im Frühjahr und Sommer 2025 sechs Schreibkurse in Sachsen, Thüringen und Brandenburg angeboten. Durch unterschiedliche Schreibimpulse entstehen poetische und belletristische Texte, die individuelle Einblicke in ostdeutsche Erfahrungswelten bieten und als zeithistorische Quellen erschlossen werden sollen. In Lesungen und Popup-Ausstellungen werden sie im Sommer bzw. Herbst 2025 der Öffentlichkeit präsentiert und nach Projektabschluss in das lebensgeschichtliche Archiv des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV) bzw. in die Wissenschaftlichen Sammlungen des IRS übernommen.
Das Projekt wird im Rahmen des Leibniz-Labs "Umbrüche und Transformationen" gefördert.