Hauptinhalt
Disruptionen in Geschichte und Gegenwart – Gelegenheiten oder Gegebenheiten in Prozessen gesellschaftlicher Transformation?
Der Begriff der Disruption hat seit den 2000er-Jahren in öffentlichen wie wissenschaftlichen Debatten zunehmend an Resonanz gewonnen. Die Konferenz zielt darauf ab, das produktive Potenzial des Disruptionsbegriffs zu erkunden. Im Zentrum steht die Frage nach seinem analytischen Mehrwert für die Beschreibung gegenwärtiger gesellschaftlicher Veränderungen.
Disruption bezeichnet im Kern Unsicherheit, Überraschung sowie schnelle oder abrupte Veränderungen. Bei genauerer Betrachtung treten jedoch auch Widersprüche in der Begriffsnutzung hervor. So wird Disruption in jüngerer Zeit häufig als bedrohlich und krisenhaft gerahmt, mitunter aber auch als erstrebenswert begrüßt (etwa in der Innovationsliteratur). Dies führt dazu, dass Disruptionen heute vermehrt politisiert werden – etwa, wenn mit der antizipierten Unausweichlichkeit von Brüchen argumentiert wird, um gesellschaftliche Entwicklungen in bestimmte Richtungen zu lenken.
Der steigende Stellenwert des Begriffes, erste Versuche präziserer Begriffsdefinitionen in unterschiedlichen disziplinären Zusammenhängen sowie verbleibende Unschärfen laden dazu ein, das produktive Potenzial des Begriffs zu erkunden. Ziel der Konferenz ist daher ein intellektueller Austausch über den Begriff der Disruption und seinen analytischen Mehrwert, insbesondere in interdisziplinärer Perspektive. Wo bietet der Begriff gegenüber etablierten Begriffen wie Transformation zusätzliche Erkenntnisse? Wo stößt er an seine Grenzen, und wie gehen wir in Wissenschaft und Gesellschaft mit der Ambiguität des Begriffs um?
Auf der Konferenz sollen unterschiedliche Perspektiven auf Disruptionen gezielt zusammengeführt und eine programmatische Synthese dieses Wissens entwickelt werden.
Beide Konferenztage werden eingeleitet von Keynote-Vorträgen von Dr. Sarah Stanske (Universität Bremen) und Prof. Dr. Jochen Streb (Universität Mannheim).
Die Konferenz bildet den Abschluss des Brückenprojektes „Disruption und räumliche Entwicklung: Konzepte zu raum-zeitlichen Dynamiken, Wahrnehmungsweisen und Handlungsstrategien". Sie ist eine Veranstaltung des Leibniz-Labs „Umbrüche und Transformationen“, organisiert vom Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) in Kooperation mit dem Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) und dem Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL).
Organisationsteam: Dr. Harald Engler (IRS), Dr. Rita Gudermann (IRS), Prof. Dr. Oliver Ibert (IRS), Dr. Jörn Knobloch (IfL), Dr. Madlen Pilz (IRS) und Dr. Tilmann Siebeneichner (ZZF). Bei Fragen können Sie sich gern an uns wenden.