03. September 2026 | Pressemitteilung

Welche Werte entscheiden über die Zukunft von Regionen?

Neue Nachwuchsforschungsgruppe untersucht soziale Bewertungsprozesse im Strukturwandel

Strukturwandel ist nicht nur eine Frage von Technologien oder Fördermitteln. Es geht dabei auch um Bewertungen: Welche Arbeit, Fähigkeiten und Zukunftsbilder gelten als wertvoll und welche nicht mehr? Wer entscheidet darüber? Diese Fragen untersucht seit 1. September 2026 der Geograph Jonathan Friedrich am Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS). Er leitet die neue Nachwuchsforschungsgruppe „Wert und Bewertung im Strukturwandel" und ist gleichzeitig Juniorprofessor für Stadt- und Regionalsoziologie an der BTU Cottbus.

Die Nachwuchsforschungsgruppe untersucht, wie in regionalen Transformationsprozessen – etwa beim Kohleausstieg – gesellschaftlich geteilte Werte ausgehandelt und räumlich wirksam werden. Die Lausitz in Brandenburg ist ein Untersuchungsgegenstand.

Gefragt wird einerseits, wie neue Ideen, Technologien und Organisationsformen bewertet, und daher ausgewählt und umgesetzt werden. Andererseits wird untersucht, wie bestehende Praktiken und Wissensbestände Entwertung erfahren und daher an Bedeutung verlieren, vergessen oder sogar aktiv verlernt werden. Diese Perspektive des Be- und Entwertens bei der Gestaltung regionaler Transformationsprozesse wurde in der Forschung bislang wenig untersucht.

Nicht nur Lausitz – international vergleichend

Die Forschung beschränkt sich nicht auf Brandenburg. Im Rahmen von Promotionsprojekten werden weitere Regionen im In- und Ausland analysiert. Das ermöglicht einen internationalen Vergleich. Wie unterscheiden sich Bewertungsprozesse in verschiedenen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontexten?

„Regionale Transformationsprozesse sind davon geprägt, dass Akteure mit verschiedenen Ideen und Interessen um die Zukunft ringen“, sagt Jonathan Friedrich.  „Wir wollen besser verstehen, wie diese Aushandlungsprozesse verlaufen und welche Gestaltungsmöglichkeiten sich daraus ergeben. Dabei geht es auch um Fragen von Teilhabe und Gerechtigkeit."

Forschung und Praxis verbinden

„Die Nachwuchsforschungsgruppe betreibt Grundlagenforschung und erarbeitet zugleich mit Akteuren aus den Regionen praktisch wirksames Wissen. Das ist genau die Forschung, für die das IRS steht", erklärt Oliver Ibert, wissenschaftlicher Direktor des IRS.

„Die Berufung stärkt die enge Zusammenarbeit mit dem IRS und bereichert unsere Profillinie ‚Globaler Wandel und Transformationsprozesse‘“, sagt BTU-Präsidentin Gesine Grande. „Mit der gemeinsamen Finanzierung der zur Professur gehörenden Nachwuchsgruppe engagieren sich BTU und IRS in außergewöhnlicher Weise für den Aufbau von einrichtungsverbindender Forschungsexpertise und einen engen wissenschaftlichen Austausch“.  

Über Jonathan Friedrich

Dr. Jonathan Friedrich ist Humangeograph. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit der Geographie von Nachhaltigkeitstransformationen, insbesondere mit ihrer räumlichen Organisation, Aushandlung und Wirksamkeit. Von 2024 bis 2026 war er Postdoctoral Fellow am Department für Humangeographie der Universität Lund in Schweden, von 2019 bis 2024 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF). In seiner Dissertation an der Georg-August-Universität Göttingen hat er den Nachhaltigkeitswandel in der deutschen Tierhaltung untersucht.