21. Mai 2026 | Nachricht

Orte brauchen Menschen

Rückblick auf das Brandenburger Regionalgespräch „Der Zukunft einen Raum geben“

Blick auf das Podium

Julia Gunnoltz (ZALF) auf dem Podium

Veranstaltungsbeginn

Stimmen aus dem Publikum

Ralph Richter (IRS) im Interview

Damit ländliche Räume eine Zukunft haben, brauchen sie Orte, an denen Menschen zusammenkommen und etwas auf die Beine stellen können. Lassen sich solche Orte schaffen, auch wenn beispielsweise die Dorfkneipe geschlossen hat? Was brauchen sie und wie lassen sie sich nachhaltig bewirtschaften? Das Brandenburger Regionalgespräch in Beeskow zeigte: Es kommt auf langfristiges Engagement an und auf niederschwellige Angebote.

Auf dem Land trifft man sich – im Vereinsheim, in der Dorfkneipe. Ländliche Räume brauchen Treffpunkte, für den sozialen Zusammenhalt und für die Fähigkeit gemeinsam Wandel zu bewältigen, in die Zukunft zu gehen. Doch solche Orte verschwinden zusehends. Was tritt an ihre Stelle? Wo ist Raum für Kreative und Netzwerker, Junge und Alte, Alteingesessene und Neuankömmlinge? Helfen neu geschaffene Gemeinschaftsräume und offene „Labore“ für lokale Projekte?

Darüber diskutierten auf der Burg Beeskow Jeannette Gruner (Regionalmanagement LAG Oderland), Julia Gunnoltz (ZALF), Martin Hollinetz (OTELO-Genossenschaft Österreich), Oliver Kühne (Landkreis Oder-Spree) und Ralph Richter (IRS) miteinander und mit einem Saal voller interessierter Bürger*innen und zivilgesellschaftlich Engagierter. Moderiert wurde das Brandenburger Regionalgespräch am 7. Mai 2026 von Anika Posselius (IRS).

Eine Handvoll Menschen

Die eine kann keine geförderten Dorfgemeinschaftshäuser mehr sehen, der andere findet sie toll – die Crux ist immer dieselbe: Neu geschaffene Gemeinschaftsorte brauchen nachhaltige Pflege. Orte brauchen Menschen. Faustregel: Eine Handvoll Menschen müssen sich dauerhaft um einen Ort kümmern. Denn die Menschen machen den Ort: Die Wiederkehrenden, die Durchreisenden und die, die immer da sind. Feste soziale Orte verbinden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wer mit so einem Anker aufwächst, kommt später auch eher wieder zurück in die Heimat.

Nachhaltig wirksame Initiative kommt am besten von „unten“. Und die Menschen wollen etwas verändern. Gerade bei Jugendlichen ist die Lust auf neue Projekte groß. Doch genauso schnell ist sie wieder weg, wenn die Förderbürokratie zuschlägt. Enge Vorgaben und lange Wartezeiten treiben auch Kommunen zur Verzweiflung. Wie es geht, zeigt die Otelo-Genossenschaft im ländlichen Österreich: Junge Leute bekommen 1000 € und ein Coaching für jede Idee, egal wie verrückt. Ein Elfjähriger will ein Metal-Konzert organisieren? Bitte sehr! Wer sich weiter vertiefen will, bekommt einen Raum, Arbeitsmittel und Betreuung.

Wie viel Offenheit ist möglich?

Niederschwellig und offen für alle sollen Orte also sein. Doch wie viel Offenheit ist möglich? Schließlich haben auch die, die nicht sehr fest auf dem Boden des Grundgesetzes stehen, Interesse an Orten für Projektentwicklung und Zusammenkunft. Man denke an die Jugendclubs der Neunziger. Eine Möglichkeit: Jede neue Nutzergruppe durchläuft ein Gespräch über die demokratischen Grundwerte eines Orts.

Wandel, das heißt heute: Alterung, Nachwuchsmangel. Dazu kommen immer knappere öffentliche Kassen. Gerade für freiwillige Aufgaben wie Jugendarbeit und Kultur fehlt den Kommunen zunehmend das Geld, Förderquellen trocknen aus oder ändern den Fokus. Und dann ist da der politische Wandel: Gesellschaftliche Polarisierung und wachsender autoritärer Populismus. Schon jetzt beobachtet ein Teilnehmender in Dorfgemeinschaften eine Dominanz von „Machtmenschen, die ihren Willen durchsetzen“. Angesichts dessen müssen Zivilgesellschaftliche Netzwerke und sogar öffentliche Einrichtungen resilienter werden. Etwa, indem sie teils neue, sozialunternehmerische Einnahmequellen erschließen.

Ein riesiges Dankeschön

Das IRS dankt herzlich den Podiumsgästen und allen, die so engagiert diskutiert haben. Vor allem danken wir der Hochschulpräsenzstelle Oderland-Spree | Beeskow für die Gastfreundschaft und großzügige, professionelle Unterstützung an diesem außergewöhnlichen Ort. Wir haben lange kein so lebendiges, von Wissen und Leidenschaft getragenes Regionalgespräch mehr erlebt. Wir kommen wieder.

 

Fotos: Alexander Rentsch

Zur Veranstaltung

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07. Mai | 2026
60. Brandenburger Regionalgespräch | 7. Mai 2026 | Burg Beeskow

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