22. Juni | 2026

Wo der Reichtum wohnte: Digitale Karte erfasst erstmals große Vermögen im Deutschen Kaiserreich

Einladung zur Online-Freischaltung und Podiumsdiskussion

Wer heute durch den Berliner Tiergarten spaziert, sieht Botschaftsgebäude, breite Straßen und viel Grün. Wie aber war das um 1900? Damals wohnten hier vermögende Industrielle, Bankiers und Handelsunternehmer sehr dicht beieinander. Was lässt sich erkennen, wenn man diese Wohnorte wieder sichtbar macht? Wie sah es in anderen Städten aus? Wie verteilte sich Reichtum räumlich nicht nur in Berlin, sondern im gesamten Deutschen Kaiserreich? Und hilft dieser Blick in die Geschichte, wenn wir heute über Vermögensungleichheit, über „gute Adressen“ oder über soziale Unterschiede zwischen Stadtvierteln diskutieren?

Eine neue digitale Karte macht es erstmals möglich, diese Fragen systematisch zu untersuchen. Sie zeigt, wo Millionäre um 1900 lebten und wo sich Vermögen konzentrierte. Grundlage sind die Daten aus Rudolf Martins Jahrbüchern des Vermögens und Einkommens der Millionäre aus den Jahren 1912 bis 1914, eine Art Vorläufer heutiger Reichenlisten. Die Daten wurden vom Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung (MPIfG) im Rahmen des von der Leibniz-Gemeinschaft geförderten Projekts „Where the Rich Live. Mapping Villa Neighborhoods and Cultures of Wealth in Germany's Long Twentieth Century (RichMap)” digital erschlossen und kartiert.

Am Montag, 22. Juni 2026 um 18 Uhr stellen wir die „Karte der Millionäre“ erstmals einer breiten Öffentlichkeit vor und diskutieren sie im Rahmen einer Podiumsveranstaltung mit Vertreterinnen und Vertretern aus Journalismus, Geschichts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Nach der Veranstaltung laden wir zu einem Umtrunk ein.

Die Karte wird am 22. Juni 2026 um 18 Uhr freigeschaltet und ist ab diesem Zeitpunkt verfügbar unter: Vom Verzeichnis zur Karte.


Programm

Grußworte Sebastian Lentz (Leibniz-Gemeinschaft) und Isabell Stamm (in Vertretung für das Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, MPIfG)

Begrüßung und Einführung: „Daten, eine Karte und ihre Geschichte(n)“ – Eva Maria Gajek (IRS) und Daria Tisch (ehem. MPIfG, jetzt Bayerisches Landesamt für Statistik)

Podiumsdiskussion:

Charlotte Bartels ist Ökonomin (Universität Leipzig) und arbeitet zur historischen Entwicklung von Einkommen und Vermögen in Deutschland.

Michael Goebel ist Globalhistoriker (Freie Universität Berlin) und forscht zu Segregation und Ungleichheit unter Nutzung digitaler kartografischer Methoden.

Sebastian Kohl ist Soziologe (Freie Universität Berlin) und untersucht Wohnungsmarktentwicklung, Eigentumsstrukturen und die politische Ökonomie des Wohnens.

Friedrich Lenger ist Historiker (Justus-Liebig-Universität Gießen) und forscht zur modernen Urbanisierung und zur Geschichte des Kapitalismus.

Vadim Oswalt ist Geschichtsdidaktiker (Justus-Liebig-Universität Gießen) und Experte für Geschichtskarten und historische Karten als Medien der Wissensvermittlung.

Lena Peters ist Studentin der Soziologie an der Universität zu Köln und nutzt die digitale Karte für ihre Masterarbeit.

Marilena Piesker ist Journalistin und schreibt in der ZEIT über soziale Ungleichheit und Vermögensverteilung.

Anna Scheuble studiert Geschichte an der Viadrina Universität Frankfurt/Oder und hat die digitale Karte als Studentin getestet.

Moderation: Eva Maria Gajek und Daria Tisch

Angaben zur Veranstaltung

Wann: Montag, 22. Juni 2026, 18 Uhr

Wo: Technische Universität Berlin, Fraunhoferstr. 33-38, 10587 Berlin, Raum: FH 804

Eine Anmeldungsmöglichkeit steht in Kürze zu Verfügung. 

Das Forschungsprojekt „RichMap – Where the Rich Live“ untersucht die Entstehung und Entwicklung von Villenvierteln in Deutschland im langen 20. Jahrhundert. Im Fokus steht nicht nur, wie bestimmte Stadtteile zu „guten Adressen“ wurden, sondern auch, wie sie diesen Status über Jahrzehnte hinweg bewahren konnten, ihn verloren und – insbesondere im Osten Deutschlands – nach politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen teilweise wiedererlangten. Methodische Innovationen des Projekts sind unter anderem digitale Karten, sogenannte „Thick Maps“ sowie Citzen-Science-Maßnahmen, um die Perspektiven von Anwohner*innen und Stadtbewohner*innen einzubeziehen. mehr info