Sind Städte Klimapioniere?

No 97 | Dezember 2021

In dieser Ausgabe widmen wir uns den Städten und ihrer – möglichen – Rolle als Vorreiter der Klimapolitik. Bereits seit Längerem forscht das IRS zu den räumlichen Dimensionen der Energiewende. Neu hinzu kam vor drei Jahren die Frage nach klimapolitischen Ansätzen in Städten, in Deutschland wie auch im europäischen Rahmen. In den Titelbeiträgen dieses Hefts fragen wir, welche Städte tatsächlich klimapolitisch aktiv werden, wie sie das tun, welche historischen und strukturellen Faktoren die Aktivitäten beeinflussen, und wie aktuelle Ereignisse sich auswirken. Wir „zoomen“ aber auch heraus und fragen, in welchem Verhältnis Kernstadt und Umland stehen, etwa bei der Verkehrswende, und wie andere Ebenen – Bund, Land, EU – die Klimapolitik auf lokaler Ebene prägen. Schließlich tauchen wir ein in die oft konflikthaften Aushandlungen rund um konkrete Planungsvorhaben, die im Rahmen ökologischer und ökonomischer Transformationen auf die Kommunen zukommen Blättern Sie aber auch gerne durch die Nachrichten aus dem Institut. So erfahren Sie zum Beispiel von IRS-Alumnus Thorsten Heimann, was Kultur- und Klimapolitik miteinander zu tun haben.

 

Städte gelten als Pioniere der Klimapolitik. Doch entspricht dieses Image der Realität, oder trifft es in Wahrheit nur auf wenige, wohlhabende Metropolen zu? Zwei Forschungsprojekte am IRS haben die klimapolitischen Aktivitäten von Städten unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Es gibt viele unterschiedliche Positionierungen, und alte Ungleichgewichte bestehen fort. Doch gesellschaftlicher Druck hat gerade in den letzten Jahren fast überall etwas bewegt. mehr Info

Auf welcher Ebene findet Klimapolitik statt? Sind Städte die Treiber oder setzen sie nur Vorgaben um, die auf höherer Ebene beschlossen werden? Tatsächlich wirkt eine Kombination beider Mechanismen – und vieler weiterer, die zwischen diesen Extrempolen liegen. Neben der EU- und der Bundesebene sind in Deutschland besonders die Bundesländer einflussreiche Akteure, die vielfältige – und unterschiedlich ambitionierte – Antworten auf den Klimawandel finden. Städte stehen klimapolitisch wiederum mit allen Ebenen, von regional bis europäisch, in Kontakt. mehr Info

Der Verkehrs- und Logistikbereich ist ein Sorgenkind des Klimaschutzes. Für eine spürbare Verringerung seiner Treibhausgasemissionen werden neue, nachhaltige Konzepte benötigt, die über individuelle E-Mobilität hinausgehen und wirksam Verkehrsströme reduzieren. Solche Konzepte werden aber bislang hauptsächlich im Kontext städtischer Zentren diskutiert; suburbane und ländliche Räume werden zu wenig beachtet. Ein Projektverbund unter Beteiligung des IRS hat deshalb in einem urbanen und einem suburbanen Quartier vergleichend untersucht, unter welchen Bedingungen Menschen neuartige Lösungen in Stadtlogistik und Verkehr akzeptieren und nutzen. mehr Info

Die postfossile Transformation erfordert massive Investitionen in Infrastrukturen und neue Produk­tions­kapazitäten. Oft treffen solche Investitionsprojekte auf Widerstände. Die so entstehenden Konflikte müssen im Rahmen von Planungsverfahren bearbeitet werden. Die Soziologin Eva Eichenauer und der Stadtplaner Manfred Kühn erforschen am IRS – mit unterschiedlichen Schwerpunkten – Planungskonflikte rund um transformative Projekte. Im Gespräch mit IRS aktuell diskutieren sie, wie mit Konflikten produktiv umgegangen werden kann und welche räumlichen Dimensionen Planungs­konflikte haben. mehr Info

Aus dem Inhalt

Städtische Klimapolitik zwischen alten Industrien und neuen Allianzen

Klimapolitische Steuerung: (Nicht nur) auf die Bundesländer kommt es an

Verkehrswende in Suburbia?

Interview mit Eva Eichenauer und Manfred Kühn: „Es geht um Machtkonflikte, nicht um Stadt-Land-Konflikte“