Schwerter zu Pflugscharen. Wege in die zivile Umnutzung des Militärischen nach dem Abzug der Allliierten aus dem Großraum Berlin
Forschungsschwerpunkt: Zeitgeschichte und Archiv
Projektleitung im IRS: Dr. Małgorzata Popiołek-Roßkamp
Laufzeit: 01/2022 - 09/2027
Das Habilitationsprojekt beschäftigt sich mit der übergeordneten Frage: Wie kann das Militärische, nach dem es in seiner ursprünglichen Funktion nicht mehr gebraucht wird, materiell und ideell in das Zivile überführt werden? Die im Titel genannten Wege verweisen sowohl auf die Umnutzungsprozesse der materiellen Hinterlassenschaften der Streitkräfte, als auch auf jegliche Friedensbestrebungen, die zum Konfliktende führten und den Übergang vom Militärischen zum Zivilen ermöglichten.
Berlin und Brandenburg werden aufgrund ihrer Rolle im Kalten Krieg, die mit ihrer gemeinsamen militärischen Vorgeschichte zusammenhängt, als eine im extremen Ausmaß militarisierte Region Europas mit dementsprechend großen Konversionsausaufgaben in ihren unterschiedlichen Facetten erforscht. Zu den realisierten zivilen Umnutzungsprojekten gehörten neben dem Umbau der Kasernen zu Wohnungen, die Unterbringung von Behörden, Hochschulen und privaten Firmen bis hin zur Errichtung von Freizeitparks, Solarparks, die Renaturierung von Flächen und Etablierung von Naturschutzgebieten. Die zivilen Umnutzungsprojekte werden aus planungsgeschichtlicher und kulturhistorischer Perspektive als Teil der erheblichen Herausforderung der Vereinigungsgesellschaft und somit als wichtiger Bestandteil der Transformationsgeschichte untersucht. Im Weiteren erkundet die Arbeit verschiedene Wahrnehmungspraktiken der militärischen Geschichte der Orte und die dahinterstehenden Diskurse. Zum Schluss werden die erinnerungspolitischen Herausforderungen adressiert. Die Fragen nach dem Umgang mit den militärischen Altlasten und den Symbolen sowjetischer Anwesenheit sind heutzutage aktueller denn je.
Die Geschichte der Konversion im Großraum Berlin wird in Ost-West-Diskursen des Kalten Krieges in die Aufrüstungs- und Abrüstungsdebatten als Mittel zum Krieg und Frieden (und anders herum) eingebettet, wofür als roter Faden das biblische Zitat „Schwerter zu Pflugscharen“ dient. Dessen allegorische Verkörperung wurde in Form eines Bronzedenkmals von Jewgeni Wutschetitsch, dem Bildhauer des Sowjetischen Ehrenmals im Treptower Park, 1959 den Vereinten Nationen geschenkt und steht bis heute vor dem Hauptsitz der UNO in New York City. Mit dem Abbild des Denkmals, das zum verbotenen Symbol der inoffiziellen Friedensbewegung in der DDR wurde, werden auch die Fachveröffentlichung zur Konversion in den 1990er Jahren versehen, die somit direkt an die Friedensbewegung anknüpfen. Der ikonografische Werdegang dieses Motivs stellt internationale politische und kulturelle Bezüge zu den Beispielen aus dem Großraum Berlin her.