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Vorlass von Bernhard Schuster an das IRS übergeben
Bernhard Schuster, Jahrgang 1953 und prominenter Architekt in Frankfurt an der Oder, übergab Ende 2025 seinen Vorlass an die Wissenschaftlichen Sammlungen des IRS. Anlass ist die Auflösung des seit 1990 gemeinsam mit seiner Frau Helma Schuster geführten Büros Schuster Architekten.
Der von Herrn Schuster selbst vorbildlich ausgewählte, sortierte und kommentierte Bestand umfasst Pläne, Zeichnungen, Texte und Fotos zu Arbeiten seit dem Studium an der Technischen Universität Dresden und aus genau 50 Jahren Berufstätigkeit, angefangen mit einer 15 Jahre dauernden Tätigkeit für das Landbaukombinat Frankfurt/Oder. Dort war Schuster unter anderem auch viel mit Wohnungsbauprojekten befasst. In der DDR spielten auf diesem Gebiet eigentlich die großen, einflussreichen Wohnungsbaukombinate die zentrale Rolle. Herr Schuster und sein Team erarbeiteten gegen Widerstände angepasste Lösungen in Plattenbauweise für Frankfurt und kleinere Orte im ländlichen Raum, indem sie die vorhandenen Fertigteile kreativer als üblich kombinierten. So wurden behutsam angepasste Wohngebäude möglich und zugleich die Abläufe effizienter gestaltet, was mehr und mehr auf Anerkennung stieß.
Als selbstständiger Architekt ab 1990 führten Bernhard und Helma Schuster mit ihrem Team zahlreiche, vielfältige Projekte für Wohn-, Gewerbe- und öffentliche Bauten und im Bereich Stadtplanung aus, viele davon in Frankfurt (unter anderem verschiedene Wohngebiete, Wohn-/Geschäftshaus Sieben Raben, Bauleitung für das Hauptgebäude der Universität Viadrina) und im Land Brandenburg (etwa der Umbau des alten Rathauses in Fürstenwalde, Wohnquartiere dort, in Eberswalde und Potsdam, Landesfeuerwehrschule in Eisenhüttenstadt).


Einen Bogen zur DDR-Zeit schlug ein Projekt Ende der 2010er Jahre zur zeitgemäßen Sanierung der Großen Scharrnstraße in Frankfurts Innenstadt mit ihren individualisierten Plattenbauten, die fast abgerissen worden wären. Insgesamt zeichnet Schusters Werk aus, Funktionalität, Flexibilität, Gestaltung, Vitalisierung und Rücksichtnahme auf gewachsene Stadträume miteinander in Einklang zu bringen.
Neben der Bürotätigkeit nahm Bernhard Schuster auf lokaler wie Landesebene wichtige ehrenamtliche Funktionen wahr, so als Gründungs- und langjähriges Präsidiumsmitglied (seit 1991), von 2000 bis 2017 dann Präsident der Brandenburgischen Architektenkammer. In dieser Tätigkeit brachte er viele baukulturelle Initiativen und Projekten voran und setzte so Impulse in einer von Umbrüchen gekennzeichneten Zeit. Jahrzehntelang war er bis 2025 auch Vorsitzender des Beirats für Stadtgestaltung und Kunst im öffentlichen Raum in Frankfurt.
Die Sammlungen des IRS haben sich gern angeboten, diesen interessanten Bestand zu übernehmen, der für die Brandenburger Baukultur des letzten halben Jahrhunderts und in zwei unterschiedlichen Gesellschaftssystemen sehr aussagekräftig ist.