Leitprojekt

Urbane Wärmewende

Forschungsschwerpunkt: Politik und Planung

Projektleitung im IRS: Dr. Lisa Vollmer

Projektteam: PD Dr. Matthias Bernt PD Dr. Wolfgang Haupt Inés Gartlinger Paul Seidel Dr. Julia Teebken

Laufzeit: 01/2026 - 12/2029

Die aktuelle politische Debatte erweckt den Eindruck, es gäbe zwei voneinander getrennte Wohnungsfragen: die nach der Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum und die nach klimagerechtem Bau und Betrieb von Wohnungen. Für beide Wohnungsfragen zeichnet sich bisher keine Lösung ab: Das Wohnen wird für immer breitere Schichten der Bevölkerung in immer mehr Teilräumen der Bundesrepublik unbezahlbar. Zugleich verursacht der Gebäudesektor in Deutschland etwa 35 Prozent des Endenergieverbrauchs und 30 Prozent des CO2-Ausstoßes.

Das Leitprojekt widmet sich einem Teilaspekt dieser sozial-ökologischen Wohnungsfrage: der urbanen Wärmewende. Darunter fassen wir zwei Teilaspekte zusammen, die bisher meist getrennt diskutiert werden: Erstens die Dekarbonisierung der Wärmeversorgungssysteme, also den Umbau der Heizinfrastruktur. Und zweitens die Steigerung der Energieeffizienz von Wohngebäuden durch energetische Modernisierung.

Diese integrierte Betrachtung macht es möglich, vermeintliche und tatsächliche Zielkonflikte zwischen sozialen und ökologischen Belangen der Wärmewende zu verstehen und damit Wege für die dringend notwendige sozial-ökologische Transformation aufzuzeigen.

Theoretisch-konzeptionell stützt sich das Projekt vor allem auf Forschungsansätze aus der Klima-Governance, der Wohnungsforschung sowie der Planungstheorie und Implementationsforschung. Es widmet sich drei übergreifenden Forschungsfragen:

● Welche Implikationen hat das Ineinandergreifen von Wohnungs- und Klimakrise für die politische Steuerung?
● Welche sozial-ökologischen Zielkonflikte ergeben sich aus der urbanen Wärmewende und wie werden diese verhandelt?
● Welche Akteurskonstellationen, Interessen und Konflikte begleiten die kommunale Wärmewende?

Neben den empirischen Forschungsarbeiten umfasst das Projekt auch eine transdisziplinäre Dimension: In regelmäßigen Werkstätten sollen Praxisakteure der urbanen Wärmewende, vor allem aus der Zivilgesellschaft (z.B. NGOs, Initiativen aus sozialen Bewegungen), aber auch aus Verwaltung und Politik miteinander ins Gespräch gebracht werden. Dabei wird ein synergetisches Verhältnis zwischen Forschenden und Praxisakteuren angestrebt. Ziel ist die Etablierung einer „community of practice“, die sich für eine sozial-ökologische urbane Wärmewende einsetzt. Dafür wollen wir Akteure zusammenführen, die bislang kaum vernetzt agieren und in der öffentlichen sowie politischen Debatte unterrepräsentiert sind.