Qualifizierungsprojekt

Die Urbanisierung des Bodens in Argentinien (1875–1945)

Forschungsschwerpunkt: Zeitgeschichte und Archiv

Projektleitung im IRS: Anastasia Betsa

Laufzeit: 11/2024 - 10/2028

Diese Dissertation untersucht die Rolle des Bodens bei der Urbanisierung von Buenos Aires. Das exponentielle Wachstum der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires in den Jahrzehnten um 1900 wurde durch die landwirtschaftliche Nutzung der fruchtbaren Böden in den umliegenden Graslandschaften, der Pampa, vorangetrieben. Gleichzeitig zeigte die Baupraxis in Buenos Aires durch Bodenversiegelung und unterirdische Konstruktion, wie sich das Verständnis der Rolle des Bodens in modernen Städten wandelte.

Durch welche landwirtschaftlichen, wissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Praktiken trieb der Boden das städtische Wachstum voran? Welche Infrastrukturen ermöglichte und/oder erforderte der Boden? Wie prägten technische und finanzielle Ströme zwischen der Pampa und Buenos Aires sowohl die ländlichen als auch die städtischen Landschaften? Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen rückt den Boden in den Mittelpunkt der städtischen und landwirtschaftlichen Expansion Argentiniens zu Beginn des 20. Jahrhunderts – sowohl als materielles Substrat als auch in der Art und Weise, wie er von Menschen verstanden und genutzt wurde.

Dies bietet eine Möglichkeit, die Beziehung zwischen Städten und ihrem unmittelbaren Umland als Beispiel für eine extraktive Urbanisierung zu betrachten. Das Promotionsprojekt betrachtet die Pampa und ihre Städte als ein einziges System, das durch seine gemeinsame Grundlage – den Boden unter ihnen – eng miteinander verbunden ist. Auf diese Weise untersucht sie, wie die Kategorie des Bodens Dichotomien wie „urban“ vs. „ländlich“ oder „natürlich“ vs. „technologisch“ in der historischen Stadtforschung hinterfragen kann.

Die Präsenz deutscher technischer Experten und Unternehmen verdeutlichte die transnationalen Verflechtungen in der Urbanisierung von Buenos Aires. Die Arbeit analysiert Praktiken des und am Boden unter Berücksichtigung ihres ideologischen Hintergrunds, um die oft übersehene Rolle des Bodens in der Urbanisierung zu untersuchen.

Das Projekt wird von Prof. Dr. Kerstin Brückweh an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) und von Dr. Monika Motylińska betreut.