12. September | 2019

Buen Vivir als (Re-)Konstruktion von Räumlichkeit

IRS-Seminar mit Dr. phil. Philipp Altmann, Universidad Central del Ecuador

Die Indigenenbewegung Ecuadors hat seit den 1970er Jahren verschiedene Begriffe zum Raumverständnis entwickelt. Zuerst hat sie den rein materiellen und produktivistischen Begriff, der damals in Ecuador dominant war, zu einem kulturell gehaltvolleren Begriff von Territorialität erweitert. „Land“ ist schlicht ein Produktionsmittel, „Territorium“ ist der fest definierte Raum, in dem sich die indigene Kultur (auch materiell) reproduziert. Als Konsequenz dieser diskursiven Entwicklung hat die Indigenenbewegung seit den 1980er Jahren die Forderung nach einem plurinationalen Staat erhoben – ein Staat, der die territorialen Autonomien respektiert und als seine Grundlage akzeptiert. Jedoch wurde der politische Raum des Territoriums erst in den 1990er Jahren systematisch mit Inhalt gefüllt – mit der Verbreitung des Sumak Kawsay/Buen Vivir/Gutes Leben in indigenen Organisationen des Amazonasgebietes. In dem Zusammenhang wurde die Rolle der Vorfahren, der Geister und Götter und der traditionellen Lebensweisen politisiert und zur Grundlage eines neuen Raumverständnisses, das die lokale Selbstverwaltung strukturiert.

Vita:
Philipp Altmann, Dr. phil., hat in Trier und Madrid Soziologie, Spanische Philologie und Ethnologie studiert und in Berlin in Soziologie mit der Arbeit Die Indigenenbewegung in Ecuador. Diskurs und Dekolonialität (2013) promoviert. Seine Arbeitsschwerpunkte sind soziale Bewegungen, Identität, Ein- und Ausschlussmechanismen in Politik und Wissenschaft sowie das Entstehen und die transnationale Verbreitung von Diskursen. Seit 2015 ist er Professor für soziologische Theorie an der Universidad Central del Ecuador.

Angaben zur Veranstaltung

12. September 2019
10.00 – 11.30 Uhr
Konferenzraum

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