10. March 2026 | News

"Collaborating with Society"

IRS Launches New Research Programme

Mit seinem neuen Forschungsprogramm öffnet sich das IRS systematisch für die gemeinsame Forschung mit Akteuren außerhalb der Wissenschaft. Transdisziplinäre und partizipative Forschung sollen dazu beitragen, komplexe gesellschaftliche Probleme zu lösen und das Vertrauen in die Wissenschaft zu stärken.

Mit seinem aktuellen Forschungsprogramm „Mit der Gesellschaft arbeiten“ (2026-2029) geht das IRS auf den wachsenden Bedarf nach Zusammenarbeit über die Grenzen der Wissenschaft hinaus ein. Klimawandel, soziale Ungleichheit, politische Polarisierung und globale Krisen stellen gegenwärtige Gesellschaften vor komplexe Herausforderungen. Zudem ist zwischen Wissenschaft und Gesellschaft in den vergangenen Jahren eine Distanz gewachsen – nicht selten begleitet von Vertrauensverlust. Hinzu kommt, dass sich Krisen überlagern und ein Dauerkrisenmodus entsteht. Viele dieser Probleme überschreiten disziplinäre Grenzen – und sie lassen sich nicht allein im Wissenschaftssystem bearbeiten.

Deshalb geht das IRS wir mit seinem aktuellen Forschungsprogramm einen Schritt weiter: Es erforscht gesellschaftlichen Wandel nicht nur, sondern gestaltet den Forschungsprozess gemeinsam mit gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren. Das Forschungsprogramm versteht Forschung als offenen Lernprozess – im Dialog mit Praxis, Politik, Zivilgesellschaft und Bürgerinnen und Bürgern.

Im Zentrum stehen partizipative und transdisziplinäre Forschungsansätze:

  • Partizipativ bedeutet: Menschen außerhalb der Wissenschaft bringen ihr Wissen, ihre Erfahrungen und Perspektiven aktiv in den Forschungsprozess ein.
  • Transdisziplinär heißt: Fragestellungen, Methoden und Lösungswege werden gemeinsam entwickelt – auf Augenhöhe zwischen Wissenschaft und gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren.

Drei Leitprojekte – drei Perspektiven

Über die kommenden vier Jahre integriert das IRS transdisziplinäre und partizipative Ansätze systematischer in seine Forschung, als es bisher der Fall war. Den Rahmen dafür bieten besonders die institutsfinanzierten Leitprojekten der drei Forschungsschwerpunkte. Sie untersuchen gesellschaftlichen Wandel und öffnen gleichzeitig Wege für transdisziplinäre Forschung:

  • Der Forschungsschwerpunkt „Ökonomie und Zivilgesellschaft“ nimmt mit seinem Leitprojekt „Caring – Valuing – Transitioning“ alternative Wirtschaftsformen in den Blick. Solche entstehen als Antwort auf gesellschaftliche Krisen. Gemeinsam mit missionsgetriebenen Organisationen, etwa Genossenschaften, untersucht das Leitprojekt, wie diese Organisationen verschiedene Ideen von Wert miteinander in Einklang bringen, und wie sie zu gesellschaftlicher Transformation beitragen können.
  • Der Forschungsschwerpunkt „Politik und Planung“ beleuchtet mit seinem Leitprojekt „Urbane Wärmewende“ den Zusammenhang zwischen Wohnungs- und Klimakrise. Denn die beiden Krisen sind miteinander verbunden, genau wie ihre möglichen Lösungen. Deshalb baut das Leitprojekt Brücken zwischen bisher getrennten Forschungsfeldern und bringt Praxisakteure aus Wohnungs- und Klimapolitik in Dialog. Ziel ist es, sowohl auf wissenschaftlicher, als auch auf praktischer Seite zu einer integrierten Problemwahrnehmung zu kommen.
  • Der Forschungsschwerpunkt „Zeitgeschichte und Archiv“ erkundet in seinem Leitprojekt „Geschichte von unten - revisited“ den Begriff des Bodens als offene, geschichtlich geformte und konflikthafte Kategorie, die in der historischen Forschung bislang vernachlässigt wurde. Das Projekt erarbeitet ein Glossar zu den vielschichtigen Bedeutungen und Verwendungen des Begriffs. Das Glossar soll als digitales Tool funktionieren. In seine Erarbeitung wird die Community von Praktiker*innen rund um die Wissenschaftlichen Sammlungen partizipativ eingebunden.

Zugleich hat das IRS Formate für den kontinuierlichen Austausch von Ideen und Erfahrungen innerhalb des Instituts und mit der internationalen Forschungscommunity etabliert. In internationalen Foren kommen zweimal im Jahr Wissenschaftler*innen aus den drei Forschungsschwerpunkten mit internationalen Expert*innen für transdisziplinäre und partizipative Forschung zusammen, um voneinander zu lernen. In stärker wertstattartigen Veranstaltungsformaten organisiert das IRS den internen Austausch zwischen den Forschungsschwerpunkten zu Methoden, neuen Ideen und gemeinsamen Vorhaben.

Die wissenschaftliche Qualität bleibt bei alldem zentral. Zugleich erweitern wir die Formen der Wissensproduktion und reflektieren diese.

Das Ziel

„Mit der Gesellschaft arbeiten“ ist mehr als ein Forschungsprogramm – es ist ein institutioneller Lernprozess. In den kommenden Jahren wollen wir neue Formate entwickeln, Methoden erproben und Kooperationen stärken. Ziel ist eine Wissenschaft, die fachlich exzellent bleibt und zugleich enger mit der Gesellschaft verbunden ist.