Urbane Transformationen

No 84 | Oktober 2015

Die Regenerierung von Städten ist seit langem ein zentraler Forschungsgegenstand der sozialwissenschaftlich ausgerichteten Stadtforschung des IRS. In den vergangenen Jahren fokussierte sie sich unter anderem auf die Ursachen und Folgen von Peripherisierungsprozessen in strukturschwachen Regionen und innerhalb von Großstädten sowie auf Begleitforschung von Städtebauförderprogrammen wie dem Stadtumbau Ost. Durch eine gemeinsame Berufung mit der Technischen Universität Berlin wird dieser Schwerpunkt erweitert und in den Kontext urbaner Transformationen in internationaler Perspektive gestellt.

Seit Juni 2015 ist Prof. Dr. Felicitas Hillmann Leiterin der IRS-Forschungsabteilung „Regenerierung von Städten“ und zugleich Professorin im Fachgebiet „Transformation städtischer Räume im internationalen Kontext“ an der TU Berlin. Mit dieser neuen gemeinsamen Berufung wird der Regenerierung die Transformation als zentraler Fokus der Abteilungsforschung zur Seite gestellt, d. h. die Frage der Regenerierung wird als Teil der städtischen Transformation untersucht.

Tragen verschiedene Formen der Regenerierung, inbesonders bottom-up-Prozesse, auch zur städtischen Transformation bei? „Die angestrebte und zum Teil bereits praktizierte urbane Transformationsforschung bedient explizit eine international vergleichende Perspektive, die sich auf Europa und Nordamerika konzentriert und punktuell Beispiele aus dem globalen Süden betrachtet“, sagt Hillmann. Bezüglich der internationalen Dimension stellen sich unter anderem Fragen des Entwurfes und der Übertragbarkeit von Planung:

  • Welche travelling ideas finden wo Anwendung und wie ändern sich die lokalen und regionalen Planungspraxen durch die Einflüsse der Globalisierung?
  • Aufgrund welcher Annahmen über zukünft ige Herausforderungen werden Regenerierungsmaßnahmen entworfen und auf welche historischen Vorläufer wird zurückgegriffen?
  • Welche Visionen der Moderne werden über die Regenerierungsmaßnahmen präsentiert?

Dies sind Fragestellungen, die sich aus den in diesem Heft dargestellten Teilbereichen der Regenerierung vergleichend ergeben. „Denkanstöße für eine solche vergleichende Forschung über die urbane Transformation kann sich an der Stadtforschung mit ihrem Fundus an theoretischem Wissen zu Exklusion, Marginalisierung, Fragmentierung und der Produktion des „urban fabric“ orientieren. Doch die Stadtforschung liefert bislang noch wenig konsize Forschung zur Frage, wie die Regenerierung von Städten tatsächlich verläuft , wie Städte „produziert“ werden und welchen gesellschaft lichen Gruppen sprichwörtlich welcher Raum zugestanden wird“, so Hillmann. Unübersehbar sind die starken Auf- und Abwertungstendenzen einzelner Stadtteile und die Gleichzeitigkeit von in Teilen wachsenden und schrumpfenden Städten.

  • Wie können die Städte, die nicht zu den global players gehören, insbesondere die Städte zweiter Ordnung, auf die durch die Globalisierung vorangetriebenen Verschiebungen mit ihrer Stadtentwicklungspraxis reagieren?
  • Werden die öff entlichen Räume zu den Aushandlungsarenen unterschiedliche Nutzungsansprüche einer heterogenen Bewohnerschaft ?
  • Welche Verbindungen entstehen durch die Transformation zwischen den Städten?
  • Wie beeinfl ussen Migration, Migranten und Flüchtlinge die Stadtentwicklung und inwiefern könnten Migrationsprozesse Impulse für eine Regenerierung von Städten geben?
  • Wie verändern sich die Städte mit zunehmend mobilen Bewohnergruppen und durch die kurzfristige Mobilität in die Stadtstruktur hinein?
  • Welche Risiken bergen diese krisenhaften Transformationsprozesse für die Einwohner?

Die Bundestransferstelle Stadtumbau Ost bildet einen wichtigen inhaltlichen Bezugspunkt für die weitere Analyse der bundesdeutschen Situation. In Ostdeutschland schritten Peripherisierung und Schrumpfung der kleineren Städte seit der Wiedervereinigung  voran, Nutzungslücken erlaubten das Erproben neuer Instrumente der Stadtentwicklung wie etwa der Zwischennutzung, der Stadtumbau wurde zu einem Ansatzpunkt für die Gestaltung urbaner Transformation, der physisch-materielle und sozioökonomische Raumdimensionen ebenso umfasst wie veränderte Wanderungsmuster sowie wechselnde Repräsentationen und Leitbilder (siehe Beitrag Seite 16).

Länderübergreifende Studien zur Gentrifizierung in den Städten erlauben einen Blick über den Tellerrand und sie zeigen, dass planerische Eingriff an grundlegenden Daseinsfragen wie dem Wohnen rühren und in höchstem Maße regional kontextualisiert sind. Konzepte und Ideen der Planungspraxis wandern weltweit, und sie nehmen in dem jeweils neuen lokalen Kontext eine neue Färbung an (siehe Beitrag Seite 6). In einigen Ländern gibt es schon mehr Suchbewegungen im Umgang mit städtischer Transformation. Das Beispiel des postindustriellen Detroit zeigt, wie neue Regenerierungsstrategien vielleicht aussehen können und auch, wo die Nebenwirkungen solcher Ansätze zu vermuten sind (siehe Beitrag Seite 14).

„Der Blick der raumbezogenen Transformationsforschung wird sich zukünftig noch weiter aufspannen (müssen), weil Europa keine Insel ist und vor allem, weil von hier Impulse für andere Städte in der Welt ausgehen und Europa von anderen Regionen lernen kann“, schließt Hillmann. In Asien, Lateinamerika und Afrika sind die Städte lokal besonders stark von den Auswirkungen globaler Krisen und Umweltdegradation betroffen. Viele der Millionenstädte sind Küstenstädte, die einen Meerespiegelanstieg erleben und die mit einer Mixtur von ökologischen, politischen und gesellschaft lichen Problemen umgehen müssen. Migration und Mobilität sind Teil der Bevölkerungsdynamik und damit zentral zum Verständnis der Transformation an sich (siehe Beitrag Seite 18).

Aus dem Inhalt

  • Die Facetten städtischen Wandels erforschen
  • Urbane Transformationen und Regenerierung in internationalem Kontext
  • Gentrification-Forschung - neu buchstabiert
  • Detroit: Transformation einer Metropole
  • Stadtumbau als Ansatzpunkt für urbane Transformationen
  • Globaler Umweltwandel und städtische Transformation

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