Schlüsselfiguren in der Raumentwicklung

No 87 | August 2016

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Forschungsabteilungen des IRS haben in ihrer empirischen Arbeit immer wieder ähnliche Erfahrungen gemacht: Es zeigte sich, dass es oft bestimmte Einzelpersonen sind, die als Triebkräfte in Raumentwicklungsprozessen wirken, indem sie beispielsweise in ihrem sozialen Umfeld Neues ausprobieren, bisherige Pfade verlassen oder Lösungsansätze für sozialräumliche Probleme entwickeln. Daher ist es notwendig, auch eine Perspektive in der Raumbezogenen Sozialforschung einzunehmen, die dezidiert das individuelle Wirken von Schlüsselfiguren in den Blick nimmt und mit den Erkenntnissen über soziale und institutionelle Strukturen, Netzwerke und Raum in Beziehung setzt.

Aufbauend auf diesen Erfahrungen hat das IRS im Jahr 2013 das Brückenprojekt „Schlüsselfiguren als Triebkräfte in der Raumentwicklung“ gestartet. Darin führten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus vier Forschungsabteilungen Fallstudien in ihren jeweiligen Forschungsfeldern durch, um dem Einfluss von prägenden Akteuren auf Prozesse der Raumentwicklung auf den Grund zu gehen und eine Typologie zu entwickeln. Ende 2015 wurde das Projekt abgeschlossen, doch die Forschungslinie setzt sich in den derzeit laufenden Leitprojekten der Forschungsabteilungen fort. So entstand im Verlauf mehrerer Jahre ein umfangreiches empirisches Fundament, auf dessen Basis das Wirken der Schlüsselfiguren analytisch und konzeptionell durchdrungen werden konnte. „Inspiriert durch die Fallstudien und das Studium von Konzepten und Befunden aus unterschiedlichsten disziplinären Zusammenhängen haben wir das Wirken der Schlüsselfiguren, ihr Zusammenwirken mit sozialen Beziehungsgefügen und die strukturellen Kontexte ihres Handelns herausgearbeitet“, sagt IRS-Direktorin Prof. Dr. Heiderose Kilper. Die Ergebnisse dieser Forschung werden ab Seite 5 vorgestellt.

Im Anschluss an den konzeptionellen Beitrag werden einige der Fallstudien ausführlich vorgestellt. Ab Seite 8 kommt mit Wolfgang Krämer, Bürgermeister der Gemeinde Kyllburg in Rheinland-Pfalz, eine Schlüsselfigur selbst zu Wort. Innovative Gemeindeentwicklung in Kyllburg ist Gegenstand der Forschung des Leitprojektes der Forschungsabteilung „Kommunikations- und Wissensdynamiken im Raum“. Projektleiterin Prof. Dr. Gabriela Christmann ergänzt im gemeinsamen Interview Krämers Schilderungen um eine wissenschaftliche Perspektive.

Auf das Wirken von konkreten Personen ist auch der Beitrag zur Herausbildung des Städtebauförderprogramms „Stadtumbau Ost“ fokussiert (Seite 12). Dr. Matthias Bernt hat in seiner Studie drei Schlüsselfiguren in diesem Prozess detailliert unter die Lupe genommen. Eher typologisierend hat Dr. Felix Müller seine Fallstudie zu Unternehmern in der Biotechnologiebranche angelegt. Ausgehend von der Rekonstruktion einer Vielzahl von Innovationsbiographien identifizierte er neben dem allgegenwärtigen Gründer zwei weitere wesentliche Typen von Unternehmern, die als Schlüsselfiguren wirken (Seite 15). Eine Fallstudie im Leitprojekt der Forschungsabteilung „Instutionenwandel und regionale Gemeinschaftsgüter“ betont das individuelle Handeln im Rahmen kollektiver Akteurskonstellationen im Kontext der Energiewende im niedersächsischen Wendland (Seite 18).

Aus dem Inhalt

  • Schlüsselfiguren als Triebkräfte in der Raumentwicklung
  • Konzeptionelle Überlegungen für ein analytisches Modell
  • "Jetzt erst recht!" Innovationen und Schlüsselakteure in ländlichen Regionen
  • Die Pioniere des Rückbaus
  • Von Placemakern, Sherpas und Enthusiasten
  • Wie können Schlüsselfiguren die regionale Energiewende beeinflussen?

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