Raumbezogene Sozialforschung – Seismograph und Impulsgeber

No 81 | Dezember 2014

Das IRS hat in den gut 20 Jahren seines Bestehens einen langen Weg zurückgelegt. Ausgehend vom Gründungsgedanken als Forschungsinstitut zur Begleitung von Strukturwandel und damit zusammenhängenden Planungsprozessen in den neuen Bundesländern entwickelte das Institut konsequent das Profil einer  sozialwissenschaftlich ausgerichteten Raumforschung. Das Forschungsprogramm 2015-2018 ist Ausdruck dieses kontinuierlichen Wandels.

„Was ist sozialwissenschaft liche Raumforschung?“ Dieser Frage widmete das IRS schon im Jahr 2006 eine Ausgabe seines Institutsmagazins. Im Fokus standen damals unterschiedliche Raumkonzepte und -dimensionen, die auf den „räumlichen Ausprägungen des gesellschaftlichen Strukturwandels in modernen Industriegesellschaften“ beruhen. In der Folge verdichtete das Institut diesen Fokus auf das Forschungsleitbild „Sozialwissenschaftliche Raumforschung“, das seitdem bei der Verortung der IRS-Forschung in unterschiedlichen (sub-)disziplinären und thematischen Diskursen Orientierung bietet. Die kontinuierliche Weiterentwicklung dieses Leitbilds ist bis heute der Garant dafür, dass neue Akzente – aus der wissenschaftlichen Community genauso wie aus der gesellschaftlichen Realität – in das Forschungsprofil Eingang finden.

„Wenn wir in unserem Forschungsprogramm 2015-2018 von „Raumbezogener Sozialforschung“ sprechen, verweisen wir genau auf diesen Evolutionsprozess in unserem Forschungsprofil“, sagt IRS-Direktorin Prof. Dr. Heiderose Kilper. „Unser theoretisches wie empirisches Erkenntnisinteresse richtet sich auf die Raumbezüge und Raumkontexte sozialen Handelns.“ Durch die Zentralstellung des Handelns – anders als noch vor zehn Jahren des Raumes – gewinnt die Prozesshaftigkeit und damit das Begriffspaar Governance und Institutionen weiter an Bedeutung in der IRS-Forschung. Gleichsam untrennbar verbunden mit praktischem Handeln ist auch das Begriffspaar Wissen und Innovation, welche die Grundlage raumbezogener gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse bilden. Deutlich gestärkt ist mit dem neuen Forschungsprogramm zudem das Begriffspaar Krise und Resilienz, das auf Unsicherheiten und empfindlichen Störungen bisheriger Handlungsroutinen, aber auch auf die Versuche, eine Anpassungsfähigkeit herzustellen, verweist. „Diese drei Begriffspaare haben für die IRS-Forschung inzwischen die Qualität von abteilungsübergreifenden Forschungsschwerpunkten“, so Kilper.

Kern der IRS-Forschungsprogramme sind die haushaltsfinanzierten Leitprojekte der fünf Abteilungen. Diese tarieren Kontinuität und Wandel in der IRS-Forschung aus. Drei Abteilungen vertiefen ihre Forschungen zu Innovationsprozessen, zur Energiewende beziehungsweise zu Urbanen Regenerierungspolitiken, während zwei Abteilungen ihre Expertise zu innovativem Handeln sowie Urbanisierungs- und Planungsgeschichte auf neue Forschungsgegenstände richten. Alle Leitprojekte werden ab Seite 6 dieses Heftes vorgestellt.

„Seismograph und Impulsgeber“ zu sein, ist der Anspruch des IRS mit dem neuen Forschungsprogramm. In diesen Metaphern findet das Leibniz-Motto theoria cum praxi als besondere Mission des IRS seinen Ausdruck. Im Folgenden werden daher neben der erkenntnisorientierten Grundlagenforschung auch Methoden und Themen des Wissenstransfers ausführlich beleuchtet.

Aus dem Inhalt

  • Das Forschungsprogramm 2015 - 2018
  • Seismograph und Impulsgeber – Forschung zwischen wissenschaftlicher Exzellenz und gesellschaftlicher Relevanz
  • Vernetzte Forschung – Kooperationen im Forschungsprogramm 2015-2018

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