Neue Wege für ländliche Räume

No 85 | Dezember 2015

In diesen Tagen geht das Wissenschaftsjahr 2015 zu Ende, das sich mit der Zukunftsfähigkeit von Städten befasste. Dahinter stand die Idee, dass nicht nur die großen Ballungsräume zukunftsfähige Konzepte für eine ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltige Entwicklung brauchen, sondern dass Antworten auf drängende, gesamtgesellschaftliche Zukunftsfragen auch in den Städten selbst gesucht und gefunden werden können. Die vorliegende Ausgabe von IRS aktuell wagt einen Perspektivwechsel: Können auch ländliche Räume, insbesondere periphere und strukturschwache Regionen Quelle von Innovationen sein und Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen anbieten?

Demographischer Wandel, wirtschaftlicher Strukturwandel, Klimawandel und Energiewende – von vielen bedeutenden Transformationsprozessen scheinen ländliche Räume eher betroffen zu sein, als dass sie diese beeinflussen können. Sie leiden unter Abwanderung von jungen und qualifizierten Menschen, spüren die Effekte der Alterung besonders deutlich oder werden Austragungsort von Konflikten um Erneuerbare Energien. Das Gefühl der Ohnmacht scheint für die Gemeinden in strukturschwachen ländlichen Regionen Realität, Vorurteil und Stigma zugleich zu sein. „Natürlich können die großen Herausforderungen, vor denen diese Räume stehen, nicht negiert werden“, sagt Prof. Dr. Gabriela Christmann, Leiterin der Forschungsabteilung „Kommunikations- und Wissensdynamiken im Raum“.

Doch der besondere Problemdruck und gewisse Freiheiten gaben auch den Impuls vieler Akteure vor Ort, neue Wege zu beschreiten und nach innovativen Lösungen zu suchen. Diese Lösungen sind so divers wie die Akteure, die sie initiieren, und die Probleme vor Ort: In einer Gemeinde organisieren Gewerbetreibende eine Kulturwoche, welche zu einem Identitätswandel des Ortes beitragen soll. In einer anderen Gemeinde schließen sich Bauern und Bürger zusammen und gründen ein Bioenergiedorf. In einer dritten bietet ein Sozialunternehmen ein offenes Labor an, in dem jedermann Technologien nutzen kann, zu denen sonst nur ein erschwerter Zugang besteht.

Die lokalen Kontextbedingungen und Akteurskonstellationen in den Gemeinden und die sozialen Prozesse und Verläufe der innovativen Projekte sind Untersuchungsgegenstand des aktuellen Leitprojekts von Christmanns Abteilung. Einen Einblick in die sechs Gemeinden, das Untersuchungsdesign und erste Beobachtungen des seit Jahresbeginn laufenden Projekts bietet der Beitrag ab Seite 8 in diesem Heft. Den Bioenergiedörfern (ab Seite 10) ist ein gesonderter Artikel gewidmet.

Der Forschungsgegenstand der Innovation ist auch über die Arbeiten zu ländlichen Räumen hinaus ein zentraler Forschungsgegenstand des IRS. In der Vergangenheit haben Wissenschaftler der Forschungsabteilung „Dynamiken von Wirtschaftsräumen“ von Prof. Oliver Ibert und aus Christmanns Abteilung intensiv zur Prozesshaftigkeit und Räumlichkeit von Innovationen sowie zu sozialen Innovationen geforscht. Welche konzeptionellen Besonderheiten der Kontext des ländlichen Raumes für Innovationen hat, ist Thema eines Interviews mit Christmann und Ibert ab Seite 5 in diesem Heft.

Aus dem Inhalt

    • Neue Wege für ländliche Räume
    • Zur räumlichen Spezifik von Innovationsprozessen
    • Innovationen in Landgemeinden
    • Energiewende und Innovationswille in Landgemeinden
    • Vernetzt in die Zukunft - Wege zur Belebung der lokalen Wirtschaft im ländlichen Raum
    • EU-Projekt "RurInno": Forschung zu und mit Sozialunternehmen

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