20. Januar | 2020

Zuwanderung als Politikfeld von Städten und Regionen

Der Dialog zum Thema Zuwanderung zwischen Forschenden am IRS und Praktiker/-innen in Städten, Kommunen und Regionen hat in den letzten Jahren immer mehr an Fahrt gewonnen. Erkennbar wird damit ein zunehmender Kommunikations- und Beratungsbedarf. Der profunde Blick auf spezifische  Kontexte und Besonderheiten vor Ort ist dabei mindestens so wichtig wie der überlokale öffentliche Zuwanderungsdiskurs.

Auf nationaler Ebene wird zwar über einen Wandel der Bundesrepublik Deutschland zu einem Einwanderungsland diskutiert. Ein neues Zuwanderungsgesetz soll dafür legale Wege der Arbeitsmigration ermöglichen. Viele Kommunen im demografischen Wandel und Problemen mit Fachkräftemangel sind auf Zuwanderung angewesen. Gleichzeitig ist die Flucht-Migration zu einem zentralen Mobilisierungsfeld neuer rechter Parteien, Bewegungen und Populisten geworden. Die überwiegend migrationsfreundliche Haltung lokaler Wirtschaftseliten trifft dabei mitunter auf migrationskritische oder sogar -feindliche Haltungen in Teilen der Bürgerschaft. Und die Herausbildung sogenannter „Ankunftsquartiere“ in Städten wird unter Integrationsgesichtspunkten inzwischen sehr kontrovers gesehen. 

Diese veränderten Bedingungen führen für kommunale Entscheidungsträger/-innen zu einer Vielzahl von neuen Herausforderungen und Dilemmata: Sie sehen sich mit Migrationsdynamiken konfrontiert, die lokal nicht zu steuern sind, deren Auswirkungen aber auf lokaler Ebene bewältigt werden müssen.

Die folgenden aufgeführten Transferaktivitäten im Politikfeld Zuwanderung  zeigen beispielhaft, wie sich das IRS hierzu einbringt. Immer verstanden als Dialog zwischen Forschung und Praxis.

November 2019: Seminar mit Praktikern in Niedersachsen zu aktiven Formen des Umsteuerns für Regionen im Strukturwandel

Trotz vieler Maßnahmen und Förderprogramme hält die Landflucht und der wirtschaftliche Niedergang in einigen Landstrichen weiter an. Auf dem Land fühlen sich viele Menschen abgehängt von der „großen Politik“. Die Infrastruktur wird schwächer, Fachkräfte wandern ab und Schulen, Kitas und Geschäfte werden weniger. Dazu kommen Überalterung, Probleme mit der Verkehrsanbindung und immer noch Lücken in der Breitbandversorgung. Wie kann es gelingen, die abgehängten Landstriche wieder attraktiv zu machen? Können wir ein „Comeback“ dieser Räume erwarten und was ist dafür zu tun? Eine Tagung der Niedersächsischen Akademie Ländlicher Raum (ALR) zeigte am 4. und 5. November 2019 anhand von Praxisbeispielen auf, wie ländliche Räume durch Initiativen, Kooperationen und Investitionen in den Bereichen Mobilität, Bildung, Kultur und Infrastruktur fit für die Zukunft gemacht werden. Dr. Manfred Kühn war hier beteiligt mit seinem Input „Abgehängt? Wie Städte und Regionen an den Rand gedrängt werden“. Download pdf

September 2019: Deutscher Kongress für Geographie 2019 in Kiel

Dr. Manfred Kühn und Prof. Dr. Henning Nuissl (Humboldt-Universität zu Berlin) leiten die Fachsitzung 162: Zuwanderung als kommunalpolitisches Konfliktfeld.

September 2019: Praxistransfer beim Denksalon 2019 in Görlitz - Ökologischer und Revitalisierender Stadtumbau

Am 13. und 14. September 2019 waren Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Praxis in die Europastadt Görlitz/Zgorzelec eingeladen, um bei einem Denksalon über aktuelle Herausforderungen des Stadtumbaus zu diskutieren. Der Denksalon Ökologischer und Revitalisierender Stadtumbau ist gekennzeichnet durch eine besondere Diskussionskultur mit offener Gesprächsatmosphäre. Impulsvorträge aus unterschiedlichen Fachdisziplinen bildeten die Grundlage für einen intensiven Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis. Die sich anschließenden Tischgespräche standen im Mittelpunkt des Denksalons. Hier wurden die Inhalte der Kurzvorträge im kleineren Kreis diskutiert. Die übliche Distanz zwischen Referentinnen und Referenten sowie Zuhörerenden wurde so durchbrochen und ein offener Diskurs aller Beteiligten ermöglicht. Durch das gebündelte Wissen konnten neue Ideen für die Perspektiven der Städte entwickelt werden. Dr. Manfred Kühn lieferte zu dieser Veranstaltung einen Beitrag zu peripherisierten Mittelstädten. Download pdf

Juni 2019: Politikberatung im Bundestag – Manfred Kühn im Gespräch mit
MdB Michael Frieser, Demografiebeauftragter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Dr. Manfred Kühn vom wurde von MdB Michael Frieser eingeladen, um sich im Rahmen von „Leibniz im Bundestag“ zum Thema „Steuerung der Zuwanderung in strukturschwache Regionen“ auszutauschen. Das Gespräch fand  am 4. Juni 2019 in Berlin statt. MdB Michael Frieser ist Demografiebeauftragter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Justiziar der Fraktion und direkt gewählter Abgeordneter in Nürnberg-Süd und Schwabach.

Im Beratungsgespräch ging es um die Möglichkeiten und Grenzen zur Steuerung der internationalen Zuwanderung in strukturschwache Regionen, um periphere ländliche Regionen zu stärken und die wachsenden Metropol- und Großstadtregionen zu entlasten, die angespannte Wohnungsmärkte aufweisen. Michael Frieser zeigte sich für die aktive Steuerung der Zuwanderung offen und war an der Erarbeitung des neuen Zuwanderungsgesetzes des Bundes beteiligt. Manfred Kühn stellte das DFG-Projekt „Zuwanderungsstrategien“ (2018-2020) vor und übergab als Beitrag zur Politikberatung eine Broschüre der Heinrich-Böll-Stiftung „Geteilte Räume“ (2017) mit seinem Aufsatz „Zuwanderung - eine Perspektive für schrumpfende Städte und Regionen“.

Februar 2019: Raumwissenschaftliches Kolloquium - Austausch über neuere raumordnungs- und strukturpolitische Konzepte

Seit jeher sind Städte die Orte, an denen sich Menschen mit unterschiedlichen Identitäten, Lebensstilen und Gewohnheiten begegnen. Sie waren immer Anziehungspunkte für MigrantInnen – für jene, die vom Land in die Stadt zogen, und für die, die aus dem Ausland nach Deutschland kamen. So unterschiedlich die Herkunftsorte und die Motivationen sind, so vielfältig zeigen sich auch die kulturellen Prägungen der Menschen, die heute in den Städten zusammenleben. Die Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Felicitas Hillmann liefert einen Überblick über den Stand der Forschung zum Zusammenleben in kulturell vielfältigen Städten.

Transferveranstaltung
Grafik: Freepik.com und james weston/shutterstock.com
28. Februar | 2019

Die Auseinandersetzung um die Bewahrung „gleichwertiger Lebensverhältnisse“ hat sich in den vergangenen Jahren zu einem zentralen politischen und gesellschaftlichen Diskurs entwickelt. Insbesondere für ländliche Räume werden anhaltende sozial- und altersselektive Wanderungsbewegungen konstatiert, verbunden mit einer Verschärfung des Fachkräftemangels und einem Verlust an Wirtschafts- und Innovationskraft. Vor diesem Hintergrund diskutiert die Raumordnungs- und Strukturpolitik seit einiger Zeit, ob eine Stärkung von Klein- und Mittelstädten stabilisierende Wirkungen auf ländliche Räume ausüben kann. mehr Info

2018: Broschüre der Bertelsmann Stiftung: Kulturelle Vielfalt in Städten

Im Hinblick auf die reale Bedeutung von Klein- und Mittelstädten für und in ländlichen Räumen bestehen noch viele o­ffene Fragen. Das Raumwissenschaftliche Kolloquium 2019 bot Gelegenheit, Erfahrungen in der Ausgestaltung und den Wirkungen neuerer raumordnungs- und strukturpolitischer Konzepte auszutauschen und innovative Wege zur Regenerierung und Stabilisierung ländlicher Städte und Regionen aufzuzeigen. Dr. Manfred Kühn war vertreten mit dem Vortrag „Abgehängte Räume? Strategien von Mittelstädten gegen die Peripherisierung“.  Download pdf

November 2018: Brandenburger Regionalgespräch: Zuwanderung aus Berlin – Neue Wachstumschancen für Mittelstädte in Brandenburg?

Weil Wohnungen in der wachsenden Metropole Berlin zunehmend knapp und teuer werden, erweitert sich die Nachfrage seit Jahren weit über das Umland von Berlin hinaus. Während Umlandgemeinden mit S-Bahn-Anschluss wie Teltow, Falkensee oder Bernau bereits seit Mitte der 1990er Jahre vom Trend der Suburbanisierung profitiert haben, sehen in der Nachfolge viele Brandenburger Mittelstädte mit Bahnanbindung im sogenannten „Zweiten Ring“ neue Chancen für ein Bevölkerungswachstum.

Das Regionalgespräch behandelte folgende Fragen:

  • Inwieweit wachsen Mittelstädte in Brandenburg durch Zuwanderung aus Berlin?
  • Wer sind die Zuwanderer?
  • Aus welchen Motiven wandern sie zu?
  • Welche Strategien werden von Mittelstädten entwickelt, um attraktiv für Zuwanderer aus Berlin zu sein?

Henning Boeth hielt dazu einen Vortrag mit dem Titel „Reurbanisierung durch Zuwanderung? Klein- und Mittelstädte in Brandenburg.”

Regionalgespräch
von li. nach re.: caratello (CC BY-NC 2.0), flickr.com; Queryzo (CC BY-SA 4.0), commons.wikimedia.org; Ralf Roletschek - Eigenes Werk, GFDL 1.2, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38349063
28. November | 2018

Der Wohnungsmarkt in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg ist aktuell in Bewegung. Weil Wohnungen in der wachsenden Metropole Berlin zunehmend knapp und teuer werden, erweitert sich der Raum der Nachfrage weit über das Umland von Berlin hinaus. Während Umlandgemeinden mit S-Bahn-Anschluss wie Teltow, Falkensee oder Bernau bereits seit Mitte der 90er Jahre vom Trend der Suburbanisierung profitiert haben, sehen mittlerweile viele Brandenburger Mittelstädte mit Bahnanbindung im sogenannten „2. Ring“ neue Chancen für ein Bevölkerungswachstum. Folglich entwickeln einige darunter entsprechende Wachstumsstrategien. mehr Info

Oktober 2018: Zuwanderung nach Berlin: Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich für die wachsende Stadt?

Über dieses Thema diskutierten am 04. Oktober 2018 mit Beteiligung des IRS, Prof. Dr. Felicitas Hillmann, insgesamt 64 Vertreter*innen aus Wissenschaft und Praxis auf Einladung der HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform und der Technischen Universität Berlin. Die Veranstaltung brachte 41 Stakeholder im Bereich Stadtentwicklung und Zuwanderung zusammen und diente der Vernetzung und Kooperation zwischen Wissenschaft und gesellschaftlichen Akteuren. Mehr Info

September 2018: Gastbeitrag im Berliner Tagesspiegel: Wer und was in Chemnitz fehlt. Und in anderen Städten auch.

 Bei den Ausschreitungen in Chemnitz im Sommer 2018 waren nach Einschätzung von Prof. Dr. Felicitas Hillmann auch demografische Strukturen der Stadt ein wichtiger Faktor. Viele junge Menschen, besonders Frauen, zögen weg. Es komme damit zu einem Ungleichgewicht in der Stadtgesellschaft.  Mehr Info 

April 2018: Parlamentarischer Abend im Landtag Brandenburg

Am 26. April 2018 beteiligte sich Dr. Manfred Kühn in Potsdam aktiv an einem Parlamentarischen Abend im Landtag Brandenburg. Unter anderem sprach er Kathrin Schneider (SPD), Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung im Gespräch über das Thema Zuwanderung und über den neuen Landesentwicklungsplan Berlin/Brandenburg.

Dezember 2017: Sitzung der AG Integration im Flächenland des
Integrationsbeirates Land Brandenburg

Auf der Sitzung der AG Integration im Flächenland des Integrationsbeirates Land Brandenburg gab Dr. Manfred Kühn am 1. Dezember 2017 in Potsdam ein Fachstatement ab zum Thema Zuwanderung - eine Perspektive für schrumpfende Städte und Regionen?

September 2017: Deutscher Kongress für Geographie in Tübingen

Dr. Manfred Kühn leitet gemeinsam mit Sybille Münch (Leupana Universität Lüneburg) die Fachsitzung Zuwanderungsstrategien - Chancen und Probleme der Stadtpolitik mit vier Vorträgen.  

Mai 2017: Mehr ist mehr – Bremen wächst. IRS präsentiert in der Hansestadt Forschungsergebnisse

Unter dem Vortragstitel „Bremen: Wachsen durch wen? Zuwanderung als Ansatz der Stadtentwicklung” präsentierten Prof. Dr. Felicitas Hillmann und Dr. Manfred Kühn am 29. Mai 2017 im Kultursaal der Arbeitnehmerkammer Bremen Zwischenergebnisse eines mit diesem Zusammenhang befassten Forschungsprojekts des IRS. 

03. Mai | 2017
IRS präsentiert am 29. Mai in der Hansestadt Zwischenergebnisse aus einem aktuellen Leitprojekt

Bremen wächst – diese Aussage beschreibt noch eher oberflächlich, was inzwischen gesellschaftspolitisches Ziel und zugleich Herausforderung an der Weser ist. Erst detaillierte Analysen können indes zeigen, wo genau die Stadt heute wächst, wo sie verliert und wo sie stagniert. Unter dem Vortragstitel Bremen: Wachsen durch wen? Zuwanderung als Ansatz der Stadtentwicklung präsentieren Prof. Dr. Felicitas Hillmann und Dr. Manfred Kühn vor diesem Hintergrund am Montag, dem 29. Mai 2017 zwischen 15:00 und 18:00 Uhr im Kultursaal der Arbeitnehmerkammer Bremen Zwischenergebnisse eines vergleichenden Forschungsprojektes des Leibniz-Instituts für Raumbezogene Sozialforschung (IRS). mehr Info

März 2017: Mitwirkung des IRS in der Fachkommission „Räumliche Ungleichheit” der Heinrich-Böll-Stiftung

Von März bis Juni 2017 brachte Dr. Manfred Kühn seine Expertise zum Thema Zuwanderung eine Fachkommission „Räumliche Ungleichheit” der Heinrich-Böll-Stiftung ein. Die Ergebnisse der Kommission wurden dokumentiert in der Broschüre „Geteilte Räume“. Darin befindet sich der Aufsatz von Dr. Manfred Kühn „Zuwanderung - eine Perspektive für schrumpfende Städte und Regionen“. Download pdf

Januar 2017: Fachvortrag auf dem Neujahrsempfang in Rüsselsheim - Macht Zuwanderung die Stadt zur Stadt? Oder: Die Essenz der Regenerierung

Rüsselsheim ist in Bewegung - und profitiert davon. Das zeigte Kultur123 Stadt Rüsselsheim beim traditionellen Neujahrsempfang am 27. Januar 2017 im Foyer des Theaters. Gastrednerin Prof. Dr. Felicitas Hillmann vom Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung referierte über „Migration als Essenz der Regenerierung“. Sie zeigte auf, dass Migration wichtige Impulse für eine Stadtentwicklung gibt. In dem Vortrag spiegelte sich das Kultur123-Leitthema 2017 wider, „Fokus Stadt-Mensch“. 

Dezember 2015: Zuwanderung als Impuls für den Stadtumbau?! Dezembertagung des Arbeitskreises „Städte und Regionen” der DGD in Kooperation mit dem BBSR

Dr. Anja Nelle befasst sich in einem Vortrag damit, wie die Transformation vieler Klein-und Mittelstädte im peripheren Raum Deutschlands 2015 durch zwei Themen bestimmt wird: die städtische Schrumpfung als langfristiger Prozess einerseits und die seinerzeit starke Zuwanderung von Flüchtlingen und Asylbewerbern andererseits. Download pdf

November 2014: Akademie für Raumforschung und Landesplanung : Herbsttagung der LAG Berlin/Brandenburg/Mecklenburg-Vorpommern

Welche Zusammenhänge bestehen zwischen internationaler Zuwanderung und räumlicher Veränderung? Inwiefern und mit welchen Instrumenten kann die raumbezogene Governance diese Veränderungen mitgestalten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Herbsttagung der Landesarbeitsgemeinschaft Berlin/Brandenburg/Mecklenburg-Vorpommern, die am 4. und 5. November 2014 unter Beteiligung des IRS, Prof. Dr. Suntje Schmidt, in Jüterbog stattfand.