Dr. des. Daniel Michael Hadwiger
Wissenschaftler | Historische Forschungsstelle

Daniel Hadwiger arbeitet seit Juni 2020 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Leibniz-Wettbewerbsprojekt „Urban Authenticity: Creating, contesting, and visualizing the built heritage in European cities since the 1970s“ (UrbAuth). Er bearbeitet darin das Teilprojekt „Städtische Authentizität im Kontext von Stadtentwicklung und Migration in Marseille“. Zudem ist er Projektkoordinator des Gesamtvorhabens „UrbAuth“. Im Rahmen des Projekts ist er auch an Arbeiten zur visuellen Überlieferung zum Bauerbe in Berlin-Brandenburg beteiligt.

Er studierte Geschichte und Europäische Literatur an den Universitäten Mainz, der Université de Bourgogne (Dijon), der Universität Tübingen und der Université Aix-Marseille. Von 2014 bis 2019 wurde er an der Universität Tübingen zur Geschichte der Wohlfahrtspflege in Deutschland und Frankreich im Zweiten Weltkrieg promoviert. Im Juli 2019 verteidigte er die Dissertation unter dem Titel „Nationale Solidarität und ihre Grenzen. Die deutsche Nationalsozialistische Volkswohlfahrt und der französische Secours national im Zweiten Weltkrieg“. Die Studie wird 2021 im Verlag Franz Steiner erscheinen. Nach der Promotion war er für die Konzeption einer Ausstellung zur Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg und für Recherchen zur „Arisierung“ von Grundstücken in der NS-Zeit verantwortlich. Er ist Mitglied des Deutsch-Französischen Historikerkomitees und der Interdisziplinären Forschungsgemeinschaft Frankreich-Deutschland (GIRAF-IFFD).

Projekte

Drittmittelprojekte

Das Forschungsprojekt „Städtische Authentizität“ untersucht, wie seit dem Zweiten Weltkrieg bis heute in europäischen Stadtgesellschaften über öffentliche Debatten, mediale Präsentationen und städtebauliche Praktiken bestimmte Teile des Bauerbes in Wert gesetzt und „authentisiert“ wurden. „Authentizität“ als scheinbar „echte“, „reine“ und „wahre“ Eigenschaft von Personen, Objekten und Praktiken ist in den letzten Jahrzehnten zu einem wichtigen öffentlichen Diskurs geworden. Die Frage nach Authentizität löst zahlreiche Debatten über den Umgang mit dem kulturellen Erbe und kulturellem Wandel aus und wurde zu einem zentralen Forschungsfeld in den Geisteswissenschaften. Von den Theater- und Museumswissenschaft über die Denkmalpflege bis hin zu den Geschichtswissenschaften streiten Wissenschaftler darüber, auf welche Weise Authentizität den kulturellen Wandel in modernen Gesellschaften sichtbar macht und auslöst. mehr Info

Aktuelles
23. Juli | 2020

Direkt neben dem Turm der barocken Garnisonkirche in der Potsdamer Dortustraße steht das 1971 fertiggestellte Gebäude des Datenverarbeitungszentrums des Volkseigenen Betriebs „Maschinelles Rechnen“. Die im Zweiten Weltkrieg beschädigte und 1968 gesprengte Garnisonkirche wird derzeit mit öffentlichen und privaten Mitteln wiederaufgebaut. Das „Rechenzentrum“, derzeit noch kulturell genutzt, ist dagegen ein Abrisskandidat. Warum ist das so? Im Juni 2020 nahm der internationale Projektverbund „UrbAuth“ unter Leitung der Historischen Forschungsstelle des IRS die Arbeit auf. Das Projekt will klären, wie Städte heute in ihrer Baupolitik historische Authentizität herzustellen versuchen, und warum dabei immer wieder bestimmte Epochen als Identifikationspunkte herangezogen werden, während die Spuren anderer Epochen aus den Stadtbildern verschwinden. mehr Info