Drittmittelprojekt

New Regional Formations – Rapid Environmental Change and Migration in Coastal Regions of Ghana and Indonesia

Forschungsabteilung: Regenerierung von Städten

Forschungsthemen: Neue Unsicherheiten und Resilienzbildungen Neue soziale Praktiken Konzeptionelle Zugänge zu Krise und Resilienz

Projektleitung im IRS: Prof. Dr. Felicitas Hillmann

Projektteam: Usha Ziegelmayer Giulia Borri Rueben Okine Laura Günther

Verbundpartner: Universität Bremen (Koordination) Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung Kulturwissenschaftliches Institut Essen Leibniz Zentrum für Marine Tropenökologie, Bremen

Förderorganisation: VolkswagenStiftung

Laufzeit: 06/2015 - 12/2017

Küstengebiet
colorful_coastline_java
Landsubsidence
modern_semarang
NRF_Bilder2017_1
Environmental Change, Adaptation and Migration
Küstengebiet
colorful_coastline_java
Landsubsidence
modern_semarang
NRF_Bilder2017_1
Environmental Change, Adaptation and Migration

Küstengebiete stehen ganz besonders im Fokus der aktuellen und zukünftigen globalen Megatrends Umweltwandel und Migration. Denn sie sind traditionell Ausgangs- und Zielpunkt von internen Bevölkerungsbewegungen, insbesondere auch internationaler Migration. Gleichzeitig sind die Küsten weltweit geomorphologischen, klimatischen und gesellschaftlichen Veränderungen in extremer Weise ausgesetzt. Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass beide Trends durch die zunehmende Erderwärmung und durch bereits bestehende Migrationskorridore eine weitere Beschleunigung erfahren werden.

Der aktuelle Forschungsstand geht davon aus, dass Umweltfaktoren allein die Dynamiken von Migrationssystemen nur unzureichend erklären können und dass einfache Kausalbeziehungen - etwa die Herstellung einer Relation zwischen Meeresspiegelanstieg und der Zahl von Migrantinnen und Migranten - der dahinterliegenden komplexen Problematik nicht gerecht werden. Diese Dynamiken können viel besser und eigentlich sogar nur – und dies ist die Grundlinie des im Projekt verfolgten Forschungsansatzes – in ihrem lokalen und regionalen Kontext verstanden werden. Dort wiederum spielen politische, soziale, ökonomische und kulturelle Faktoren eine Schlüsselrolle. Unter dem Dach der Begrifflichkeit der New Regional Formations untersuchte das Projekt daher, welche lokalen Anpassungsstrategien angesichts der neuen regionalen Semantiken im politischen Diskurs hervortraten und welche regionalen Eigenlogiken sich von Systemlogiken unterscheiden ließen. Wie entstand Resilienz und was führte zur Krise? Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um die Umweltveränderungen unter Kontrolle zu bekommen? Der internationale Vergleich zweier Küstengebiete (Ost-Ghana mit der Stadt Keta sowie Semarang in Nord-Java, Indonesien) diente als methodologischer Zugang: durch das In-Beziehung-Setzen zweier nach äußeren Kriterien ausgewählter Beispielregionen (langjähriger starker Umweltwandel und starke Bevölkerungsdynamik) traten Gemeinsamkeiten und Unterschiede bezüglich des Zusammenhangs Umweltwandel und Migration stärker hervor.

Am IRS wurde das Teilprojekt „Migrant trajectories“ bearbeitet und das Projekt in Kooperation mit dem Partner Artec der Universität Bremen koordiniert. Die Wissenschaftlerinnen der Forschungsabteilung „Regenerierung von Städten“ untersuchten Migrationsmuster und trajectories als konstitutiven Teil der sich herausbildenden „regional formations”. Die Forschung in diesem Teilprojekt konzentrierte sich auf die Schlüsselmerkmale von Migration in den zwei Küstenregionen und skizzierte die Migrationsursachen. Veränderte Mobilitätsmuster wurden als Teil übergeordneter gesellschaftlicher Transformation interpretiert, wobei der regionale Kontext als Vermittler im Zentrum des Forschungsinteresses stand. Migranten agierten als Übersetzer verschiedener sozialräumlicher Skalen, und ihre Aktivitäten zielten auf eine Integration in sich verschiebende nationale und globale Kreisläufe. In einem Subprojekt untersuchten die Forscherinnen und Forscher zusätzlich empirisch, wie sich die Wahrnehmungen, Narrationen und durch den Umweltdiskurs reproduzierten Vorstellungen über die Chancen und Risiken von Migration im Kontext der Diaspora und bezüglich der Einbindung der Migranten in die regionale Entwicklungsagenda spiegelten.

Aktuelles
31. August | 2018

Internationale Migration steht weit oben auf der politischen Agenda vieler nationaler Regierungen und internationaler Organisationen. Das liegt zum Teil an den Zahlen, viel mehr aber noch an den Dynamiken des Migrationsprozesses. Mehr Menschen aus immer vielfältigeren Herkunftsländern haben eine schrumpfende Zahl von Ländern im Globalen Norden zum Ziel. Will man hinter die Zahlen schauen und verstehen, was die Menschen antreibt und welche Vorstellungen, welche mentalen Bilder, („Imaginaries“) sie mit auf ihre Wanderung nehmen, muss man sich mit den zugrunde liegenden Handlungslogiken befassen. Die 19 Autoren des neu erschienenen Sammelbandes „Trajectories and Imaginaries in Migration: The Migrant Actor in Transnational Space“ beschäftigen sich mit der „soft side of migration“, die hilft, die einmal initiierten Migrationsbewegungen in ihren kollektiven Verläufen in Raum und Zeit, ihren Pfaden („Trajectories“), zu verstehen. Herausgegeben wurde der Prof. Dr. Felicitas Hillmann (IRS Erkner) in Kooperation mit zwei niederländischen Kollegen. Der Band trägt zur Forschungsliteratur über transnationale Migrationsdynamiken bei. mehr Info

Publikationen

Hillmann, F., Pahl, M., Rafflenbeul, B., & Sterly, H. (Hrsg.) (2015). Environmental Change, Adaptation and Migration: Bringing in the Region. Basingstoke ; New York: Palgrave Macmillan. DOI: 10.1057/9781137538918
Ziegelmayer, U. (2016). "Mein Haus liegt im Meer": Über den Zusammenhang von Umweltwandel und Migration im Südosten Ghanas. Südlink : Das Nord-Süd-Magazin von INKOTA, (175), 20-21.
Hillmann, F., Pahl, M., Rafflenbeul, B., & Sterly, H. (2015). Introduction: (Re-)locating the Nexus of Migration, Environmental Change and Adaptation. in F. Hillmann, M. Pahl, B. Rafflenbeul, & H. Sterly (Hrsg.), Environmental Change, Adaptation and Migration: Bringing in the Region (S. 1-17). Basingstoke ; New York: Palgrave Macmillan. DOI: 10.1057/9781137538918_1
Hillmann, F., van Naerssen, T., & Spaan, E. (Hrsg.) (2018). Trajectories and Imaginaries in Migration: The Migrant Actor in Transnational Space. (Studies in Migration and Diaspora). London ; New York: Routledge.
Hillmann, F., Pahl, M., Rafflenbeul, B., & Sterly, H. (2015). Conclusion: Linking Migration, Environmental Change and Adaptation - Lessons Learnt. in F. Hillmann, M. Pahl, B. Rafflenbeul, & H. Sterly (Hrsg.), Environmental Change, Adaptation and Migration: Bringing in the Region (S. 283-290). Basingstoke ; New York: Palgrave Macmillan. DOI: 10.1057/9781137538918_15
Hillmann, F., & Spaan, E. (2017). On the Regional Rootedness of Population Mobility and Environmental Change. Comparative Population Studies, (42), 25-54. DOI: 10.12765/CPoS-2017-06en
Hillmann, F., & Ziegelmayer, U. (2016). Environmental Change and Migration in Coastal Regions: Examples from Ghana and Indonesia. Die Erde, 147(2), 119-138. DOI: 10.12854/erde-147-9
Ziegelmayer, U. (2018). "Semarang is like sugar“: On the Complex Relation of Environmental Change and Migration. (Artec-Paper; Nr. 220). Bremen: Universität Bremen.
Hillmann, F., Okine, R., & Borri, G. (2019). "Because Migration Begins from the Villages" – Environmental Change within the Narrations of the Ewe-Diaspora. Ethnic and Racial Studies. DOI: 10.1080/01419870.2019.1667002