Drittmittelprojekt

Städtische Ko-Produktion von Teilhabe und Gemeinwohl Aushandlungsprozesse zwischen zivilgesellschaftlichen Akteuren und städtischen Verwaltungen (KoopWohl)

Forschungsabteilung: Regenerierung von Städten

Projektleitung im IRS: Dr. Laura Calbet Elias

Projektteam: Aya Isabel Kleine

Verbundpartner: Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (Koordination) Bauhaus-Universität Weimar

Förderorganisation: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Laufzeit: 01/2020 - 12/2022

Wessel-cartoon-frauen
Wessel-cartoon-frauen

Das Forschungsprojekt Städtische Ko‑Produktion von Teilhabe und Gemeinwohl, finanziert auf Basis der Ausschreibung „Gemeinwohl und Teilhabe“ des BMBF, betrachtet Aushandlungsprozesse um Teilhabeansprüche auf städtischer Ebene zwischen zivilgesellschaftlichen Akteuren und kommunalen Verwaltungen. Angesichts städtischer Restrukturierungspolitiken, der zunehmenden Marktorientierung in vielen Lebensbereichen und einer allgemeinen Krise der politischen Repräsentation sind in den vergangenen Jahren neue zivilgesellschaftliche Akteure entstanden, die Einfluss in der Ausgestaltung gesellschaftlicher Teilhabe auf lokaler Ebene fordern. Zwischen kommunalen Institutionen und zivilgesellschaftlichen Akteuren kommt es dabei zu Aushandlungsprozessen, die sich im Spektrum zwischen konflikthaft und kooperativ vollziehen. Ausgangspunkt des Projektes ist die Annahme, dass durch solche Aushandlungsprozesse neue Verständnisse von Teilhabe und Gemeinwohl produziert werden.

Das Forschungsprojekt untersucht diese Aushandlungsprozesse anhand dreier Themenfelder – Wohnen, Migration und Umwelt – in der Stadt Berlin. Zur Untersuchung wurden drei Fallstudien ausgewählt, bei denen bereits kooperative Prozesse zwischen zivilgesellschaftlichen Akteuren und kommunalen (bzw. Landes-) Verwaltungen stattfinden: Im Bereich Wohnen der Aushandlungsprozess um das sog. Dragonerareal in Friedrichshain-Kreuzberg; im Bereich Umwelt der Aushandlungsprozess um die Markthalle 9 in Friedrichshain-Kreuzberg; und im Bereich Migration der Aushandlungsprozess um den anonymen Krankenschein, der Zugang für illegalisierte Migrantinnen und Migranten zur Berliner Gesundheitsversorgung schaffen soll. Im Rahmen des Projektes dient Barcelona als Referenzstadt, in der ähnliche kooperative Aushandlungsprozesse zwischen städtischer Regierung und Zivilgesellschaft vergleichend untersucht werden.

Wissenschaftliches Ziel des Forschungsprojektes ist es, die jeweiligen Akteurskonstellationen zu erheben und die Kooperationsprozesse auf die sich darin artikulierenden Teilhabevorstellungen, die soziale Referenz dieser Vorstellungen (auf wen beziehen sich die Forderungen) und die dabei angewendeten Legitimierungen untersucht. Damit wird eine Systematisierung verschiedener Formen solcher Aushandlungsprozesse angestrebt.
Das Forschungsprojekt sieht eine intensive Kooperation mit Partnern aus der Praxis vor. Für jedes der drei Themenfelder wird jeweils ein Partner aus Zivilgesellschaft und einer aus Verwaltung in die Konzeptionierung und Durchführung des Projektes einbezogen. Ziel des Forschungsprojektes ist die Unterstützung, Begleitung und Intensivierung bereits laufender kooperativer Prozesse in den drei Themenfeldern. Am Ende des Projekts werden Handlungsleitfäden erstellt, die die Erfahrungen der Fallstudien für ähnliche Prozesse zugänglich machen.

Das Forschungsprojekt wird im Verbund mit Institut für Europäische Urbanisitik (IfEU) der Bauhaus-Universität Weimar durchgeführt. Die Fallstudie Wohnen ist am IRS angesiedelt, die Fallstudien Migration und Umwelt am IfEU. Die Projektleitung und Koordination der Praxiskooperationen liegt bei Dr. Laura Calbet, IRS. Die wissenschaftliche Koordination bei Dr. Lisa Vollmer, IfEU.

Cartoon: © Gerd Wessel

Aktuelles
02. März | 2020

Ende Januar 2020 beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus den Mietendeckel. Die Initiative „Deutsche Wohnen enteignen!“ streitet derweil weiterhin für einen Volksentscheid, der eine Zwangsenteignung großer Wohnungsunternehmen in der Hauptstadt ermöglichen könnte. Begründet werden solche Vorstöße wieder zunehmend mit dem Gemeinwohl und dem Ideal sozialer Teilhabe. Doch wie stehen zivilgesellschaftliche Initiativen und kommunal- und landespolitische Institutionen in dieser Frage zueinander? Welche Konzepte von Gemeinwohl und Teilhabe erwachsen aus Aushandlungsbeziehungen zwischen ihnen? Seit Anfang 2020 widmet sich ein Forschungsprojekt dieser Frage. mehr Info