Drittmittelprojekt

Soziale Innovationen in strukturschwachen ländlichen Regionen: Wie Sozialunternehmen innovative Lösungen für soziale Probleme etablieren (RurInno)

RurInno Projektteam / RurInno project team
RurInno Projektteam / RurInno project team

In weiten Teilen Europas sind strukturschwache ländliche Regionen mit ähnlichen Problemen konfrontiert. Die wirtschaftliche Produktivität ist gering, ebenso das Angebot an qualifizierten Arbeitsplätzen. Bildungs- und kulturelle Angebote können in diesen Regionen nicht in dem Maße vorhanden sein wie in Agglomerationsräumen. Eine Folge ist die kontinuierliche Abwanderung vor allem junger und qualifizierter Menschen. Strukturschwache ländliche Regionen drohen den Anschluss an soziale und ökonomische Entwicklungen in Europa zu verlieren. Die Förderung sozialer Innovationen ist eine Strategie, um den Problemlagen entgegen zu wirken. Eine wichtige Rolle spielen dabei Sozialunternehmen, die soziale Innovationen hervorbringen, indem sie beispielsweise junge Menschen bei der Entwicklung von unternehmerischen Ideen helfen und so Entwicklungsimpulse für strukturschwache Räume geben.

Allerdings weisen Berichte wiederholt darauf hin, dass Sozialunternehmen durch ihre limitierten finanziellen und zeitlichen Kapazitäten Probleme haben, sich fachlich weiterzuentwickeln und mit Politik, Verwaltung und Förderorganisationen zu vernetzen (Mercator-Studie 2012, EU Social Economy and Social Entrepreneurship Guide 2013). Das EU-Forschungsprojekt „Social Innovations in Structurally Weak Rural Regions: How Social Entrepreneurs Foster Innovative Solutions to Social Problems“ (RurInno) setzt an dieser Stelle an. Es bringt Forscher und Praktiker aus zwei Forschungseinrichtungen und aus vier – in ländlichen Räumen arbeitenden – Sozialunternehmen zusammen, die gemeinsam drei Ziele verfolgen: Zum ersten den Wissensaustausch zwischen Forschung und Praxis zu fördern, zum zweiten das empirische Wissen über Bedingungen für soziale Innovationen im ländlichen Raum zu verbessern und zum dritten die Sichtbarkeit der Arbeit der sozialen Unternehmen in Politik und Gesellschaft zu erhöhen.

Die Zielstellungen werden in einem zweistufigen Vorgehen umgesetzt. Zunächst erforschen die beteiligten Wissenschaftler die Sozialunternehmen in ihrem ländlichen Umfeld. Unter Rückgriff auf neoinsitutionalistische Theorien (DiMaggio/Powell 1983, Hollingsworth 2000) und soziale Netzwerktheorien (Burt 2004, Vedres/Stark 2010) wird den Fragen nachgegangen, wie sich Sozialunternehmen ihren jeweiligen ländlichen Kontexten anpassen und wie es ihnen gelingt, soziale Innovationen zu etablieren und damit ihrerseits zum Wandel der Region beizutragen. Im Sinne des „Action Research“-Ansatzes werden die Befunde im zweiten Schritt gemeinsam mit Vertretern der beteiligten Sozialunternehmen diskutiert und Schlüsse für sozialunternehmerisches Handeln in ländlichen Regionen gezogen. RurInno forscht gleichermaßen mit und über ländliche Sozialunternehmen und vergrößert so das praktische und theoretische Wissen zu sozialen Innovationen und Sozialunternehmen.

Publikationen

Richter, R. (2017). Ländliche Zukunft Kreativmarkt im Kulturhaus: Ländliche Regionen gelten gemeinhin nicht als Orte von Neuerung und Innnovation, doch das sind sie sehr wohl. Potsdamer Neueste Nachrichten, 21.
Fink, M., Lang, R., & Richter, R. (2017). Social Entrepreneurship in Marginalised Rural Europe: Towards Evidence-Based Policy for Enhanced Social Innovation. Regions, 306(1), 6-10.
Richter, R. (2016). Social Innovations in Rural Life Worlds. in V. M. Carlow (Hrsg.), Ruralism: The Future of Villages and Small Towns in an Urbanizing World. (S. 140-147). Berlin: Jovis.