Drittmittelprojekt

Sicherheitswahrnehmungen in urbanen Räumen. Best Practices für baulich-räumliche Gestaltungen und digitales Planen

Forschungsabteilung: Kommunikations- und Wissensdynamiken im Raum

Forschungsthemen: Neue soziale Praktiken Neue Unsicherheiten und Resilienzbildungen

Projektleitung: Prof. Dr. Gabriela Christmann

Projektteam: Mandy Töppel

Förderorganisation: Bundesministerium für Bildung und Forschung

Laufzeit: 04/2018 - 02/2021

Sicherheit für die Bewohner/-innen und Besucher/-innen einer Stadt zu gewährleisten, ist eine zentrale Aufgabe für die Stadtpolitik und insbesondere für die baulich-räumliche Planung. Politik und Planung verfolgen daher das Ziel, als unsicher wahrgenommene Räume zu verbessern oder gar nicht erst entstehen zu lassen und Stigmatisierungen als „Angsträume“ oder „No-Go-Areas“ zu vermeiden. Das vom BMBF geförderte Verbundprojekt „Stadtsicherheit-3D“ systematisiert die Faktoren für räumliche Sicherheitsbewertungen, entwickelt Szenarien für die Intervention, katalogisiert bisherige Best Practices für Politik und Planung, entwickelt auf der Grundlage der empirischen Analysen neue Vorschläge für Best Practices und erarbeitet zugleich ein digitales Planungstool, das entsprechende Planungsprozesse über 3D-Stadtmodelle erleichtern soll.

Das Verbundprojekt trägt den Titel „Bewertung und Verbesserung der urbanen Sicherheit mit Hilfe von semantischen 3D-Stadtmodellen“ und adressiert Forschungslücken und Wissensdefizite in den Bereichen „urbane Sicherheit“ und „digitale Planung“. Die IRS-Forschungsabteilung „Kommunikations- und Wissensdynamiken im Raum“ steuert als einer von vier Verbundpartnern Expertise auf den Feldern der Vulnerabilitätswahrnehmung von Bürger/-innen in Stadträumen, der Rolle von Digitalisierungen in der kommunikativen Konstruktion von Räumen sowie der Mediatisierung von Planungsprozessen durch digitale Werkzeuge bei. Abteilungsleiterin Prof. Dr. Gabriela Christmann wird das Teilprojekt „Sicherheitswahrnehmungen in urbanen Räumen. Best Practices für baulich-räumliche Gestaltungen und digitales Planen“ leiten. Urbane Sicherheit wird im Kontext des Projektes als vielschichtiges Phänomen angesehen. Folgende Faktoren, die die Sicherheit von Bürger/-innen in Stadträumen gefährden können, werden dabei im Gesamtprojekt fokussiert: die fehlende Einsehbarkeit in Stadträume (z.B. aufgrund von Vorsprüngen, Nischen etc.) sowie die mangelhafte Beleuchtung von städtischen Teilräumen, aber auch die eingeschränkte Hörbarkeit (z.B. von Hilferufen aufgrund von Verkehrslärm) sowie Gefährdungen durch terroristische Angriffe.

Bislang gab es keine systematische sozialwissenschaftliche Forschung zu als unsicher und sicher wahrgenommenen urbanen Räumen mit ihren baulich-räumlichen Faktoren. In der internationalen Forschungsliteratur wird das Fehlen einer systematischen Kartierung von entsprechenden baulich-räumlichen Faktoren seit Langem beklagt (‚absence of morphological mapping‘).

Das IRS wird hier mit seinem Teilprojekt in sozialwissenschaftlicher Hinsicht eine Lücke schließen. Es adressiert das Problem, indem es in der ersten Phase des Projekts einen neuartigen Multi-Methodenansatz für das „morphological mapping “ entwickelt und diesen umsetzt. Vulnerabilitätswahrnehmungen von Räumen einerseits und konkrete materielle Ausprägungen in Form von baulich-räumlichen Faktoren andererseits werden in diesem Ansatz miteinander verbunden. Damit werden im Projekt übrigens auch konzeptionelle Überlegungen der IRS-Forschungen zu Vulnerabilität und Resilienz aus sozio-räumlicher Perspektive methodisch umgesetzt. Zunächst werden (Un-) Sicherheitswahrnehmungen von Bürger/-innen in urbanen Räumen über die Methoden des „Go-Alongs“ und des „Lauten Denkens“ erfasst. Von den als (un-)sicher wahrgenommenen Stadträumen werden Fotos mit Geotagging angefertigt. In einem nächsten Schritt werden die baulich-räumlichen Faktoren identifiziert, die in den Räumen von den Bürger/-innen als „(un-)sicher“ wahrgenommen und benannt werden. Diese Faktoren werden zu einem späteren Zeitpunkt inventarisiert und qualitativ wie auch quantitativ beschrieben. Für die quantitativen Beschreibungen werden sogar detaillierte Messungen durchgeführt (Laser-Entfernungsmesser, Belichtungsmesser, Schallpegelmesser). Auf dieser Grundlage werden die baulich-räumlichen Faktoren in Form von Hybrid Maps visualisiert. Zu den untersuchten Büger/-innen werden Männer und Frauen, Personen verschiedener Altersgruppen, Deutsche und Migrant/-innen gehören. Aber auch Sicherheitsexperten werden zu den Befragten gehören.

Entscheidend für das Gesamtvorhaben des Projekts ist es, dass die IRS-Daten zur Weiterverarbeitung an die Konsortialpartner übermittelt werden, die aus Disziplinen wie der Mathematik und der Informatik stammen. Es werden Algorithmen entwickelt, um die morphologischen Strukturen und Ausprägungen von (Un-)Sicherheiten besser verstehen zu können. Die Partner arbeiten in dieser Hinsicht eng zusammen. Auch Software-Entwickler gehören dem Konsortium an, um auf der Basis der Daten und von 3D-Stadtmodellen eine Software für die Sicherheitsbewertung und -modellierung zu entwickeln. Diese Software soll Planer/-innen künftig als digitales Planungstools dienen. Vor dem Hintergrund der Erkenntnisse über die Morphologie von (Un-) Sicherheiten in urbanen Stadträumen werden zudem Best Practices für die Planungspraxis und Stadtpolitik erarbeitet.

Speziell für die IRS-Forschungen zu Digitalisierungen, aber auch zu Innovationen in der Planung ist das Projekt insofern interessant, als dort in der zweiten Phase Planer/-innen beobachtet und befragt werden. Es werden zum einen Planer/-innen sein, die als Beta-Tester mit einer ersten Version des digitalen 3D-Planungstools arbeiten. Zum anderen werden Experten für digitales Planen befragt. Ziel ist es, Einschätzungen zur Zukunft des digitalen Planens im Allgemeinen, zu Potenzialen von digitalen Planungstools für urbane Sicherheit im Besonderen und zudem zu Potenzialen für Innovationen in der Planung aufgrund von digitalen Tools zu gewinnen.