Qualifizierungsprojekt

Sexuelle Vielfalt als strategisches Moment diversitätsorientierter Stadtentwicklungspolitiken

Forschungsabteilung: Regenerierung von Städten

Forschungsthemen: Räumliche Pfadentwicklung und institutioneller Wandel

Projektleitung: Jesko Meißel

Laufzeit: 07/2016 - 04/2019

Während ethnisch-kulturelle Diversität seit Jahrzehnten auf der Tagesordnung städtischer Entwicklung und deren Erforschung steht, fallen andere Diversitätsmarker oftmals aus dem analytischen Raster. Dies gilt insbesondere für sexuelle Diversität, die gerade im deutschsprachigen Raum bisher wenig betrachtet wird. In seinem Promotionsprojekt untersucht Jesko Meißel daher in regional vergleichender Perspektive die Formierung und Einbindung des Themas "Sexuelle Diversität" in allgemein zu beobachtende städtische Transformationsprozesse. Dazu gehört insbesondere die gesteigerte Aufmerksamkeit für gesellschaftliche Diversität durch städtische Verwaltungen, die im Rahmen translokalen/internationalen Städtewettbewerbs Strategien zur Anziehung von Kapital entwickeln. Toleranz und Kosmopolitsmus avancieren in diesem Kontext nicht nur zu Schlagwörtern städtischen Marketings, sie verheißen für die städtischen Minderheiten möglicherweise auch eine Veränderung der Teilhabestrukturen. Offen ist bislang, inwiefern diese Entwicklungen in Städten mit unterschiedlichen historischen, politischen und raumbezogenen Voraussetzungen zu neuartigen Aushandlungs- und Teilhabeprozessen im Umgang mit sexueller Diversität führen.

Untersucht werden Akteurskonstellationen und institutionalisierte Teilhabestrukturen, die sich im Spannungsfeld von Ökonomisierung und Inklusion aufspannen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche Akteure sich in welcher Form in Stadtentwicklungsprozesse einbringen können und welche Faktoren dafür jeweils ausschlaggebend sind. Das Promotionsvorhaben adressiert durch den Vergleich kleinerer Großstädte um die 500.000 Einwohner (Manchester, Frankfurt am Main, Leipzig) eine bestehende Forschungslücke. Bisher wurden in internationalen Studien zumeist globale Metropolen im Hinblick auf ihren Umgang mit sexueller Diversität analysiert. Eine zu überprüfende These lautet, dass gerade die kleineren Städte sowie darin aktive LGBT-Communities und soziale Bewegungen zumeist über andere Notwendigkeiten im Umgang mit Diversität sowie andere Voraussetzungen zur Durchsetzung ihrer jeweiligen Interessen verfügen.

Zur Untersuchung der Forschungsfragen greift Meißel insbesondere auf Impulse von Governance-Theorien zurück und fragt nach den spezifischen Rollen und Handlungsspielräumen verschiedener Akteure, die durch verschiedene politische und institutionalisierte Strukturen und Prozesse bestimmt werden.