Brückenprojekt

Schlüsselfiguren als Triebkräfte in der Raumentwicklung

schluesselfiguren
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Befunde aus der empirischen Raumforschung zeigen, dass es oft bestimmte Personen sind, die eine maßgebliche Rolle spielen, wenn es darum geht, Prozesse und Initiativen des sozio-räumlichen Wandels voranzubringen.

- Typischerweise ragen sie aus dem personellen und strukturellen Gesamtgefüge heraus.

- Manchmal sind es auch mehrere solcher Personen, die sich zuarbeiten.

Inspiriert von Konzepten, in denen die Fähigkeiten von politischen Leitfiguren, Führungsfiguren in Organisationen oder Unternehmerfiguren charakterisiert werden, hat das Team einen originären Ansatz zu Charakterisierung von Schlüsselfiguren vorgeschlagen, in dem vier Dimensionen unterschieden werden.

- Dimension Individuum: individuelle Fähigkeiten bzw. Persönlichkeitseigenschaften (z.B. Kommunikationsfähigkeit, Vertrauenswürdigkeit);

- Dimension Subjekt: Fähigkeit, aufgrund einer subjektiven Sicht auf die Welt und eines spezifischen Wissens neue Ideen hervorzubringen, neue Problemdefinitionen und Lösungsoptionen zu entwerfen;

- Dimension Akteur: Fähigkeit, aufgrund eines starken Handlungsantriebs eigene Ideen oder Ideen anderer gut umzusetzen, neue Handlungsweisen zu kreieren, Trends für neue Praktiken zu setzen;

- Dimension Stratege: Fähigkeit zu hoch reflexivem, systematischem Handeln in einer längeren Zeitperspektive, zum Schmieden von Allianzen und zur gezielten Nutzung von Windows of Opportunities.

Es ist möglich, dass eine Schlüsselfigur alle vier Dimensionen gleichermaßen in sich vereinigt. Oft sind die Dimensionen jedoch bei verschiedenen Schlüsselfiguren unterschiedlich stark ausgeprägt.

Die besonderen Kompetenzen von Schlüsselfiguren sind zudem immer im Zusammenhang mit ihren

- strukturellen Kontexten (sozialen Positionen, institutionellen und handlungsfeldspezifischen Kontexten) und

- sozialen Beziehungsgefügen (Netzwerken, Governance-Arrangements) zu sehen.

Ferner werden sie insofern zu Schlüsselfiguren „gemacht“, als andere Personen ihnen eine zentrale Rolle im Entwicklungsprozess zuschreiben.

 

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Aktuelles
13. September | 2019

Gerade wenn ländliche Räume schwierige Wandlungsprozesse bewältigen müssen, kommt es oft auf die Initiative Einzelner an. Stefanie Döringer vom Institut für Stadt- und Regionalforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften untersucht in ihrem Promotionsprojekt den Handlungsspielraum und das Wirken von Schlüsselpersonen in der kleinstädtischen Wirtschaftsentwicklung. Dabei bezieht sie sich unter anderem auf die Forschung zu Schlüsselfiguren in der Raumentwicklung am IRS. Im Rahmen eines IRS-Seminars stellte sie am 2. September 2019 theoretische Überlegungen sowie erste Ergebnisse aus ihrer Feldforschung in Österreich vor. mehr Info

Publikationen

Gailing, L., & Ibert, O. (2016). Schlüsselfiguren: Raum als Gegenstand und Ressource des Wandels. Raumforschung und Raumordnung, 74(5), 391-403. DOI: 10.1007/s13147-016-0426-3
Bernt, M. (2015). Schlüsselfiguren bei der Entstehung des "Stadtumbau Ost". (Working Paper / Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung; Nr. 55). Erkner: Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung.
Müller, F. C. (2015). Innovative Unternehmer als raumwirksame Schlüsselfiguren: Befunde aus der Beobachtung von Innovationsprozessen in der Biotechnologie. (Working Paper / Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung; Nr. 54). Erkner: Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung.
Bernt, M. (2017). „Keine unklugen Leute“: Die Durchsetzung des „Stadtumbau Ost“. Sub\urban: Zeitschrift für kritische Stadtforschung, 5(1/2), 41-60.