Drittmittelprojekt

Resilienter Krisen-Umgang: Die Rolle von Beratung bei der Schaffung und Nutzung von „Gelegenheiten“ in Krisenverläufen (RESKIU)

Das Forschungsprojekt "Resilienter Krisen-Umgang: Die Rolle von Beratung bei der Schaffung und Nutzung von „Gelegenheiten“ in Krisenverläufen" (RESKIU) setzt sich mit dem Potenzial von Krisen als Problemlöser auseinander und versucht zu ergründen, was von handelnden Akteuren in Krisensituationen getan werden kann, um nicht nur die Krisensymptome zu lindern, sondern auch um „Gelegenheiten“ für strukturelle Veränderungen zu schaffen oder zu nutzen. Das Projekt hat eine Laufzeit von drei Jahren und wird Grundlagenforschung und anwendungsbezogene Forschung zu Krisen zusammenführen.

Krisen werden verstanden als Ausnahmesituationen, die schnelles Handeln abseits alltäglicher Routinen erfordern und Entscheidungen unter Bedingungen hoher Unsicherheit und Unübersichtlichkeit verlangen. Als „turning point for better or worse“ haben Krisen einen ambivalenten Charakter. Einerseits werden sie von den handelnden Akteuren als existentiell bedrohlich wahrgenommen, andererseits bietet sich aber auch die Chance, die Krisensituation zu nutzen, um grundlegenderen Wandel zu erreichen. Wenn es also gelingt, durch die Art des Umgangs mit einer Krise nicht nur die Krisensymptome zu lindern, sondern auch einige der zugrundeliegenden Krisenursachen zu bekämpfen, dann sprechen wir von einem resilienten Krisenumgang (RESKIU). Die leitende Fragestellung des Projekts lautet, was von den handelnden Akteuren getan werden kann, um einen solchen resilienten Krisenumgang zu erreichen.

Zwei Aspekte dieser Frage sind dabei von besonderem Interesse: Erstens, ist es das Ziel des Projekts die für Krisenverläufe typischen Gelegenheitsstrukturen zu identifizieren, die raumzeitliche Verteilung dieser Gelegenheiten genauer zu analysieren und die sich aus diesen Gelegenheiten ergebenden Interventionsmöglichkeiten von Akteuren zu verstehen. Zweitens wird ein besonderer Fokus dabei auf erfahrenen Berater/-innen liegen, die entweder aufgrund ihrer Expertise zu den in eine Krise geratenen Systemen („Experten in Krisen“) oder aufgrund ihres generischen Wissens um Krisendynamiken, Krisenkommunikation und Krisenmanagement („Experten für Krisen“) hinzugezogen werden. Experten verfügen aufgrund ihrer (häufig akademischen) Ausbildung und weitreichenden Praxiserfahrungen über krisenrelevantes Wissen, das den (politisch) verantwortlichen Entscheidungsträgern dabei helfen kann, vor, während und nach einer Krise besser informierte Entscheidungen zu treffen. Durch eine Analyse der „Raum-Zeitlichkeit“ von Krisen sowie einer Analyse zugrundeliegender Prozesse struktureller und normativer Art soll ein tieferes Verständnis für die dynamisch sich entfaltenden Gelegenheitsstrukturen im Krisenprozess erreicht sowie neues Wissen zu Interventionsmöglichkeiten speziell von Berater/-innen generiert werden.