Drittmittelprojekt

Rescaling Environmental Governance in Europe (RESCALE)

Forschungsabteilung: Institutionenwandel und regionale Gemeinschaftsgüter

Forschungsthemen: Formen und Implikationen raumbezogener Governance

Projektleitung: Dr. Timothy Moss

Projektteam: Dr. Frank Hüesker

Förderorganisation: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Laufzeit: 11/2009 - 10/2012

RESCALE_1
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Mit der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) hat sich die Regulation von Wasserressourcen in räumlicher Hinsicht stark verändert: Zum einen haben europäische, nationale und subnationale Akteure begonnen, ebenenübergreifende Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln; zum anderen wurde mit der „Flussgebietseinheit“ quer zu den bestehenden politisch-administrativen Einheiten eine neue Maßstabsebene der wasserwirtschaftlichen Planung in Deutschland geschaffen. Mit der WRRL hat folglich eine räumliche Redimensionierung (rescaling) der Regulation von Wasserressourcen eingesetzt, die exemplarisch für aktuelle räumliche Veränderungen in der europäischen Umweltpolitik ist.

Dieser bislang weitgehend unerforschte Prozess bildete den Gegenstand des DFG-Projekts „Rescaling environmental governance in Europe“ am IRS. Im Fokus standen staatliche und gesellschaftliche Akteure, die durch das Agieren auf verschiedenen räumlichen Maßstabsebenen bei der Umsetzung der WRRL versuchten, ihre Einflussmöglichkeiten zu erhöhen. Untersucht wurde, inwieweit sich durch solche „multiskalaren“ Strategien die Interessenlagen, Problemdefinitionen, Machtverhältnisse und institutionellen Konfigurationen der Regulation von Wasserressourcen veränderten und wie sich dadurch neue Möglichkeiten für eine Verbesserung des Gewässerschutzes ergaben.

Neben einer präzisen Beschreibung und Erklärung neuer, multiskalarer Formen der Ressourcenregulation und Machtverteilung verfolgte das Projekt das Ziel, zur raumtheoretischen Fundierung der sozialwissenschaftlichen Wasserforschung beizutragen und den Kenntnisstand über die räumliche Redimensionierung von Umweltpolitik zu erweitern. Das Vorhaben stellt den humangeographischen Beitrag zum Gemeinschaftsprojekt „Skalenprobleme von Environmental Governance – am Beispiel der Institutionalisierung von Flussgebietsmanagement durch die EG-Wasserrahmenrichtlinie“ dar, welches gemeinsam mit der Leuphana Universität Lüneburg erarbeitet wurde. Als Fallstudien wurden die skalaren Strategien wasserwirtschaftlicher Akteure in zwei deutschen Teileinzugsgebieten untersucht: der Wupper in Nordrhein-Westfalen und der Hase in Niedersachsen.

Folgende Fragestellungen haben die Forschungen während der dreijährigen Laufzeit des Projekts geleitet:

• Wie kann das humangeographische scale-Konzept Verschiebungen von Interessen- und Machtkonstellationen bei der Umsetzung der WRRL als multi-skalarer Prozess erklären?

• Inwieweit erweitern Akteure durch „multiskalare Strategien“ ihren politischen Handlungsspielraum, und inwieweit verschieben sich dadurch die Interessen, Machtverhältnisse, Problemdefinitionen und institutionellen Konfigurationen von water governance?

• Inwieweit entstehen durch multiskalares Handeln neue Handlungsspielräume für eine Verbesserung des Gewässerschutzes?

• Welche Einsichten hinsichtlich der räumlichen Redimensionierung von Umweltpolitik ergeben sich aus der Untersuchung von rescaling bei der WRRL-Umsetzung?

• Welche Rückschlüsse lassen sich aus der empirischen Untersuchung sowie aus dem interdisziplinären Dialog mit politikwissenschaftlichen Skalen-Konzepten für die Weiterentwicklung des humangeographischen scale-Konzepts ziehen?

Die Forschungsergebnisse wurden u.a. mit den Akteuren in den Untersuchungsräumen, auf einer internationalen Abschlusskonferenz, in Fachzeitschriften, auf Fachtagungen und als Buchpublikation präsentiert bzw. zur Diskussion gestellt.

Publikationen

Hüesker, F., & Moss, T. (2015). The Politics of Multi-Scalar Action in River Basin Management: Implementing the EU Water Framework Directive (WFD). Land Use Policy, (42), 38-47. 10.1016/j.landusepol.2014.07.003
Moss, T. (2007). Solving Problems of ‘Fit’ at the Expense of Problems of ‘Interplay’?: The Spatial Reorganisation of Water Management following the EU Water Framework Directive. in P. P. Mollinga, A. Dixit, & K. Athukorala (Hrsg.), Integrated Water Resources Management: Global Theory, Emerging Practice and Local Needs. (S. 64-108). New Delhi/Thousand Oaks/London: Sage Publications.
Moss, T., & von Haaren, C. (2009). The role of spatial planning in implementing the EU Water Framework Directive in Germany. Local land & soil news, 2(30/31), 5-6.
Moss, T. (1999). Die EU-Wasserrahmenrichtlinie: Institutionenwandel 'von oben'. 3 S. (Working Paper / Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung; Nr. 2). Erkner: Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung.
Moss, T., & NEWIG, J. (2010). Multilevel Water Governance and Problems of Scale: Setting the Stage for a Broader Debate: Special Feature. Environmental Management, 46(1), 1-6.