Qualifizierungsprojekt

Regionale Kulturlandschaftspolitik. Die gesellschaftliche Konstituierung von Kulturlandschaft durch Institutionen und Governance

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In raumentwicklungspolitischen und raumwissenschaftlichen Debatten hat der Begriff „Kulturlandschaft“ zuletzt hohe Aufmerksamkeit erfahren. Das Dissertationsprojekt von Dr. Ludger Gailing widmete sich daher der Aufgabe, die bisherige Raum- und Landschaftsforschung zu Kulturlandschaften um sozial- und insbesondere um politikwissenschaftliche Aspekte zu erweitern. Zwei Aspekte standen dabei im Vordergrund: Die kollektive Konstituierung von Kulturlandschaften und die Querschnittsaufgabe der Kulturlandschaftspolitik. Gailing erforschte, wie einzelne Kulturlandschaften gesellschaftlich relevant werden und zur Grundlage von Raumplanung, Naturschutz, Tourismus, Denkmalpflege und ländlicher Entwicklungspolitik werden. Er stützte sich auf eine Theorienkombination aus sozialkonstruktivistischer Raumforschung, Neo-Institutionalismus und Governance-Forschung und führte eine Fallstudie im Spreewald durch.

Gailing kam zu dem Ergebnis, dass Kulturlandschaften gesellschaftlich konstruiert sind. Bestimmend sind dabei sowohl Institutionen, etwa Rechtsverordnungen, Förderprogramme, Raumbilder sowie Symbole der Kulturlandschaft, als auch Governance-Formen, also Handlungs- und Steuerungsmodi der beteiligten Akteure. Der Naturschutz, die Denkmalpflege, die Tourismuspolitik, die Raumplanung und die ländliche Entwicklungspolitik haben dabei jeweils eigene Institutionen und Governance-Formen, die sich wechselseitig beeinflussen. Dazu komme eine besondere räumliche Komponente, die durch die wechselseitige Strukturierung von formellen und informellen Institutionen mit regionaler Governance entsteht und sich an Raumeinheiten wie Großschutzgebieten oder LEADER-Regionen orientiert.

Gailing typisierte in seiner Dissertation anhand der Situation im Spreewald sowohl regionale informelle Institutionen, die dessen Status als Kulturlandschaft ausmachen und von denen eine Wirkung auf das Akteurshandeln ausgeht, als auch Governance-Formen regionaler Kulturlandschaftspolitik. Als Typen informeller Institutionen identifizierte er geographische Namen, Grenzen, Traditionen, Narrative, Raumbilder, Zuschreibungen regionaler Eigenart, Topoi der Sehnsuchtslandschaft und des Landschaftsverlustes sowie Symbole der Kulturlandschaft. Die Governance-Formen ordnete er aus dem empirischen Material heraus folgenden Grundtypen zu: der Governance von Medien und politischen Symbolen, der Governance symbolischer Orte und Objekte, der Governance der physisch-materiellen Transformation der Kulturlandschaft, der Governance der Kooperation und der Gemeinschaftsbildung sowie der Governance der formellen Institutionalisierung.

Die Dissertation an der Technischen Universität Dortmund wurde von Prof. Dr. Hans-Heinrich Blotevogel (Technische Universität Dortmund, später Universität Wien) und der Direktorin des IRS, Prof. Dr. Heiderose Kilper, betreut.

Publikationen

Gailing, L., & Leibenath, M. (Hrsg.) (2017). Political Landscapes. (Landscape Research, Special Issue; Band 42, Nr. 4).
Gailing, L. (2015). KULTURlandschaft. in Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte, Kulturland Brandenburg e. V., & S. Neuhäuser (Hrsg.), Landschaft im Wandel - Land auf, Land ab: Gestalten, nutzen, bewahren. Landschaft im Wandel, Kulturland Brandenburg 2015. (S. 36-43). Leipzig: Koehler & Amelang.
Gailing, L. (2014). Kulturlandschaftspolitik: Die gesellschaftliche Konstituierung von Kulturlandschaft durch Institutionen und Governance. (Planungswissenschaftliche Studien zu Raumordnung und Regionalentwicklung; Nr. 4). Detmold: Rohn.
Gailing, L., & Leibenath, M. (2015). The Social Construction of Landscapes: Two Theoretical Lenses and Their Empirical Applications. Landscape Research, 40(2), 123-138. 10.1080/01426397.2013.775233