Leitprojekt

Quellen und Pfade der Innovation: Dynamiken der Generierung und ökonomischen Verwertung von Wissen aus räumlicher Perspektive

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Dieses Leitprojekt zielte auf einen systematischen Vergleich von Innovationsverläufen ab, die unterschiedliche Quellen für Innovation in Wert setzen. Zur Erfassung unterschiedlicher Innovationsverläufe haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler qualitative Fallstudien in Form von Innovationsbiographien erhoben. Nach dem Prinzip „follow the idea“, wurde ausgehend von einer beobachtbaren Innovation in Experteninterviews zurückverfolgt, woher die Idee eigentlich stammt und über welche Personen, Orte und Organisationen diese Idee letztlich in die in der Aktualität beobachtbare Form gekommen ist. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler identifizieren sämtliche Beziehungen, die im Zuge der Reise einer Idee von ihrer Quelle zum Markt bedeutsam waren, und fragen danach, welche Formen und welche Ausprägungen von Nähe und Distanz diese Beziehungen prägen. Da Innovationsbiographien gegebene Untersuchungsräume überschreiten, wurde ein gemeinsamer räumlicher Zugang zu diesen Prozessen im Großraum Berlin gewählt, von dort aus wurde dann der konkrete Verlauf der Biographie rekonstruiert.

Die Forschungen konzentrieren sich auf den Vergleich von Branchen, die idealtypisch für die vier Quellen von Innovation stehen: epistemische Gemeinschaften (untersucht am Beispiel von Biotechnologie), professionelle Gemeinschaften (Rechtsberatung), kreative Gemeinschaften (Brettspielentwicklung) und Enthusiastengemeinschaften (Trendsportarten).

Die Forschungen haben deutlich gezeigt, dass Innovationsprozesse einen ausgeprägt multi-lokalen Charakter haben. In keiner der Fallstudien ist der Prozess im Rahmen territorialer Grenzen geblieben. Vielmehr konnte gezeigt werden, dass unterschiedliche Phasen im Innovationsprozess unterschiedliche räumliche Anforderungen stellen. Deshalb verschiebt sich das Zentrum des Prozesses typischerweise mehrfach im Zuge der Innovation. Zudem wurde deutlich, dass in frühen Phasen des Prozesses, in denen die Probleme noch unspezifiziert und Ideen noch vage bleiben, zufällig Begegnungen in der Nachbarschaft ein wichtige Rolle hatten, während zu späteren Zeitpunkten, wenn die Beteiligten genauer eingrenzen können, was sie noch nicht wissen, können verstärkt Beziehungen über größere Distanzen aufgebaut werden.

 

Foto: © Kheng Ho Toh/veer.com

Publikationen

Brinks, V., & Ibert, O. (2015). Mushrooming Entrepreneurship: The Dynamic Geography of Enthusiast-Driven Innovation. Geoforum, 65, 363-373. 10.1016/j.geoforum.2015.01.007
Müller, F. C., & Ibert, O. (2015). (Re-)sources of Innovation: Understanding and Comparing Time-Spatial Innovation Dynamics through the Lens of Communities of Practice. Geoforum, 65, 338-350. 10.1016/j.geoforum.2014.10.007
Müller, F. C., & Ibert, O. (2014). (Re-)Sources of Innovation: Understanding and Comparing Innovation Dynamics through the Lens of Communities of Practice. 29 S. (Working Paper / Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung; Nr. 52). Erkner: Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung.
Ibert, O. (2014). Organizing Relational Distance: Innovation as the Management of Sociocultural and Time-Spatial Tensions. in A. B. Antal, P. Meusburger, & L. Suarsana (Hrsg.), Learning Organizations: Extending the Field. (S. 85-102). (Knowledge and Space; Nr. 6). Dordrecht ; Heidelberg: Springer.
Grabher, G., & Ibert, O. (2014). Distance as Asset?: Knowledge Collaboration in Hybrid Virtual Communities. Journal of Economic Geography, 14(1), 97-123. 10.1093/jeg/lbt014