Qualifizierungsprojekt

Politische Konstruktion Kritischer Infrastrukturen am empirischen Beispiel von Smart Cities

Forschungsabteilung: Institutionenwandel und regionale Gemeinschaftsgüter

Projektleitung im IRS: Felicitas Klemp

Laufzeit: 10/2019 - 10/2022

Das Dissertationsprojekt befasst sich mit der politischen Konstruktion von Kritischen Infrastrukturen. Mit Hilfe von Diskursanalysen sollen politische Entwicklungen nachgezeichnet und Entscheidungen, die bereits getroffen wurden, Diskursen zugeordnet werden, wobei Erzählmuster und Narrative eine bedeutende Rolle in der Diskursanalyse spielen. Was als eine kritische Infrastruktur zu gelten hat, wird von nationalstaatlichen Institutionen und Akteuren festgelegt. Aus diesem Grund werden die Definitionen, Sektoren, aber auch die damit verbundenen Diskurse auf der Ebene von Nationalstaaten (hier: Schweden und Deutschland) untersucht. Die Verknüpfungen mit konstruktivistischen Perspektiven fehlen bisher in der Forschung. Daher wird der Frage nachgegangen: Welche spezifischen Diskurse sind innerhalb der Kritischen Infrastruktur-Governance in Schweden und Deutschland, unter Berücksichtigung der Diskussion um „Securitization“, zu finden?

Daran anschließend soll die lokale bzw. städtische Ebene in den Blick genommen werden. Dabei werden Städte, die sich als Smart Cities verstehen, als empirische Einheiten herangezogen. ¬Der Diskurs um Kritische Infrastrukturen und der Diskurs um Smart Cities verläuft bisher stark voneinander getrennt. Ein Mehrwert besteht darin, beide Diskurse zu verknüpfen, um so die Kritikalitätsfrage auf städtischer Ebene in nuancierter Form stellen zu können. Nach der Auswahl von zwei exemplarischen Städten lauten die Forschungsfragen: Was wird von den hoheitlichen Akteuren in Smart Cities als Kritische Infrastruktur wahrgenommen? Wie sieht die Assemblage der Governance in Smart Cities aus? Welche Akteursgruppen arbeiten zusammen? Diese Fragen sollen, bezogen auf einen konkreten Infrastruktursektor, in der städtischen Umsetzung und in der Steuerung von Kritischen Infrastrukturen beantwortet werden.

Das Dissertationsprojekt verfolgt zwei theoretische Ansätze; zum einen den diskurstheoretischen Ansatz nach Maarten Hajer, der sprachliche und nicht-sprachliche Elementen einbezieht. So sind die Kontextualisierung von Sprache und der Blick auf Koalitionen, innerhalb derer diese verwendet wird, von besonderer Bedeutung. ¬ Zum anderen wird die Assemblage-Theorie in den Blick genommen, deren maßgebliches Erkenntnisinteresse darin besteht, die Verbindungen und Relationen zwischen Materiellem und Nicht-Materiellem aufzuzeigen. Die konzeptionelle Verbindung beider Theorien kann neue Einsichten ermöglichen, da jeweils die gängigsten Kritikpunkte an der einen Theorie möglicherweise durch die andere aufgelöst werden können. Ziel ist es, beide theoretischen Konzepte methodisch und forschungsanalytisch vorzustellen und anhand von Empirie miteinander in Beziehung zu setzen.

Das Promotionsvorhaben wird von Prof. Dr. Nadine Marquardt an der Geographischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn betreut.