Leitprojekt

Lokale Anker translokaler Wissensgemeinschaften: Neue Brennpunkte der Wissensgenerierung und ihre Territorialität

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PM 2013_08_09 Lab Metropole Raumfahrtagentur-2
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Gegenstand des Leitprojekts sind neue, offene Orte kreativer Wissensarbeit, die gegenwärtig unter verschiedenen Namen, wie z.B. Fab Labs, Coworking Spaces oder Maker Spaces, firmieren. Sie haben gemeinsam, dass sie dauerhafte Organisationen sind, die Arbeitsräume und technische Infrastrukturen temporär an Nutzer vergeben und dabei eine hohe soziale (und kuratierte) Offenheit aufweisen. Typisch für solche Orte ist, dass dort meist von konkreten, im Alltag erlebbaren Problemen aus nach kreativen Lösungen gesucht wird. Diese Orte bieten somit ein Gegenstück zur klassischen, an disziplinär definierten Erkenntnislücken orientierten Forschung und Entwicklung. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen solche Orte als „lokale Anker“, da Ideen in ihnen für eine bestimmte Zeit weiterentwickelt werden, ohne diese zwangsläufig langfristig an den Ort zu binden. Zudem sehen sie Prozesse der Wissensgenerierung zunehmend in translokalen Gemeinschaften („communities of practice“) verortet, deren Mitglieder über weite physische Distanzen zusammenarbeiten können und gleichzeitig diese neuen Orte bilden.

Mit zunehmender internationaler Verbreitung derartiger offener Orte stellen sich drängende Forschungsfragen, die im Leitprojekt bearbeitet werden. Erstens stellt sich die konzeptionelle Frage, wie territoriale und topologische Raumkonzeptionen angemessen kombiniert werden können, um das Phänomen besser zu verstehen. Zweitens ist weitgehend unerforscht, welche Auswirkungen diese Orte auf die Entwicklung der Regionen haben, in denen sie angesiedelt sind. Überwiegen mögliche positive Impulse für die Region (etwa neue Arbeitsplätze durch spin-offs oder eine Stärkung der regionalen Innovationsfähigkeit) oder existieren auch aus Sicht der Region problematische Nebeneffekte (z.B. ‚idea drain‘, wenn internationale Konzerne über diese Orte Ideen aus der Region ziehen)? Drittens ergeben sich Fragen zu den neuen Unsicherheiten für Wissensarbeiter in diesen offenen Formen der Wissensteilung. Wie werden die Unsicherheiten in Bezug auf individuell erbrachte Beiträge wie auch individuell angeeignete Gewinne aus neuen Ideen aufgeteilt? Welche individuellen Umgangsformen mit diesen Unsicherheiten etablieren sich und welche Rolle haben die konkreten Orte darin? Diese Fragen werden in einem international vergleichenden Forschungsdesign in Fallstudien für Berlin, Amsterdam und Detroit, vornehmlich anhand von halb-strukturierten Interviews, untersucht.

 

Foto: © xavierarnau/istockphoto.com