Qualifizierungsprojekt

Lern- und Ausstrahlungseffekte von Quartiersmanagement als Merkmal sozialer Innovationen

Forschungsabteilung: Dynamiken von Wirtschaftsräumen

Forschungsthemen: Neue soziale Praktiken Geteiltes Wissen - lokal und über Distanz

Projektleitung: Oliver Koczy

Laufzeit: 05/2014 - 04/2017

Das Promotionsvorhaben von Oliver Koczy befasst sich mit Innovationsprozessen in der Planung. Anhand des Stadt- und Quartiersentwicklungsverfahrens „Quartiersmanagement“ wird untersucht, wie sich vormals neuartige Verfahren und Instrumente in der Planungspraxis nach ihrer Durchsetzung und Institutionalisierung in Normen und Rechtsgrundlagen weiterhin transformieren. Es sollen Prozesse nachgewiesen werden, bei denen Innovationen bzw. ihre Elemente in andere Kontexte ausstrahlen.

Die Arbeit entsteht am Städtebau-Institut der Universität Stuttgart und wird von Prof. Dr. Johann Jessen und Prof. Dr. Uwe-Jens Walther (TU Berlin) betreut. Sie baut wesentlich auf den Erkenntnissen des DFG-Forschungsprojektes „Innovationen in der Planung. Wie kommt Neuartiges in die räumliche Planung?“ (InnoPlan) auf, das von Oktober 2013 bis März 2016 am IRS in Kooperation mit der Universität Stuttgart bearbeitet wurde.

Im Projekt InnoPlan wurde ein Phasenmodell entwickelt, das Innovationsprozesse zeitlich in fünf Phasen gliedert (Latenz, Generierung, Formatierung, Stabilisierung, Justierung). In jeder Phase herrschen spezifische Rahmenbedingungen und Gelegenheitsfenster, die zur Entstehung, Verbreitung und Etablierung von Neuerungen in der räumlichen Planung beitragen. Die Dissertation setzt ihren Fokus auf die Justierungsphase, die als letzter Abschnitt des Prozesses der Durchsetzung und Institutionalisierung der Innovation nachgelagert ist. Hier lässt sich eine starke Ausdifferenzierung feststellen, bei der die Innovation einerseits ihren einstmaligen Charme des Neuen verliert und wachsender Kritik ausgesetzt ist und andererseits eine Ausstrahlung des Ansatzes in andere räumliche oder funktionale Kontexte vollzieht.

In einer empirischen Studie betrachtet die Arbeit, in welchen Handlungsfeldern der Stadtplanung heute die Anwendung des Instruments Quartiersmanagement nachgewiesen werden kann. Sie analysiert Anwendungsformen, die inhaltlich oder räumlich vom etablierten und institutionell verankerten Handlungsfeld – der sozialen Quartiersentwicklung im Rahmen der Städtebauförderung – abweichen, methodisch-konzeptionell allerdings enge Bezüge zum Ursprung der Innovation aufweisen. Die Arbeit untersucht, wie Innovationen bzw. ihre Elemente über ihre institutionalisierte und normierte Form hinaus in andere räumliche und funktionale Kontexte wandert. Die Arbeit geht davon aus, dass Innovationen fluide und mobile Strukturen darstellen, die sich permanent transformieren und an Gegebenheiten anpassen. Demnach können ihre Veränderungen als Ausstrahlungeffekte verstanden werden. Empirisch nachgewiesen werden sie anhand der Fallstudie Hamburg-Altona. Der Bezirk ist durch eine lange Geschichte der integrierten und sozialen Stadtteilentwicklung geprägt. Heute ist Altona mit veränderten Problem- und Aufgabenstellungen eines dynamisch wachsenden Stadtteils konfrontiert. Daraus resultieren Anpassungen planerischer Instrumentarien und Methoden, die sich anhand unterschiedlicher Fallbeispiele untersuchen lassen. Methodisch wird eine Dokumentenanalyse aktueller Planungsprojekte im Bezirk und strategischer Leitlinien der Gesamtstadt durchgeführt sowie Experteninterviews mit lokalen Akteuren aus Planung, Verwaltung, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft geführt.