Qualifizierungsprojekt

Kulturräumliche Differenz im Umgang mit dem Klimawandel

In seinem Dissertationsprojekt ging Thorsten Heimann der Frage nach, wie sich kulturelle Unterschiede im Umgang mit Klimawandel an europäischen Küsten beschreiben und erklären lassen. Dazu entwickelte er das Konzept des relationalen Kulturraums, erarbeitete umweltsoziologische Erklärungsansätze und prüfte diese anhand einer Befragung von mehr als 800 Akteuren der Raumentwicklung europäischer Küstenstaaten.

Damit verfolgte die Arbeit zwei grundlegende Zielsetzungen: Erstens stellte sich die Herausforderung, bei der Beschreibung von Klimakulturen auf die raumtheoretischen Debatten der letzten Jahrzehnte über kulturelle Globalisierung zu reagieren, in denen die Gebundenheit von Kulturen an Orte zunehmend in Frage gestellt, und daher nach neuen Wegen der Untersuchung kultureller Verräumlichungen verlangt wurde. Zweitens sollten Erklärungen für klimakulturelle Unterschiede gefunden werden. Dazu knüpfte Heimanns Arbeit an umweltsoziologische Diskurse und verwandter Bindestrichdisziplinen der Psychologie, Geographie und Ethnologie zur Erklärung klimabezogener Handlungsweisen an.

Als Beitrag zur raumtheoretischen Debatte lieferte Heimann den „relationalen Kulturraumansatz“: Die Kernidee besteht darin, dass sich Akteure als Träger spezifischer Wissenskonstruktionen ‚nah‘ oder ‚fern‘ sein können. Ähnlichkeiten und Differenzen im Wissen der Akteure werden zum Kulturen bestimmenden Moment. Als Erklärungsansatz für Unterschiede im Wissen der Akteure lieferte Heimann das sogenannte VBI-Modell (Values, Beliefs, Identities), das es erlaubt empirisch zu prüfen und damit zu erklären, inwiefern Wertorientierungen, Weltbilder und raumbezogenen Identitäten zu unterschiedlichen klimabezogenen Deutungs- und Handlungsmustern führen.

Heimanns Lösungsansatz, Kulturen zunächst aspektbezogen als relationale Räume zu untersuchen und erst dann ihre Ortsgebundenheit und andere möglicherweise diskriminierende Faktoren empirisch zu prüfen, bietet Anwendungsmöglichkeiten für vielfältige sozialwissenschaftliche Anwendungsfelder.