Drittmittelprojekt

Kulturelle Konstruktionen von Vulnerabilität und Resilienz. Wahrnehmungen zu Gefährdungen durch aquatische Phänomene an der Oder in Deutschland und Polen (CultCon)

cultcon
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Das Ziel des Projekts ist es zu untersuchen, inwiefern Umgangsweisen mit aquatischen Phänomenen wie zum Beispiel Fluten in Flussregionen von kulturspezifischem Wissen beeinflusst werden. Dabei liegt der Untersuchungsschwerpunkt auf Wahrnehmungen potenzieller Verwundbarkeit (Vulnerabilitätskonstruktionen) und lokalen Praktiken zur Minderung von Risiken (Resilienzkonstruktionen). Damit möchte das Projekt eine bestehende Forschungslücke der Vulnerabilitäts- und Resilienzforschung adressieren. Dort geht man bislang vielfach davon aus, dass „Vulnerabilität“ und „Resilienz“, Begriffe die in hohem Maße von der Humanökologie und der Naturgefahrenforschung geprägt sind, jeweils als objektive Tatsachen angesehen werden müssen. Auch wenn dies eine legitime Perspektive ist, ignoriert diese doch, dass Gesellschaften – auf der Grundlage von vergangenen und gegenwärtigen, kulturell geprägten Erfahrungen mit Naturphänomenen – eigene Vorstellungen in Bezug auf ihre Verwundbarkeit und Bewältigungsfähigkeit entwickeln können. Diese Vorstellungen können Folgen für die Wahl von Handlungsstrategien haben.

Vor diesem Hintergrund lautet die Fragestellung des Projekts: Wie sind Vulnerabilitäts- und Resilienzkonstruktionen lokal strukturiert? Welche Rolle spielt das bestehende kulturelle Wissen einer jeweiligen Gruppe oder Gesellschaft (z.B. Sprache, Literatur, Medien) bei deren Genese?

 

Am Beispiel von Oderregionen um Eisenhüttenstadt, Frankfurt/Oder, Słubice and Breslau soll im Detail rekonstruiert werden, wie in öffentlichen und literarischen Mediendiskursen welche kulturellen Wissensordnungen hergestellt werden und wie sie sich ggf. unterscheiden. In methodisch aufwändiger Weise (mittels Bevölkerungsumfragen und Experteninterviews) soll dann geprüft werden, inwieweit sich entsprechende kulturelle Muster auch in den Wahrnehmungen von Bürgern und Experten in den untersuchten Oderregionen vor Ort nachweisen lassen können und welche Folgen sie für das Handeln, beispielsweise im Hochwasserschutz, haben. Das Forschungsprojekt leistet damit einen Beitrag zur Grundlagenforschung, weil hier diskurstheoretische Annahmen empirisch geprüft werden sollen, die bislang eher unhinterfragt geblieben sind. Gleichzeitig werden aber auch Aussagen darüber getroffen werden können, in welcher Weise kulturelle Wissensordnungen Folgen für konkrete lokale Handlungsstrategien haben können.

In dem Projekt arbeitet ein deutsch-polnisches Forschungsteam aus Soziologen, Kultur- und Literaturwissenschaftlern eng zusammen.