Leitprojekt

Konfliktfeld „autogerechte Stadt“. Innerstädtische Freiraumgestaltung als Urbanisierungsstrategie seit 1945 in Ost und West

Forschungsabteilung: Historische Forschungsstelle

Forschungsthemen: Geteiltes Wissen - lokal und über Distanz Neue soziale Praktiken

Projektleitung: Prof. Dr. Christoph Bernhardt

Projektteam: Dr. Harald Engler Dr. Andreas Butter Carla Aßmann Lisa Kreft

Laufzeit: 01/2015 - 12/2018

Autogerechte Stadt
leitprojekt5-2
leitprojekt5-3
leitprojekt5-4
leitprojekt5-5
Autogerechte Stadt
leitprojekt5-2
leitprojekt5-3
leitprojekt5-4
leitprojekt5-5

Die Entwicklung europäischer Städte nach 1945 wurde entscheidend von den Raumansprüchen des Automobilverkehrs und den damit verbundenen Mobilitätsmustern bestimmt. Dabei kam es zu einer widersprüchlichen Entwicklung: Während das planerische Leitbild der „autogerechten Stadt“ spätestens seit den 1970er Jahren zunehmend an Wirkungskraft verlor, nahmen Mobilität und insbesondere der städtische Autoverkehr vielerorts weiterhin zu. Das Spannungsverhältnis zwischen manchen Planungskonzepten und den teilweise entgegengesetzten Vorstellungen verschiedener Interessen- und Bevölkerungsgruppen führt bis heute periodisch zu massiven Konflikten. Zugleich ist vielfach die Ausbildung polarisierter Raumtypen – verkehrsarmer und hoch belasteter Gebiete – zu beobachten.

Das Leitprojekt untersucht in mehreren Fallstudien zentrale, bisher nicht erforschte Widersprüche innerhalb dieser Entwicklung in historischer Perspektive. So ist etwa die Tatsache, dass für die DDR und damit in der Folge auch für Ostdeutschland kaum von einem Leitbild der „autogerechten Stadt“ gesprochen werden kann, bisher noch nicht erforscht. Auch kam es in west- wie in ostdeutschen Städten zu zahlreichen Aus- und Rückbauprojekten pro und contra Autoverkehr, die oft gleichzeitig und funktional gegenläufig zueinander stattfanden. Diese Projekte waren von entscheidender Bedeutung für die urbanen Qualitäten und die Multifunktionalität der betroffenen städtischen Teilräume, denen das besondere Interesse des Leitprojektes gilt. Die teilweise Rückgewinnung städtischer Freiräume seit den 1970er Jahren wird in dem Projekt auch als Seismograph für grundlegende Wandlungsprozesse der Stadtgesellschaft betrachtet. Zentrale Analyseperspektiven betreffen die Rolle kommunaler Akteure, Planer und der Öffentlichkeit, die Überformung des Gebäudebestands durch Ausbauprojekte von Straßen sowie den Zusammenhang zwischen Autoverkehr und städtischer Freiraumgestaltung.

Im Rahmen des Leitprojekts entsteht eine Datenbank zu internationalen Beispielen für Aus-, Um- und Rückbauprojekte städtischer Freiräume und paradigmatischer Bauten. Auf dem Onlineportal des IRS zur DDR-Planungsgeschichte können bereits Steckbriefe u.a. zu markanten Straßen und Plätzen in Berlin, Mailand und Paris heruntergeladen werden. Auf diese Weise wird deutlich, wie sich Stadtbilder und -strukturen auf Grund des Autoverkehrs wandelten.

 

Foto: © ake 1150/fotolia.de