Brückenprojekt

Komparative Studien zu Schlüsselfiguren in der Raumentwicklung

In komplexen Prozessen sozialräumlichen Wandels kommt es stark auf das Wirken von Einzelnen an – so zumindest die Überzeugung erfahrener Praktiker. Am IRS werden diese Einzelpersonen als Schlüsselfiguren bezeichnet und konzeptualisiert. Doch für die raumbezogenen Sozialwissenschaften benennt die Erkenntnis der herausgehobenen Bedeutung von Schlüsselfiguren eher ein Verständnisproblem als dass es eine Erklärung liefert. Wie können Schlüsselfiguren in die sozialwissenschaftliche Analyse integriert werden?

Dieser übergeordneten Frage geht das abteilungsübergreifende Brückenprojekt „Komparative Studien zu Schlüsselfiguren in der Raumentwicklung“ nach.

In dem IRS-Brückenprojekt werden Fragestellungen wie die folgenden empirisch bearbeitet und konzeptionell vertieft: Ist ihre Wirkung auf den Verlauf der Dinge auch empirisch erfassbar oder handelt es sich vor allem um Freundzuschreibungen? Welche Erklärungen liefern sozialwissenschaftliche Theorien dafür, dass einzelne Menschen eine höhere Chance haben, Neues zu denken oder einen größeren Einfluss auf Prozesse des Wandels zu nehmen? Liegt das Besondere einer Schlüsselfigur eher in ihren Fähigkeiten verborgen, oder ist es eher in der Art der sozialen Einbindung zu suchen? Ist es möglich, das Wirken Einzelner zu typisieren (ein Umstand, der die Bezeichnung „Schlüsselfiguren“ rechtfertigen würde) oder liegt das Besondere gerade in den biographischen Einzigartigkeiten von historischen Persönlichkeiten verborgen (die korrekterweise als „Schlüsselpersonen“ bezeichnet werden sollten)?

Nachdem sich das Forschungsteam im Rahmen des vorangegangenen Brückenprojekts intensiv mit diesen konzeptionellen Fragen auseinandergesetzt hat und die gefundenen Ansätze auch empirisch überprüft hat, geht es in diesem darauf aufbauenden Projekt darum, die gewonnenen Erkenntnisse durch vertiefende empirische Studien in Wert zu setzen und die Thematik insgesamt am IRS zu verstetigen. Aus dem leicht erweiterten Projektteam werden daher abteilungsübergreifende aber auch abteilungsbezogene Drittmittelprojekte zur Thematik entwickelt, die über die Laufzeit des Brückenprojekts hinauswirken. Zudem werden laufende und abgeschlossene Forschungsprojekte im Licht der Schlüsselfigurenkonzeption einer ergänzenden Auswertung unterzogen.

Aktuelles
13. September | 2019

Gerade wenn ländliche Räume schwierige Wandlungsprozesse bewältigen müssen, kommt es oft auf die Initiative Einzelner an. Stefanie Döringer vom Institut für Stadt- und Regionalforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften untersucht in ihrem Promotionsprojekt den Handlungsspielraum und das Wirken von Schlüsselpersonen in der kleinstädtischen Wirtschaftsentwicklung. Dabei bezieht sie sich unter anderem auf die Forschung zu Schlüsselfiguren in der Raumentwicklung am IRS. Im Rahmen eines IRS-Seminars stellte sie am 2. September 2019 theoretische Überlegungen sowie erste Ergebnisse aus ihrer Feldforschung in Österreich vor. mehr Info