Leitprojekt

Freiraumgestaltung als Urbanisierungsstrategie zwischen Herrschaft und Öffentlichkeit im deutsch-deutschen Vergleich

Forschungsabteilung: Historische Forschungsstelle

Forschungsthemen: Geteiltes Wissen - lokal und über Distanz Neue soziale Praktiken Räumliche Pfadentwicklung und institutioneller Wandel

Projektleitung: Prof. Dr. Christoph Bernhardt

Projektteam: Dr. Harald Engler Dr. Ute Hasenöhrl Dr. Sylvia Necker Elke Beyer Dr. Andreas Butter

Laufzeit: 01/2012 - 12/2014

freiraumgestaltung
freiraumgestaltung

Urbane Freiräume erfüllen eine Vielzahl gesellschaftlicher Aufgaben. Sie sichern städtische Lebens- und Umweltqualitäten und dienen sowohl als Orte staatlicher Repräsentation und Kontrolle wie auch als soziale Kommunikationsräume. Aufgrund dieser Multifunktionalität besitzen Freiräume in der Stadt- und Regionalentwicklung eine besondere strategische Bedeutung, z.B. in ihrer Funktion als Potenzial gegen eine (übermäßige) Verdichtung städtischer Siedlungsstrukturen. Umgekehrt spiegelt und beschleunigt die Aneignung städtischer öffentlicher Räume durch die Bürger gesellschaftliche Wandlungsprozesse – im Alltag wie auch speziell in Phasen politischer Mobilisierung. Trotz ihrer großen Bedeutung für moderne Gesellschaften wurden Fragen der Freiraumgestaltung in der historischen Forschung bislang allenfalls am Rande als Teilproblem der Urbanisierung im 20. Jahrhundert behandelt. Vor allem die Nachkriegszeit wurde mit Blick auf die deutsch-deutsche Geschichte dagegen noch kaum vergleichend für beide Staaten untersucht.

In West- und Ostdeutschland hat die Freiraumplanung zunächst eine stark differierende Entwicklung genommen: In der Bundesrepublik gewann sie erst nach einer Periode relativer Bedeutungslosigkeit in dem Maß an Gewicht, in dem Freiräume verstärkt zu Erlebnis- und Freizeitzonen aufgewertet wurden. Teilweise wurden sie auch zu Seismographen für Konflikte um die Beherrschung und Gestaltung öffentlicher Räume und um städtische Lebens- und Umweltqualität. Für die DDR wird hingegen eher eine Niedergangslinie konstatiert, von den noch relativ ambitionierten Planungen der 1950er Jahre zu einer zunehmenden Verregelung und Typisierung durch staatliche Vorgaben und konzeptionellen Verarmung.

Das Leitprojekt 2012-2014 der Historischen Forschungsstelle analysierte die Frage nach politischen Planungen, gesellschaftlichen Nutzungen und Aneignungsformen von Freiräumen in Ost- und Westdeutschland für die Zeit von 1945 bis 1989 in mehreren komparativen Fallstudien anhand von Fragenkomplexe zu Urbanisierungsstrategien, Planerpersönlichkeiten und Netzwerke sowie Herrschaft und Öffentlichkeit. Auf der theoretischen Ebene wurde hierfür auf historisch-raumbezogene Pfadansätze, einzel- und gruppenbiographische Theorien (v.a. zu Generationalität und Netzwerken) sowie auf Ansätze zu „Herrschaft als sozialer Praxis“ (v. Saldern) und das Konzept der „Socio-histoire des Politischen“ (Kott/Rowell) Bezug genommen. Ergänzend wurden Untersuchungsansätze zu sozio-naturalen Schauplätzen, politischer Ikonographie und Erinnerungsorten einbezogen.

Publikationen

Bernhardt, C. (Hrsg.) (2016). Städtische öffentliche Räume / Urban Public Spaces: Planungen, Aneignungen, Aufstände 1945–2015 / Planning, Appropriation, Rebellions 1945–2015. (Beiträge zur Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung; Band 19). Stuttgart: Steiner.
Bernhardt, C., & Engler, H. (2014). Eisenach - sozialistische Autostadt mit gebremster Entwicklung. in M. Heßler, & G. Riederer (Hrsg.), Autostädte im 20. Jahrhundert: Wachstums- und Schrumpfungsprozesse in globaler Perspektive. (S. 109-126). (Beiträge zur Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung; Nr. 16). Stuttgart: Steiner.
Drewes, K. (2014). Werkstattgespräch zur DDR-Planungsgeschichte am 16. und 17. Januar 2014 in der Historischen Forschungsstelle des Leibniz-Instituts für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) in Erkner (Tagungsbericht). Informationen zur modernen Stadtgeschichte, (1), 156-160.
Engler, H. (2014). Meister und Schüler der städtebaulichen "Glücksverheißungen": Die Architekten von Halle-Neustadt auf ihrem städtebaulichen Exerzierfeld. in P. Pasternack (Hrsg.), 50 Jahre Streitfall Halle Neustadt: Idee und Experiment. Lebensort und Provokation. (S. 111-114). Halle (Saale): Mitteldeutscher Verlag.
Hasenöhrl, U. (2013). Konflikte um regenerative Energien und Energielandschaften aus umwelthistorischer Perspektive. in M. Leibenath, & L. Gailing (Hrsg.), Neue Energielandschaften - Neue Perspektiven der Landschaftsforschung.. (S. 79-99). (RaumFragen - Stadt, Region, Landschaft). Wiesbaden: Springer VS.
Bernhardt, C. (2013). The Contested Industrial City: Governing Pollution in France and Germany, 1810-1930. in C. Zimmermann (Hrsg.), Industrial Cities: History and Future. (S. 46-65). Frankfurt am Main: Campus.
Engler, H. (2014). Wilfried Stallknecht und das industrielle Bauen: Ein Architektenleben in der DDR. Berlin: Lukas.
Bernhardt, C. (2012). Urbanisierung im 20. Jahrhundert: Perspektiven und Positionen. Informationen zur modernen Stadtgeschichte, (2), 5-11.
Bernhardt, C. (2012). Zur Spezifik und historischen Verortung sozialistischer Industriestädte. Informationen zur modernen Stadtgeschichte, (1), 45-54.
Bernhardt, C. (Hrsg.) (2012). Urbanisierung im 20. Jahrhundert, Themenschwerpunkt. (Informationen zur modernen Stadtgeschichte; Nr. 2).