Drittmittelprojekt

Digitale städtebauliche Planungen: Planerisches Handeln und materiell-physische Anordnungen

Forschungsabteilung: Kommunikations- und Wissensdynamiken im Raum

Projektleitung: Prof. Dr. Gabriela Christmann

Projektteam: Martin Schinagl Sophie Mélix

Förderorganisation: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Laufzeit: 03/2018 - 12/2022

Logo des Sonderforschungsbereichs "Re-Figuration von Räumen", © TU Berlin
Logo des Sonderforschungsbereichs "Re-Figuration von Räumen", © TU Berlin

Der Sonderforschungsbereich „Re-Figuration von Räumen“ ist der erste soziologie-geleitete Sonderforschungsbereich der DFG. Die Wissenschaftler/-innen haben sich zum Ziel gesetzt, die umfassenden räumlichen Neuordnungen globalen Maßstabs zu erforschen, die von einer Zunahme der globalen Zirkulation von Menschen und Gütern, der Entwicklung und Verbreitung digitaler Kommunikationstechnologien sowie dem damit verbundenen Anwachsen weltweiter Verflechtungen verursacht werden. Prof. Dr. Gabriela Christmann vom IRS ist als Mitglied des Vorstandes sowie als Sprecherin des Projektbereichs B „Räume der Kommunikation“ an dem SFB beteiligt und leitet das Teilprojekt „Digitale städtebauliche Planungen: Planerisches Handeln und materiell-physische Anordnungen“.

In den letzten 50 Jahren haben sich globale Prozesse der sozialen, politischen und technologischen Veränderungen erheblich intensiviert. Dies findet seinen Ausdruck in weltweit gestiegenen Verflechtungen, Vernetzungen und Abhängigkeiten: Die Zirkulation von Waren und Ideen ist sprunghaft angestiegen, ebenso die Mobilität und die Migration von Menschen. Durch ortsungebundene Kommunikationstechnologien haben sich für soziale Prozesse wie den Wissensaustausch völlig neue Ausprägungen und Implikationen ergeben. Zugleich haben Gegenbewegungen zur Globalisierung signifikanten Zulauf erhalten, versinnbildlicht durch das Brexit-Votum in Großbritannien oder durch den Regionalisierungstrend in der Lebensmittelwirtschaft. Die Ausgangsthese des SFB „Re-Figuration von Räumen“ ist, dass durch diese grundlegenden gesellschaftlichen Wandlungsprozesse das Verhältnis von Menschen zu ihren Räumen neu verhandelt, verändert und umgestellt wird. Räume gelten als strukturierendes Element von sozialen Prozessen, sie sind zugleich Austragungsort für gesellschaftliche Konflikte und Veränderungen sowie Ressource für Entwicklungsprozesse. Ziel der Forschungen in dem neuen SFB ist es, diese komplexen sozioräumlichen Prozesse in einem breiten Spektrum von Fachdisziplinen – Soziologie, Geographie, Architektur, Medien- und Kommunikationswissenschaft, Kunst und Planung – empirisch zu beforschen und daraus eine Theorie des gegenwärtigen Wandels der sozialen Ordnung als räumlich-kommunikative Re-Figuration zu entwickeln.

Das IRS leistet mit dem Teilprojekt „Digitale städtebauliche Planungen: Planerisches Handeln und materiell-physische Anordnungen“ einen Beitrag zum Projektbereich „Räume der Kommunikation“, der Veränderungen kommunikativen Handelns durch Mediatisierungsprozesse und deren Implikationen für die Re-Figuration von Raum untersucht. Ziel des Teilprojekts ist es, speziell Veränderungen im städtebaulichen Planen am Beispiel neuer digitaler Techniken und Kommunikationsmedien weltweit zu erforschen.

Drei Forschungsfragen stehen im Zentrum der Untersuchung:

(i) Wie lassen sich Digitalisierungen in der städtebaulichen Planung seit den 1970er Jahren beschreiben und systematisieren?

(ii) Wie verändert sich vor dem Hintergrund von Digitalisierungsprozessen planerisches Handeln im Städtebau und mit welcher planerischen Raumkonstitution geht dies einher?

(iii) Wie verändern sich auf der Basis digitalen Planens materiell-physische städtebauliche Anordnungen im Verhältnis zu – auf analogem Planen beruhenden – Anordnungen aus den 1960er Jahren?

Für das digitale planerische Handeln sollen drei – ineinandergreifende – Handlungsbereiche in den Blick genommen werden: die städtebauliche Strukturplanung, v.a. das Arbeiten mit Geoinformationssystemen (GIS) zur Verarbeitung vielfältiger Informationen; die städtebauliche Gestaltungsplanung, v.a. das Arbeiten mit Tools wie dem Computer-Aided Design; und die kommunikative Planung zur Beteiligung von Stakeholdern und Bürgern, z.B. mit Tools der 2D- oder 3D-Simulationen.

Untersucht werden Mediatisierungsprozesse am Beispiel von vier Städten auf vier Kontinenten: New York City (Nordamerika/USA), Lagos (Afrika/Nigeria), Songdo (Asien/Südkorea) und Frankfurt/Main (Europa/ Deutschland).

Der SFB ist an der Technischen Universität Berlin angesiedelt und wird von Prof. Dr. Martina Löw (Institut für Soziologie, Fachgebiet Planungs- und Architektursoziologie) und Prof. Dr. Hubert Knoblauch (Institut für Soziologie, Fachgebiet Allgemeine Soziologie) als Sprecher geleitet. Beteiligt am erfolgreichen Antrag sind weiterhin die Institute für Architektur und Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin, das Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der FU Berlin, das Institut für Sozialwissenschaften und das Geographische Institut an der HU Berlin, das Institut für Kommunikationswissenschaft der WHU Münster und das Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS).