Qualifizierungsprojekt

Die Entstehung und Mobilität innovativer Stadtplanungsinstrumente basierend auf einer Studie von Zwischennutzungen im deutschen Planungssystem

Forschungsabteilung: Kommunikations- und Wissensdynamiken im Raum

Forschungsthemen: Innovationsprozesse in raum-zeitlicher Perspektive Neue soziale Praktiken

Projektleitung: Thomas Honeck

Laufzeit: 08/2014 - 06/2017

In Deutschland werden Zwischennutzungen in unterschiedlichen funktionalen und räumlichen Kontexten strategisch in Prozesse der Stadtentwicklung eingebunden, um neue Entwicklungsperspektiven für leerstehende Flächen, Gebäude und schließlich ganze Quartiere zu initiieren. Die heutigen Zwischennutzungen gehen zum Teil auch auf informelle Raumaneignungen zurück, die mit dem Begriff der Besetzung assoziiert wurden, und von Hauseigentümern und Planern offensichtlich unerwünscht waren. Damit ist die Institutionalisierung von Planungsansätzen und Policies zu Zwischennutzungen durch einen deutlichen Bruch mit den etablierten Planungspraktiken gekennzeichnet.

Wie kommt es zur Entstehung, Verbreitung und schließlich zur Etablierung solch neuartiger Planungsansätze? In seiner Dissertation untersucht Thomas Honeck diese Fragen anhand des empirischen Gegenstandes der Zwischennutzung im deutschen Planungssystem. Eine wesentliche konzeptuelle Grundlage bieten dazu Theorien aus der sozial-wissenschaftlichen Innovationsforschung, die auf das Feld der räumlichen Planung angewandt werden. Damit leistet die Dissertation Beiträge zur Planungstheorie und zu Innovationskonzepten. Auf der Anwendungsebene werden Optimierungspotentiale von Erneuerungsprozessen identifiziert, sodass Planer schneller und effizienter auf neue Problemstellungen reagieren können.

Die Dissertation ist grundlegend an das DFG-Forschungsprojekt „Innovationen in der Planung“ (InnoPlan) des Leibniz-Instituts für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) und der Universität Stuttgart eingegliedert. Sie wird am Geographischen Institut der Humboldt Universität zu Berlin durch Prof. Dr. Ilse Helbrecht sowie von Prof. Dr. Gabriela B. Christmann betreut. Die Arbeit ist kumulativ aufgebaut, das heißt sie setzt sich aus drei Artikeln in renommierten internationalen Fachzeitschriften sowie einem ausführlichen Rahmenaufsatz zusammen.

Ein erster Artikel betrachtet den gesamten Innovationsprozess mit einem Fokus auf den zeitlichen Verlauf. Analog zum genannten Projekt InnoPlan werden fünf Phasen (Latenz, Entstehung, Formatierung, Stabilisierung und Justierung) identifiziert und insbesondere beschrieben, wie es zu Phasenübergängen kam. Ein zweiter Artikel untersucht, wie der Ansatz der Zwischennutzung im Kontext von Berlin nach der Wiedervereinigung in einer sozial-räumlichen Nische entstanden ist, und wodurch er schließlich außerhalb dieser relevant wurde und sich verbreitete. In einen dritten Artikel wird schließlich eine Untersuchung der Fallstudienstädte Berlin und Stuttgart vorgenommen, die beide sehr unterschiedliche Voraussetzungen für Planungsansätze mit Zwischennutzungen bieten. In diesem Zusammenhang erforscht der Artikel die Bedeutung von Innovationsnarrativen, die zu einer Verbreitung bzw. Mobilität von Policies zu Zwischennutzung in teils gegensätzliche Kontexte beigetragen haben.