Drittmittelprojekt

Conquering (with) Concrete. German Construction Companies as Global Players in Local Contexts.

Forschungsabteilung: Historische Forschungsstelle

Projektleitung im IRS: Dr. Monika Motylinska

Förderorganisation: Volkswagen Stiftung: Freigeist-Fellowship

Laufzeit: 01/2020 - 12/2024

Das vorgeschlagene Projekt untersucht, wie große deutschen Baufirmen Märkte und Räume eroberten, ihre Präsenz in unterschiedlichen Regionen des Globalen Südens damit zementierend, und verfolgt Spuren, die sie hinterließen, lange nachdem der Staub der Baustelle sich gelegt hatte. Es geht von der Beobachtung aus, dass es unmöglich ist, die Komplexität der gebauten Umwelt zu begreifen, ohne die Rolle solcher Bauunternehmen wie HOCHTIEF AG oder Bilfinger Berger als Akteure, Interessengruppen, transnationale Rechtsgebilde und bedeutende Antriebskräfte in den Prozessen der globalisierten Bauwirtschaft anzuerkennen und zu analysieren. Diese Perspektive fehlt in der bisherigen Forschung (Ogle 2017), bis auf wenige Ausnahmen (Lagae 2015; idem. kommende Veröffentlichung).Die beabsichtigte Untersuchung befreit sich dazu von engen disziplinären Einschränkungen und erkundet stattdessen die Baufirmen als Schnittstelle zwischen Architektur- und Planungsgeschichte, Stadtforschung, Wirtschaft, Ökologie, Governance, Technik- und Baugeschichte sowie Anthropologie. Die Untersuchung läuft entlang drei thematischer Achsen, jede verbunden mit Expertise aus den jeweiligen Untersuchungsfeldern: (1) Angefangen mit der Betrachtung der Herstellung des Betons als des meist verbreiteten Baumaterials im 20. Jahrhundert und seiner conditio sine qua non für den Großteil der Bauaktivitäten. Als Erweiterung der bisherigen Forschung (Forty 2012), werden sowohl die materielle Seite der Zementproduktion und der Gewinnung von Rohstoffen als auch Kapitalflüsse und vielschichtige Interaktionen zwischen diversen Akteuren und Institutionen untersucht (Wirtschaftsgeographie/Stadtgeschichte/Baugeschichte). (2) Darauf folgt eine Analyse der anderen Typen der architektonischen und infrastrukturellen Investitionen, mit dem Ziel, das langlebige Phänomen des Labels „Made in Germany“ von der Vergangenheit bis in die Gegenwart zu untersuchen (Architekturgeschichte/Wirtschaftsgeschichte). (3) Im letzten Schritt wird der Fokus auf die Analyse des materiellen und immateriellen Erbes der Präsenz der deutschen Bauwirtschaft in ausgewählten Regionen von Lateinamerika, Afrika und Südasien gelegt (Anthropologie/Denkmalpflege). Derart stellt das Projekt einen bedeutsamen Beitrag zur Genealogie einer globalisierten Architekturproduktion und der Vielzahl der daran beteiligten fremden und lokalen Akteure dar. Das vorgeschlagene Projekt betrachtet den Forschungsgegenstand Bauunternehmen als ein Prisma, das völlig neue Perspektiven auf die Komplexität der transnationalen und globalen Verflechtungen und deren Einfluss auf die jeweiligen lokalen Schauplätze bietet. Es zielt nicht darauf ab, einfache Kausalitäten zu bestimmen, sondern beabsichtigt ein komplexes Mosaik aus Motivationen, projizierten, ausgesprochenen und ausgeübten Begierden, sozialen und materiellen Widerstände sowie Manipulationen und Misserfolgen darzustellen, mit einem besonderem Augenmerk für die Dimension des brut de décoffrage – des Rauen und des Unvollständigen.

Aktuelles
17. September | 2019

Was haben deutsche Bauunternehmen wie Bilfinger Berger und HOCHTIEF zur Globalisierung der Architektur beigetragen? Noch nie wurde diese Frage umfassend, aus der Sicht unterschiedlicher Disziplinen untersucht. Für ihre wegweisende Projektidee erhielt die IRS-Architekturhistorikerin Monika Motylinska eine Freigeist-Fellowship der VolkswagenStiftung. Die Förderung erlaubt es Motylinska fünf Jahre lang zu forschen und dabei bis zu drei Doktorandinnen oder Doktoranden auszubilden. Diese Nachwuchsgruppe wird mit der Bauhaus-Universität Weimar assoziiert sein. Das IRS als Institut der Leibniz-Gemeinschaft ist damit in der aktuellen Förderrunde die einzige außeruniversitäre Forschungseinrichtung mit einem Freigeist-Fellow. mehr Info