Drittmittelprojekt

Architektur- und Planungskollektive der DDR – Institutionelle Strukturen und kreative Prozesse in der sozialistischen Architekturproduktion (Archiko)

Forschungsabteilung: Historische Forschungsstelle

Projektleitung im IRS: Dr. Harald Engler

Verbundpartner: Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (Koordination) Otto-Friedrich-Universität Bamberg Kompetenzzentrum Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT)

Förderorganisation: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Laufzeit: 04/2019 - 09/2021

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Architektonische und städtebauliche Planung war in der DDR in Planungskollektiven organisiert, die dem Institutionssystem der DDR entsprechend in volkseigene Planungsbetriebe integriert waren freiberufliche Architekten gab es nur noch in verschwindend geringer Anzahl. Das Projekt untersucht diese Planungskollektive in ihrer administrativen Einbettung und Funktionsweise im politischen System einerseits und in Hinblick auf die künstlerischen Produktionsweisen und das Selbstverständnis der Architekten im Kollektiv andererseits. Die Kollektive werden sowohl in ihrer Funktion als politischwirtschaftliche Organisationsform, als auch in ihrer Rolle als künstlerische Gruppierungen untersucht. Beide Dimensionen hatten Auswirkungen auf die Architekturproduktion der DDR, die für die heutige Auseinandersetzung mit den entstandenen Objekten in ihrer historischen Einordnung und Interpretation bis hin zu Urheberrechtsfragen von grundlegender Bedeutung sind. Das Projekt analysiert die Planungskollektive der DDR auf drei Ebenen: mit einer vergleichenden Struktur-Analyse (a), die sich mit den institutionellen Hintergründen, der Organisation und den Hierarchien einschließlich der Netzwerkpotenziale der Kollektive im historischen Verlauf beschäftigt; einer Projekt-Analyse (b), die exemplarisch und vertiefend einzelne Architektur- bzw. Planungsprojekte untersucht; und einer Objekt-Analyse (c), die die entstandenen Objekte mit den Prozessen in Bezug setzt und nach möglichen Spezifika und Problemen der Autorenschaft befragt. Damit leistet das Projekt einerseits einen fundierten Beitrag zur Erforschung des Kollektivwesens in der DDR und wird damit die (kunst)geschichtliche Bedeutung von Architekten und ihrem Werk in der DDR mit einer größeren Differenziertheit analysieren. Andererseits wird das Projekt historisch und empirisch fundierte Forschungen zum kollektiven künstlerischen Arbeiten im 20. Jahrhundert durchführen, das seit den 20er Jahren in verschiedenen Kontexten praktiziert wurde und auch heute wieder an Attraktivität gewinnt.

zum Foto: Das Architektenkollektiv unter der Leitung von Wilfried Stallknecht (2. v. r.), das 1967 Pläne für das „sozialistische Musterdorf“ Ferdinandshof (Bezirk Neubrandenburg, bei Ueckermünde) entwickelte.

Aktuelles
15. Juli | 2019

Die marxistisch-leninistische Staatsideologie der DDR postulierte, dass der einzelne Mensch seine Fähigkeiten nur in der Gemeinschaft des Kollektivs vollumfänglich entfalten könne. Dieser Grundsatz des sozialistischen Arbeitens wurde auch auf die Architektur und Stadtplanung in der DDR übertragen. Aber wie haben sich diese Architekturkollektive organisiert? Wie waren die Arbeitsstrukturen gesetzlich geregelt und politisch geprägt? Welche Auswirkungen hatte das kollektive Arbeiten auf die Kreativität der Entwurfsarchitektinnen und -architekten? Aus der Sicht der planungsgeschichtlichen Forschung der Historischen Forschungsstelle des IRS sind diese Fragen hoch relevant. In einem neuen DFG-Projekt werden sie untersucht. mehr Info