Qualifizierungsprojekt

Ansatzpunkte und Hemmnisse einer Transformation hin zur Postwachstumsgesellschaft. Alltagsweltliche Gemeinwohlvorstellungen im Konflikt um den Kohleausstieg

Forschungsabteilung: Institutionenwandel und regionale Gemeinschaftsgüter

Projektleitung im IRS: Dr. Timmo Nils Krüger

Laufzeit: 10/2019 - 09/2023

krueger-habil
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Die Herausforderungen der sozial-ökologischen Krise erfordern weitreichende Transformationsprozesse, die in skalarer Hinsicht einen Wandel von Lebensweisen sowohl auf der Mikroebene (der Subjekte und Praktiken) als auch auf der Makroebene (der gesellschaftlichen Strukturen) voraussetzen. Diese Annahme bildet den Ausgangspunkt für das Habilprojekt. In den Fokus rücken damit (Ent-)Politisierungsprozesse (insbesondere des Wachstumsparadigmas) und Konflikte (insbesondere um Exnovationen). Exnovation bezeichnet die intendierte Verdrängung (bzw. den Rückbau) von Praktiken, Produkten, Technologien und Infrastrukturen. Diese Perspektive weicht von bislang dominanten Ansätzen der auf technische oder soziale Innovationen gerichteten Transformationsforschung ab – wird aber von weiten Teilen der Degrowth-Forschung geteilt, in der das Projekt zu verorten ist. Der Begriff der imperialen Lebensweise wird als konzeptioneller Rahmen für das Verständnis der sozial-ökologischen Krise gewählt, da es bei der Erörterung der Beharrungskräfte von Wachstumsgesellschaften – ihrer Attraktivität und Normalität trotz sich zuspitzender Probleme und Krisen – systematisch die Ko-Konstitution von alltäglichen Praktiken und gesellschaftlichen Strukturen fokussiert. Die imperiale Lebensweise und ihre (Ent-)Politisierung wird im Projekt mit einer raumbezogenen Analyse des Konfliktes um den Kohleausstieg in Deutschland herausgearbeitet. Dazu werden Gruppendiskussionen mit verschiedenen Konfliktparteien durchgeführt. Auf dieser Basis werden alltagsweltliche Gemeinwohlvorstellungen sozialer Gruppen rekonstruiert. Das Erkenntnisinteresse bezieht sich dabei auf Ansatzpunkte und Hemmnisse sozial-ökologischer Transformationsbestrebungen.

Das Habiliationsvorhaben wird von Prof. Dr. Ulrich Brand am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien begleitet.

Foto: Melf/flickr.com/CC BY-NC-ND 2.0

Aktuelles
13. Februar | 2020

Die Forschungsabteilung „Institutionenwandel und regionale Gemeinschaftsgüter” des IRS interessiert sich für grundlegende sozial-ökologische Transformationsprozesse. Sie will tiefgreifende Analysen liefern und die Komplexität gesellschaftlicher Herausforderungen erfassen. Das ist leichter gesagt als getan, denn wo setzt man dabei an? Bei der Hubschrauberperspektive auf die großen Zusammenhänge oder mit dem gleichsam mikroskopischen Blick auf die Besonderheiten von Einzelfällen? Am 27. Januar 2020 hatte die Abteilung drei internationale Koryphäen, Gretchen Bakke, Dominic Boyer und Cymene Howe, zu Gast, um dieser Frage in einem Workshop auf den Grund zu gehen. mehr Info