Qualifizierungsprojekt

Alltagsarchitektur der DDR – Individualisierungen eines Serientyps, über informelle Netzwerke, Improvisation und individuelle Gestaltung. Eine Feldstudie zum EW 65B Einfamilienhaus der DDR.

Forschungsabteilung: Historische Forschungsstelle

Externe Mitarbeiter: Lisa Zorn (Bauhaus-Universität Weimar)

Laufzeit: 04/2014 - 03/2017

Projektbearbeitung: Lisa Zorn

 

Im sozialistischen System der DDR unterlagen die Bauplanung und Bildung architektonischer Gestaltung der staatlichen Kontrolle. Diese strebte nach ihren Zielen eine weitgehende Vereinheitlichung und somit eine Standardisierung der Bebauung an, die auch im Bau von Einfamilienhäusern Anwendung fand. Der private Wohnungsbau in der DDR reduzierte sich demnach primär auf eine massenhafte Vervielfältigung eines räumlichen und konstruktiven Grundmusters. Im Vergleich zum Massenwohnungsbau wurden Einfamilienhäuser mit einem großen Anteil an Eigeninitiative und Selbstorganisation gebaut. Ebenfalls verlangte der Mangel von Baumaterialien den Hausbauern ein großes Improvisationsgeschick ab, so erhielt schon zu DDR-Zeiten und umso mehr heute jedes Haus seine eigene individuelle architektonischen Stilsprache durch seinen Erbauer. Auf diese Weise wurde aus einem standardisierten Gebäude ein individuelles Haus mit einer gewissen Exklusivität. In Baubiografien werden in diesem Dissertationsprojekt der Bau- und Entwicklungsprozess der EW 65B Häuser als langfristiger historischer Prozess betrachtet, der sich nicht nur durch technisch-ökonomische Potenzen entwickelte, sondern auch eine individuelle Lebensweise der Menschen zur Voraussetzung hat.