Forschungsthema GETEILTES WISSEN - LOKAL UND ÜBER DISTANZ

Wissen und Raum stehen in einem engen Zusammenhang. Wissen verstanden als die Fähigkeit zum kompetenten und wirkungsvollen sozialen Handeln ist kein Gegenstand, der für sich existieren und im Raum verortet werden kann. Vielmehr ist es immer Teil von sozialen Praktiken und daher verkörpert in sozialen Akteuren, verteilt auf soziale Konstellationen der Zusammenarbeit und eingearbeitet in Werkzeuge, Artefakte und Objekte der jeweiligen Praxis. Da Wissen nicht ohne die Ausübung von Praxis mobilisiert werden kann, ist es in seiner Räumlichkeit stark eingebettet in lokale Kontexte. Das Wissen beispielsweise eines Herzchirurgen kann am besten im Kontext eines Krankenhauses mit entsprechenden hochtechnisierter Ausstattung, kompetenter Unterstützung durch Anästhesisten und Operationshelfer, einem Durchlauf an Patienten mobilisiert werden. Trotz dieser lokalen Einbettung ist es aber möglich, dass dieselben Ideen an unterschiedlichen Orten entstehen oder genutzt werden, wenn diese Orte sich in ihren Kontextbedingungen hinreichend ähnlich sind. Forschungen am IRS beschäftigen sich mit Fragen zur Natur der lokalen Einbettung von Wissen, zu Formen und Praktiken der Teilung von Wissen über mehrere Orte hinweg, zum Zusammenhang zwischen der Mobilität und der Übersetzungen von Wissen in unterschiedliche lokale Kontexte, zum Transfer von Wissen in andere Praktiken (z.B. im Rahmen wissenschaftlicher Beratung von Praxis) und zu den damit verbundenen Kooperationsformen, den zum Tragen kommenden Machtverhältnissen und sowie den eingesetzten Medien der Wissensteilung.

Foto: © Stephanie Hofschlaeger/pixelio.de

Aktuelles
06. Dezember | 2018

Im Vorfeld der UN-Klimakonferenz, die gerade in Katowice stattfindet, führte die polnische Regierung vorübergehende Grenzkontrollen ein. Begründung: Die öffentliche Sicherheit sei durch ausländische Aktivisten bedroht. Die abwehrende Haltung gegen eine offene Auseinandersetzung mit dem Klimawandel ist nicht nur repräsentativ für die aktuelle Regierungspolitik in Polen, sondern auch für einen kulturellen Kontext, in welchem Klimaschutz eine sehr geringe Priorität hat. Ist Klimaschutz also eine Kulturfrage? Der Kulturwissenschaftler und Soziologe Dr. Thorsten Heimann sagt „ja“. In seinem Buch „Culture, Space and Climate Change – Vulnerability and Resilience in European Coastal Areas”, das heute bei Routledge erscheint, zeigt er, wie kulturelle Hintergründe Klimaschutz und Klimaanpassung hemmen und fördern. mehr Info

Aktuelles
19. November | 2018

Dr. Jana Kleibert wurde am 15. November 2018 in London mit dem RSA Routledge Early Career Award ausgezeichnet, der von der Regional Studies Association (RSA) vergeben wird. Sie erhielt die Auszeichnung für ihr Paper „Global Production Networks, Offshore Services and the Branch-Plant Syndrome“, das 2016 in Regional Studies veröffentlicht wurde. mehr Info