ForschungsthemaGETEILTES WISSEN - LOKAL UND ÜBER DISTANZ

Wissen und Raum stehen in einem engen Zusammenhang. Wissen verstanden als die Fähigkeit zum kompetenten und wirkungsvollen sozialen Handeln ist kein Gegenstand, der für sich existieren und im Raum verortet werden kann. Vielmehr ist es immer Teil von sozialen Praktiken und daher verkörpert in sozialen Akteuren, verteilt auf soziale Konstellationen der Zusammenarbeit und eingearbeitet in Werkzeuge, Artefakte und Objekte der jeweiligen Praxis. Da Wissen nicht ohne die Ausübung von Praxis mobilisiert werden kann, ist es in seiner Räumlichkeit stark eingebettet in lokale Kontexte. Das Wissen beispielsweise eines Herzchirurgen kann am besten im Kontext eines Krankenhauses mit entsprechenden hochtechnisierter Ausstattung, kompetenter Unterstützung durch Anästhesisten und Operationshelfer, einem Durchlauf an Patienten mobilisiert werden. Trotz dieser lokalen Einbettung ist es aber möglich, dass dieselben Ideen an unterschiedlichen Orten entstehen oder genutzt werden, wenn diese Orte sich in ihren Kontextbedingungen hinreichend ähnlich sind. Forschungen am IRS beschäftigen sich mit Fragen zur Natur der lokalen Einbettung von Wissen, zu Formen und Praktiken der Teilung von Wissen über mehrere Orte hinweg, zum Zusammenhang zwischen der Mobilität und der Übersetzungen von Wissen in unterschiedliche lokale Kontexte, zum Transfer von Wissen in andere Praktiken (z.B. im Rahmen wissenschaftlicher Beratung von Praxis) und zu den damit verbundenen Kooperationsformen, den zum Tragen kommenden Machtverhältnissen und sowie den eingesetzten Medien der Wissensteilung.

Foto: © Stephanie Hofschlaeger/pixelio.de

Aktuelles
28. Februar | 2021
Interview mit den IRS-Nachwuchsgruppenleiterinnen Jana Kleibert und Monika Motylinska

Das IRS beherbergt derzeit zwei Nachwuchsgruppen, die aus prestigeträchtigen Programmen gefördert werden. Die Stadt- und Wirtschaftsgeographin Jana Kleibert erforscht mit ihrer Leibniz Junior Research Group „Constructing Transnational Spaces of Higher Education“ (TRANSEDU) seit 2018, wie in internationalen „Branch Campuses“ Hochschulbildung vermarktet wird. Die Architekturhistorikerin Monika Motylinska untersucht mit ihrer im Freigeist-Programm der VolkswagenStiftung geförderten Nachwuchsgruppe „Conquering (with) Concrete“ seit Anfang 2020, was deutsche Bauunternehmen im 20. Jahrhundert zur Globalisierung der Architektur beigetragen haben. Im Interview reflektieren die beiden Wissenschaftlerinnen den derzeitigen Arbeitsstand ihrer Forschungsgruppen und erklären, wie sie mit den Herausforderungen der Coronapandemie umgehen. mehr Info

Aktuelles
12. Februar | 2021

Coworking Spaces, FabLabs und Maker Spaces waren bisher überwiegend in großen Städten zu finden. Doch derartige "kollaborative Arbeitsorte" werden zunehmend auch im ländlichen Raum eingerichtet, wo sie Zugänge zu Digitaltechnologien und anderen Arbeitsressourcen bereitstellen. Ein neues EU-finanziertes Innovative Training Network (ITN) untersucht nun die Wirkungen solcher Orte. Das IRS ist mit seiner Forschungsabteilung "Dynamiken von Wirtschaftsräumen" beteiligt. mehr Info