Forschungsgruppe

Urbanisierungspfade und Planungskulturen des 20. Jahrhunderts

In der Forschungsgruppe werden Prozesse der Raumentwicklung und Planungsgeschichte aus zeithistorischer Perspektive untersucht. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der integrierten Analyse gesellschafts- und planungsgeschichtlicher Vorgänge in beiden deutschen Staaten in ihren europäischen Zusammenhängen. Sozialräumliche Dynamiken und Entwicklungspfade von Städten und Quartieren analysiert die Forschungsgruppe vorrangig mit Blick auf planerische Interventionen und Aneignungsprozesse durch soziale Gruppen sowie politische Initiativen. Die Forschungsgruppe arbeitet interdisziplinär an der Schnittstelle von Stadt-, Planungs- und Architekturgeschichte. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Biographien und Handlungsmustern von Architekt*innen, Planer*innen und zivilgesellschaftlichen Akteuren sowie den Praktiken der Zirkulation und Umsetzung planerischer Leitbilder über Grenzen und politische Ebenen hinweg. Die Gegenwartsbezüge historischer Prozesse und die Konzepte der Digital History in ihrer Verknüpfung von Forschungs- und Archivierungsstrategien bilden wichtige Bezugspunkte der Untersuchungen.

Aktuelle Projekte

Die interdisziplinäre Sommerschule richtet sich an 15 Studierende (mit Bachelor- und Masterabschluss) aus den Bereichen Geschichte, Stadtforschung, Architektur, Politikwissenschaften und anderen verwandten Bereichen. Ihr Ziel ist es, Studierenden einen detaillierten Einblick in das Forschungsfeld „sozialistische Stadt“ in vergleichender und transnationaler Perspektive zu ermöglichen. Einerseits sollen in der Diskussion mit Experten*innen verschiedene Aspekte wie Stadtplanung, Architektur, Wohnen und soziale Infrastruktur, aber auch Denkmalpflege und staatliche Gewalt erarbeitet und diskutiert werden. Der letzte Teil der Sommerschule wird sich zudem mit dem Erbe und der Erinnerung der sozialistischen Städte befassen. Andererseits sollen die gewonnen Erkenntnisse durch die Präsentation eigener Studien sowie in Exkursionen vertieft werden. mehr info

Städte, die vom Zweiten Weltkrieg betroffen waren, mussten angesichts der drohenden oder realen Bombenkatastrophe ihr städtisches Selbstverständnis neu bestimmen und eine Revision ihres Baubestandes vornehmen. Dabei spielten Karten und Kartierungen eine besondere Rolle. Der Forschungsverbund „Kartieren und Transformieren. Interdisziplinäre Zugriffe auf Stadtkarten als visuelles Medium urbaner Transformation in Mittel- und Osteuropa, 1939-1949“ erforscht Funktionen der Stadtkarten in Transformationsprozessen für ausgewählte Städte in Mittel- und Ostmitteleuropa in interdisziplinärer Zusammenarbeit aus der Perspektive der Geistes- und Ingenieurwissenschaften, Sozialgeographie sowie Informatik. Das Teilprojekt am IRS vereint heterogene und wenig erforschte Datensätze, Karten und Archivmaterial, um die Transformation ausgewählter Städte in Ostdeutschland und im kommunistischen Polen zu untersuchen. mehr info

Das Forschungsprojekt „Städtische Authentizität“ untersucht, wie seit dem Zweiten Weltkrieg bis heute in europäischen Stadtgesellschaften über öffentliche Debatten, mediale Präsentationen und städtebauliche Praktiken bestimmte Teile des Bauerbes in Wert gesetzt und „authentisiert“ wurden. „Authentizität“ als scheinbar „echte“, „reine“ und „wahre“ Eigenschaft von Personen, Objekten und Praktiken ist in den letzten Jahrzehnten zu einem wichtigen öffentlichen Diskurs geworden. Die Frage nach Authentizität löst zahlreiche Debatten über den Umgang mit dem kulturellen Erbe und kulturellem Wandel aus und wurde zu einem zentralen Forschungsfeld in den Geisteswissenschaften. Von den Theater- und Museumswissenschaft über die Denkmalpflege bis hin zu den Geschichtswissenschaften streiten Wissenschaftler darüber, auf welche Weise Authentizität den kulturellen Wandel in modernen Gesellschaften sichtbar macht und auslöst. mehr info

Architektonische und städtebauliche Planung war in der DDR in Planungskollektiven organisiert, die dem Institutionssystem der DDR entsprechend in volkseigene Planungsbetriebe integriert waren freiberufliche Architekten gab es nur noch in verschwindend geringer Anzahl. Das Projekt untersucht diese Planungskollektive in ihrer administrativen Einbettung und Funktionsweise im politischen System einerseits und in Hinblick auf die künstlerischen Produktionsweisen und das Selbstverständnis der Architekten im Kollektiv andererseits. mehr info

Welche Rolle spielten Städtebau und Wohnverhältnisse für die friedliche Revolution in der DDR 1989? War der rasante und großflächige Verfall großer Altstadtgebiete bei gleichzeitiger und einseitiger Dominanz des industriellen Plattenbaus ein motivierender Faktor für Bürgerbewegungen? Das vom BMBF geförderte Projekt „StadtWende“ der Historischen Forschungsstelle, das im Januar 2019 mit einer Laufzeit von vier Jahren startete, will diese Frage gründlicher als bisher möglich untersuchen. mehr info