ForschungsabteilungHISTORISCHE FORSCHUNGSSTELLE

Die Historische Forschungsstelle untersucht Urbanisierungspfade und Planungskulturen des 20. Jahrhunderts mit einem Schwerpunkt auf der Zeitgeschichte nach 1945. Analysiert werden, über stadt- und regionalplanerische Entwürfe hinaus, staatliches Verwaltungshandeln, diesem Handeln zugrunde liegende Zukunftsentwürfe sowie zivilgesellschaftliche Interventionen und Aneignungen von Räumen. Die aufgrund räumlicher Verdichtung in Urbanisierungsprozessen entstandenen neuen Handlungsräume und Steuerungskonzepte werden insbesondere auf Legitimationsprobleme staatlicher Politik und Handlungsmuster von Planern und Stadtbewohnern hin untersucht. Dabei gilt der Rolle von Architekten und Planern als „Experten“ sowie dem Zusammenwirken von Akteuren aus Staat, Parteien und Zivilgesellschaft ein besonderes Interesse. Biographische Analysen bilden einen Schwerpunkt der Abteilungsforschung.

Zur Abteilung gehören die Wissenschaftlichen Sammlungen zur Bau- und Planungsgeschichte der DDR.

Aktuelles Leitprojekt

Lange Zeit wurde angenommen, dass soziale Disparitäten in und zwischen Städten im sozialistischen System der DDR weit weniger ausgeprägt waren als im marktwirtschaftlichen System der BRD. Neuere Erkenntnisse zeigen jedoch, dass es Analogien und parallele Entwicklungen in beiden Systemen gab, die sowohl in der BRD als auch in der DDR ab den 1960er-Jahren zur Verschärfung sozialräumlicher Disparitäten führten. Auch hinsichtlich der planungspolitischen Reaktionen darauf gibt es Hinweise auf einige analoge Entwicklungen. Mit diesem Leitprojekt soll erstmals ein integrierter Analyserahmen für historische Forschung zu sozialräumlichen Disparitäten über Systemgrenzen hinweg entwickelt und erprobt werden. mehr info

Aktuelles
26. November | 2020
IRS-Historiker Daniel Hadwiger mit Dissertationspreis des deutsch-französischen Historikerkomitees ausgezeichnet

Am 13. November 2020 wurde Daniel Hadwiger, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektleiter der Historischen Forschungsstelle des IRS, mit dem Dissertationspreis des deutsch-französischen Historikerkomitees ausgezeichnet. Er erhält den Preis für seine am 26. Juli 2019 an der Universität Tübingen verteidigte Dissertation zum Thema „Nationale Solidarität und ihre Grenzen. Die deutsche Nationalsozialistische Volkswohlfahrt und der französische Secours national im Zweiten Weltkrieg“. mehr Info

Aktuelles
23. Juli | 2020

Direkt neben dem Turm der barocken Garnisonkirche in der Potsdamer Dortustraße steht das 1971 fertiggestellte Gebäude des Datenverarbeitungszentrums des Volkseigenen Betriebs „Maschinelles Rechnen“. Die im Zweiten Weltkrieg beschädigte und 1968 gesprengte Garnisonkirche wird derzeit mit öffentlichen und privaten Mitteln wiederaufgebaut. Das „Rechenzentrum“, derzeit noch kulturell genutzt, ist dagegen ein Abrisskandidat. Warum ist das so? Im Juni 2020 nahm der internationale Projektverbund „UrbAuth“ unter Leitung der Historischen Forschungsstelle des IRS die Arbeit auf. Das Projekt will klären, wie Städte heute in ihrer Baupolitik historische Authentizität herzustellen versuchen, und warum dabei immer wieder bestimmte Epochen als Identifikationspunkte herangezogen werden, während die Spuren anderer Epochen aus den Stadtbildern verschwinden. mehr Info